Steckbrief

IUCN Status
Near Threatened / gering gefährdet
Rohrkatze Portrait
Physiologie*
Gewicht: 3 - 5 kg
Kopf-Rumpf-Länge: 50 - 65 cm
Schwanzlänge: 20 - 30 cm
Fortpflanzung*
Tragzeit (Tage): 66 - 75
Junge pro Wurf: 1 - 5
*Daten nach Macdonald (2006)

Verbreitung

 
IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. www.iucnredlist.org

Der Manul (lat. Felis manul, engl. Pallas' Cat), ist eine kleine wilde Katze Zentralasiens.

Der Manul wird in einigen Ländern auch Pallaskatze genannt. Der Name geht auf den deutschen Naturforscher Peter Simon Pallas zurück, der zwischen 1768-74 und 1793-94 im Auftrag der Zarin Katharina II. Expeditionen durch Sibirien und das südliche Russische Reich unternahm. Er beschrieb viele Tierarten aus Russland, die bis dahin in Europa unbekannt waren. In Russland sowie in der Mongolei wird diese kleine asiatische Katze jedoch wie im deutschen Sprachraum Manul genannt. Ein weiterer geläufiger Name für den Manul ist Steppenkatze.

Aussehen

Der kleine Manul (Felis manul) hat einen stämmigen Körper mit dichtem weichem Fell und einem dunklen, flaumigen Pelz an der Körperunterseite. Die Haare sind dort doppelt so lang wie der Rest des Fells. Die Farbe des Fells variiert von hellem Grau bis Gelbbraun. Die weißen Spitzen seiner Fellhaare verleihen dem Manul ein »frostiges Aussehen«. Es gibt einige farblich schwach erkennbare Streifen an den Seiten des Körpers (besser erkennbar auf dem Sommerfell), ansonsten ist das Fell an der Bauchunterseite länger und dunkler als der Rest. Der Kopf des Manul ist kreisrund mit schwarzen Tupfen auf der Stirn. Auf den Backen des Manuls befinden sich zwei parallel verlaufende schwarze Streifen. Die großen, an Eulen erinnernden Augen sind grünlich-gelb und die Pupillen kontraktieren in runder Form, anders als bei den meisten Kleinkatzen, deren Pupillen sich bei Lichteinfall zu schmalen, senkrechten Schlitzen verengen. Die Ohren sind kurz, gerundet, und sitzen recht tief an den Kopfseiten. Die Beine des Manul sind kurz und kräftig, der Schwanz ist dicht behaart und mit fünf bis sechs dünnen Ringen sowie einer schwarzen Spitze versehen.

Manul
Manul

Manule (Felis manul) sehen wegen ihres dichten Fells korpulenter aus, als sie in Wirklichkeit sind. Sie sind gut an ihren zentralasiatischen Lebensraum angepaßt, der von Steppen, kalten Wüsten und felsigem Boden dominiert wird. Man hat Exemplare des Manul in Höhen von 4.000 bis 4.800 Metern angetroffen. Das dichte Fell isoliert den Körper gegen die Kälte, und der pelzige Schwanz kann um den Körper wie ein wärmender Muff geschlungen werden. Die gut entwickelte Nickhaut (drittes Augenlid) leistet gute Dienste beim Schutz gegen die kalten Stürme und den Staub, der dabei aufgewirbelt wird. Der Manul ist ein guter Bergsteiger, der mit Leichtigkeit über Klippen und Felsspalten hinweg klettert. Der flache Kopf und die tiefliegenden Ohren scheinen evolutive Anpassungen an das Heranpirschen an Beutetiere in offenem, nur gering bewachsenem Gelände zu sein. Das Beutespektrum des Manul ist recht vielfältig, so macht er Jagd auf Pfeifhasen, Wühlmäuse, Murmeltiere, Eichhörnchen und auf eine Vielzahl von Vögeln, darunter Lerchen und Flug- und Schneehühner. Der Manul versteckt sich tagsüber in Bodensenken oder kleinen verlassenen Höhlen, die er von Murmeltieren oder Füchsen übernommen hat.

Manul
Männlicher Manul im Zoo von Zürich.

