Die Domestizierung der Katze - Nordafrika und Ägypten

Als Naturforscher im 19. Jahrhundert Nordafrika bereisten, berichteten sie von Menschen, die afrikanische Wildkatzen einfingen und zähmten, um sie in ihren Hütten und Einfriedungen als Haustiere zu halten.

ähnliche Fälle sind bis in moderne Zeiten auch aus Arabien bekannt. Afrikanische Wildkatzen leben in nächster Nähe mit dem Azande Stamm aus dem Südsudan, obwohl sie nicht domestiziert sind. Die Katzen scheinen bei den Menschen Schutz vor größeren Raubtieren zu suchen und profitieren von einem erhöhten Nahrungsangebot, das sie rund um die Stammessiedlungen finden. Sie zeigen keine oder nur wenig Scheu vor den Menschen. Ein ähnliches Verhalten kennt man von einigen „Stadtfüchsen“ in europäischen Großstädten - sie leben in nächster Nähe mit Menschen, ohne dabei zahm zu sein.

Die relative Sanftheit der afrikanischen Wildkatze und ihre Fähigkeit, nahe bei den Menschen zu leben ohne jedoch in dessen Gefangeschaft zu sein, legt nahe, dass die Katzen selbst es waren, die sich den Menschen anschlossen um dessen Schutz und Nahrungsangebot in den Behausungen und außerhalb davon auszunutzen.

Für viele Historiker scheint es außer Frage zu stehen, dass die heutigen Hauskatzen zwischen 3.000 v.Chr. und 2.000 v.Chr. in Ägypten ihren Ursprung haben (Baldwin, 1975). Der früheste altägyptische Hinweis auf das Vorhandensein von Katzen stammt aus der Zeit um 2500 v.Chr. und vieles spricht für eine halb-domestizierte Lebensweise der ägyptischen Katzen ab ca. 2000 v.Chr, gleichwohl haben die alten ägypter auch viele wilde Katzenarten in Bildern verewigt. Es gibt einige wenige Hinweise in Form von Darstellungen, dass Katzen bereits bis zum neuen Königreich der 18. Dynastie (ca. 1600v.Chr.) vollkommen domestiziert waren.

In einigen ägyptischen Gräbern fand man Schädel der Rohrkatze (Felis chaus). Aber es gibt keine überreste von Katzen mit gemeinsamen Merkmalen der afrikanischen Wildkatze und der Rohrkatze, die belegen könnten, dass Letztere ebenfalls zu den Vorfahren der Hauskatze gehört. Einige ägyptische Wandmalereien stellen Katzen in einer Sumpflandschaft dar, bei denen es sich um Rohrkatzen handeln könnte.

Die bedeutende Rolle der Katzen in der alt-ägyptischen Mythologie ist sehr gut dokumentiert. Katzen wurden in den Tempeln geduldet oder gehalten und lebten in nächster Nähe mit Menschen. Sicherlich wurden sie auch gefüttert, was zu einer raschen Domestizierung beigetragen hat. Die zutraulichsten Katzen hätten sich demnach rascher vermehrt und die scheuen Populationen aus der Gesellschaft des Menschen verdrängt. In ägyptischen Gräbern sind zahlreiche mumifizierte Katzen entdeckt worden. Viele scheinen Opfertiere gewesen zu sein und manche Forscher glauben, dass dies der einzige Grund war, warum junge Katzen in den Tempeln aufgezogen wurden. Doch wegen ihrer ausgezeichneten Fähikeiten als Nagetierjäger dürften sie wahrscheinlich auch in normalen ägyptische Haushalten gelebt haben.

Manche frühe ägyptische Malereien scheinen Katzen darzustellen, die bei der Entenjagd eingesetzt werden. Möglicherweise haben solche Darstellungen aber eine andere Bedeutung, da sich Katzen im Allgemeinen nicht besonders gut als Apportierhunde eignen. Auf späteren Malereien sind Katzen als Symbole für Fruchtbarkeit oder häusliche Harmonie dargestellt.

Die landwirtschaftlich geprägte altägyptische Kultur maß der Katze eine hohe Bedeutung zu, die sich schon früh zu einer kultischen Verehrung der Tiere entwickelte. Ausdruck hierfür ist die Katzengöttin Bastet, der man Einfluss auf Fröhlichkeit und Liebe, Schönheit, Weiblichkeit, Anmut und Fruchtbarkeit zusprach. Sie wurde oft als kleine Katze mit Löwenkopf oder weibliche Gestalt mit Katzenkopf dargestellt. In der Spätzeit nahm der Katzenkult die größten Ausmaße an; in Bubastis (zeitweise Hauptstadt des Reiches) strömten viele Pilger in das Kultzentrum, und opferten tausende mumifizierte Katzen (bei Herodot nachzulesen). Außerdem war es gebräuchlich, dass der Besitzer sich beim Tod einer Katze zum Zeichen der Trauer die Augenbrauen abrasierte und den Körper des Tieres nach Bubastis trug, um ihn einbalsamieren und auf einem speziellen Katzenfriedhof bestatten zu lassen. Alternativ konnte die Katze auch zusammen mit ihrem Besitzer beerdigt werden. Die Tötung einer Katze wurde als Todsünde betrachtet.