Steckbrief

IUCN Status
Least concern / nicht gefährdet
Gepard Portrait
Physiologie*
Gewicht: 16 - 23 kg
Kopf-Rumpf-Länge: 55 - 57 cm
Schwanzlänge: 22 - 23 cm
Fortpflanzung*
Tragzeit (Tage): 70 - 78
Junge pro Wurf: 1 - 4
Entwöhnung (Monate): 4 - 6
*Daten nach Macdonald (2006)

Verbreitung

 
IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. www.iucnredlist.org

Der Karakal (Caracal caracal) ist eine afroasiatische, mittelgroße Katze. Wegen seiner Ähnlichkeit mit den Luchsen wird er manchmal auch als Wüstenluchs bezeichnet.

Aussehen

«Caracal» bedeutet auf Türkisch «schwarze Ohren». So sind wahrscheinlich die großen, kegelförmigen Ohren mit ihren 5 cm langen Büscheln aus schwarzen Haaren wahrscheinlich das bekannteste Merkmal dieser Katzen. Die Büschel erfüllen eine gewisse Funktion bei der Kommunikation des Karakal. Die schwarzen Ohren, die dunklen Stellen beiderseits der Schnauze, die schwarzen Stellen über den Augen und die schwarzen Streifen vom Auge zur Nase heben sich von einem ansonsten gleichmäßig gelbbraunen bis ziegelroten Fell ab. Die Augen sind groß und von gelbbrauner Farbe. Der kurze, dichte Pelz ist auf der Unterseite etwas länger und weißer. Weibchen sind kleiner als Männchen. Obwohl man den Karakal gelegentlich als „Wüstenluchs” bezeichnet, hat er längere Beine, einen schlankeren Körper, und einen beträchtlich längeren Schwanz als die Luchse (Lynx). Auch fehlt dem Karakal die typische Fellkrause um das Gesicht, das für die nördlichen Luchse so typisch ist. Selten ist beim Karakal von Melanismus berichtet worden.

Verhalten

Im Grunde ist der Karakal eine Katze trockener Gebiete, jedoch ist seine Lebensraumtoleranz recht hoch. So findet man ihn überall in Afrika in Waldgebieten, Savannen und Akazienbeständen, im Dschungel, sowie in den Wüsten Indiens und den Steppen Asiens. Als eine in Wüsten heimische Katze kommt der Karakal lange Perioden ohne Wasser aus. Während der heißen Stunden des Tages ruht sich die Katzen in Erdspalten aus und jagt hauptsächlich in den kühleren Morgen-, Nacht- und Abendstunden. Der Gang ähnelt dem des Geparden (Acinonyx jubatus), jedoch ist der Karakal kein Sprinter. Bei Gefahr flüchtet er auf Bäume. Obwohl der Karakal als die schnellste Katze seiner Größe betrachtet werden kann, ähnelt sein Jagdverhalten mit typischem Anschleichen und überraschendem Anpringen der Beute eher dem der Hauskatze (Felis catus). Innerhalb des Territoriums eines Männchen findet man die Jagdgebiete mehrerer Weibchen, doch beide Geschlechter kommen als Einzelgänger nur während der Paarungszeit zusammen. In Südafrika sind die Territorien von erwachsenen, männlichen Karakalen 31 - 65 km² groß, während jene der Weibchen 4 -31 km² groß sind.

Karacal (Caracal caracal) auf der Jagd
Karacal (Caracal caracal) auf der Jagd, Serengeti.

Ernährung

Karakale sind erstaunliche Hochspringer. Sie sind in der Lage, aufgeschreckte und davonfliegende Vögel mit den Pfoten im Sprung zu erwischen und auf den Boden zurück zu holen. Während eines einzigen Jagdtages kann der Karakal mit seiner Sprungtechnik 10 - 12 Vögel von der Größe einer Taube erlegen. Wegen dieser Fähigkeiten wurde der Karakal in Indien und dem Iran zur Vogeljagd abgerichtet und der englische Ausdruck »to put a cat amongst the pigeons« hat dort seinen Ursprung. Ähnlich wie den Gepard richtete man ihn auf die Jagd auf Antilopen, Hasen und Füchse ab. Wenn sie Vögel erbeuten, dann fressen sie kleinere Exemplare mitsamt den Federn, größere Exemplare werden zuerst gerupft. In freier Wildbahn jagt der Karakal neben Vögeln auch Nagetiere, Hasen, kleine Antilopen und Reptilien (einschließlich Giftschlangen). Auch Aas wird nicht verschmäht. Die Beute wird oft ins Dickicht geschleppt, wo sie in Ruhe verzehrt werden kann. Manchmal frisst der Karakal frisches feuchtes Gras und Früchte, wahrscheinlich um seinen Wasserhaushalt zu regulieren. Größere Beutetiere, die nicht auf einmal gefressen werden können, werden mit Gras bedeckt und versteckt, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgesucht zu werden. Im asiatischen Raum wurden Karakale benutzt, um die Wettleidenschaft der Menschen zu befriedigen, indem man sie in einer Arena auf Tauben losließ und dann wettete, wieviele sie erwischen würden.