Fortpflanzung

Man geht davon aus, dass der männliche Manul (Felis manul) ein Territorium von ungefähr 4 km² durchstreift, jedoch gibt es keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber. Es wird berichtet, dass sich der Paarungsruf der Manule wie eine Mischung aus dem Bellen junger Hunde und dem Schrei einer Eule anhört. Die Dauer des östrus (Sexualzyklus) der Weibchen scheint sehr kurz zu sein, denn Studien an Manul-Weibchen in Gefangenschaft haben gezeigt, dass der Zyklus nicht länger als 42 Stunden dauert. In Gefangenschaft tragen Manul-Weibchen die Nachkommenschaft in einem Zeitram von 66 bis 75 Tagen aus. Neugeborene Manule haben ein dunkles, wolliges Fell das noch nicht das »frostige Aussehen« der erwachsenen Katzen zeigt. Der Nachwuchs wird in der Regel zwischen dem späten April und Mai (in Sibirien) geboren. Der Wurf besteht normalerweise aus drei bis vier Kätzchen. Die Fellstreifen an den Körperseiten der jungen Manule verschwinden mit zunehmendem Alter. Bereits im Alter von ungefähr zwei Monaten, zu dieser Zeit wiegen die jungen Manule ungefähr 500 - 600 g, nimmt ihr Fell das Aussehen der erwachsenen Tiere an. Der Manul ist ungefähr mit einem Alter von 8 Monaten geschlechtsreif. Aus den Zoos aus aller Welt wird ein maximales Lebensalter von 12 Jahren berichtet.

Zu früheren Zeiten wurde der Manul (Felis manul) irrtümlich als ein möglicher Vorfahr der langhaarigen Perserkatzen gehandelt, sicherlich weil moderne gentechnische Verfahren zur Bestimmung der Stammesgeschichte verwandter Lebewesen noch nicht bekannt waren. Aus den Zoos wird berichtet, dass der Manul sein wildes Temperament beibehält, auch wenn er in Gefangenschaft gehalten wird. Jungtiere, die von Menschenhand aufgezogen wurden, zeigen jedoch ein ähnlich menschenbezogenes Verhalten wie Hauskatzen.

Das Fell des Manul (Felis manul) ist von einem Hauch Luxus umgeben. Daher scheint es nicht verwunderlich, dass sein Pelz auf örtlichen Märkten ein begehrtes Handelsgut ist. Die Felle des Manul findet man (manchmal) auf russischen oder chinesischen Märkten, obwohl diese Katzen als Vertilger von Nagetieren wie Ratten oder Mäusen gewöhnlich hoch geschätzt werden.

Gefährdung

Der Manul (Felis manul) ist in den letzten Jahren aus vielen Gegenden rund um das Kaspische Meer ebenso verschwunden, wie aus dem östlichen Teil seines angestammten Verbreitungsgebietes. So ist er dort nur noch mit viel Glück anzutreffen. Die meisten der gejagten Felle werden nicht ins Ausland exportiert, sondern verbleiben am Heimatort der Jäger und Fallensteller. Aus den Fellen werden Mützen, Kleiderkragen und Pelzmäntel hergestellt. Das Fell wird wegen seiner Wärmeisolierung von zahlungskräftigen Damen und Herren aus Russland, Europa und China hochgeschätzt.

Wie auch im Fall der Graukatze (Felis bieti) hat der Manul (Felis manul) darüber hinaus heute mit Giftstoffen zu kämpfen, die zur Vernichtung der Pfeifhasenplage in weiten Teilen Russlands und Chinas ausgebracht wurden (und werden). Ein großer Vorteil ist, dass der kleine Manul in einem Lebensraum zuhause ist, der im Allgemeinen von Menschen als unzugänglich und unfruchtbar angesehen wird. In den meisten Ländern, in denen der Manul vorkommt, ist die Jagd strengstens verboten. Keine Informationen über den Schutzstatus des Manul liegen allerdings aus den Staaten Afghanistan, Georgien und Tadschikistan vor. Das Washingtoner Artenschutz-übereinkommen führt den Manul in Anhang II.


David W. Macdonald (Hrsg). The Encyclopedia of Mammals. Oxford University Press; Auflage: New edition (12. Oktober 2006)

Ross, S., Murdoch, J., Mallon, D., Sanderson, J. & Barashkova, A. 2008. Otocolobus manul. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 19 August 2012 .

Heptner, V., A. Sludskii. (1992). Mammals of the Soviet Union. Published for the Smithsonian Institute Libraries and The National Science Foundation, Washington, D.C.: (Amerind Publishing Co., New Delhi).

Nowak, R. (1999). Walker's Mammals of the World, 5th ed. Baltimore: John Hopkins University Press.

Roberts, T. (1977). Mammals of Pakistan. London: E. Benn.