Wie die meisten Katzen ist der Karakal vorwiegend nachtaktiv und legt auf der Suche nach Beute bis zu 20 km zurück. Geschlafen wird in Erdbauten, Steinspalten oder dichten Büschen, manchmal auch auf Bäumen. Der Karakal gibt nur wenige Laute von sich, hauptsächlich Knurren oder lautes Gebell während der Partnersuche. Wie bei anderen Tieren der Wüste haben sie ein ausgezeichnetes Gehör und sehr gute Augen. Der Geruchssinn ist jedoch nur mäßig entwickelt.

Fortpflanzung

Nach etwa 70 - 78 Tagen Tragzeit werden ein bis vier Kätzchen in einem Bau, einer Spalte oder einem Nest aus Pelz und Vogelfedern geboren. Die neugeborenen Karakale sind dunkler und grauer als erwachsene Katzen, mit rötlichen Stellen im Bereich des Bauches, die mit zunehmendem Alter aber wieder verschwinden. Die Jungen können ab dem ersten Tag die Augen leicht öffnen, die vollständige Augenöffnung erfolgt jedoch erst nach 6 - 10 Tagen. Im Alter von ungefähr 3 Wochen werden die Jungen von der Mutter in einen anderen Bau getragen - solche Wohnungswechsel werden regelmäßig durchgeführt. Im Alter von vier bis fünf Wochen sind die Jungtiere sehr aktiv und geben zwitschernde, vogelähnliche Laute von sich. Nach zehn Wochen werden die Jungtiere entwöhnt, bleiben jedoch noch bis zu einem Jahr bei der Mutter. Junge Karakale erreichen die Geschlechtsreife im Alter zwischen 12 - 16 Monaten. Der Karakal ist in Zoos recht häufig, da er sich dort gut fortpflanzt. Karakale wurden in Gefangenschaft bis zu 19 Jahre alt.

Schutz

Die tatsächliche Zahl wildlebender Karakale ist unbekannt. Für Asien und Nordafrika nimmt man eine sehr geringe Zahl an, wobei sie im südlichen Afrika weiter verbreitet sein dürften. Jedoch wird der Karakal überall dort, wo er vorkommt wegen seiner Vorliebe für Geflügel verfolgt. Viehzüchter in Afrika legen vergiftete Kadaver aus, um die wilden Katzen zu dezimieren. Die Vielfalt der Fleischfresser in Afrika ist in großer Gefahr. In Südafrika und Namibia kommt der Karakal ungewöhnlich häufig vor, was aber vermutlich mit der Ausrottung des Schabrackenschakals in diesen Regionen in Zusammenhang steht. Eine zusätzliche, ernstzunehmende Bedrohung für den Karakal ist der Verlust an Lebensraum. Menschen und ihre Siedlungen breiten sich immer mehr in ihre Jagdreviere aus und vernichten ihre Beutetiere. Für die indische Unterart des Karakals wird mittlerweile eine höchste Gefährdungsstufe angenommen. Die afrikanischen Populationen sind glücklicherweise in vielen Staaten geschützt, auch in Asien ist der Karakal etwa in der Hälfte der Länder, in denen er verbreitet ist, geschützt. Die Organisation des Washingtoner Artenschutz-übereinkommens listet die afrikanischen Populationen in Anhang II, die asiatischen Populationen in Anhang I. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Karakal als Least Concern (nicht gefährdet) ein.


David W. Macdonald (Hrsg). The Encyclopedia of Mammals. Oxford University Press; Auflage: New edition (12. Oktober 2006)

Breitenmoser-Wursten, C., Henschel, P. & Sogbohossou, E. 2008. Caracal caracal. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 19 August 2012 .

Bernard, R., C. Stuart. 1987. Reproduction of the caracal Felis caracal from the Cape Province of South Africa. South African Journal of Zoology, 22/3: 177-182.

Grzimek, B., N. Schlager, D. Olendorf. 2003. Caracal caracal. Pp. 387-388 in M Hutchins, D Klieman, V Geist, M McDade, eds. Grzimek's Animal Life Encyclopedia, Vol. 14, Mammals III, 2nd Edition. Farmington Hills, MI: Gale Group.

Kingdon, J. 2004. The Kingdon Pocket Guide to African Mammals. Italy: Princeton University Press.

Sunquist, M., F. Sunquist. 2002. Wild Cats of the World. Chicago, IL: The University of Chicago Press.