Barthaar


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Porträt eines Mannes mit Vollbart (Gemälde von Rudolf Epp, 1901)
Bartträger des späten 19. Jahrhunderts

Barthaare sind Teil der menschlichen Körperbehaarung. Meist verteilt sich die Wachstumszone der Barthaare um den Mund, am Kinn, an den Wangen und am oberen Halsbereich. Die charakteristischen Eigenschaften der behaarten Bereiche sind im Artikel Haar detailliert beschrieben. Barthaare haben für gewöhnlich einen dickeren Schaft, sind starrer und bleiben kürzer als das Kopfhaar.

Biologie

Das Barthaar ist in der Regel ab der Pubertät des Mannes verbreitet und zählt somit zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen. Ausgelöst wird der Bartwuchs durch das Androgen Testosteron. Sichtbares Barthaar bei Frauen bezeichnet man als „Damenbart“. Der Bartwuchs von Frauen beginnt unter Umständen nach der Menopause (den Wechseljahren).

Großaufnahme

Bartwuchs ab der Pubertät

Durch endokrine Vorgänge im Körper beginnt am Ende der männlichen Pubertät (im Alter zwischen ca. 14 und 18 Jahren) der Bartwuchs. In der Regel taucht zuerst auf der Oberlippe ein zarter Flaum auf, der zunächst weich ist, aber dann allmählich härter wird. Kurz darauf erscheint das erste Haar bei den Ohren, da dort der eigentliche Bartwuchs anfängt. Etwas später sprießen die ersten Haare auch am Kinn, wo diese sich dann Richtung Hals ausbreiten. Zum Schluss greift das Haar noch auf die Wangen über.

Erst jetzt spricht man von einem richtigen Bart, und für ein nacktes Gesicht wird eine regelmäßige Rasur erforderlich, jedoch dauert dies einige Zeit, da dieses Stadium erst ca. 4-5 Jahre nach dem ersten Erscheinen der Schambehaarung erreicht wird. Die Stärke der Behaarung wird teils vom männlichen Hormon Testosteron sowie genetisch gesteuert, regelmäßiges Rasieren hat darauf keinen Einfluss. Dennoch nimmt die Wachstumsgeschwindigkeit und die Stärke des Bartes mit dem Alter aufgrund des steigenden Hormonniveaus zu.

Bartformen

Verschiedene Bartformen

Es gibt verschiedene Arten, Bärte zu tragen, man spricht dabei von Bartformen oder Barttrachten. Die getragenen Formen unterscheiden sich nach Kulturkreisen, Moden und Epoche. Die erste „Bartmode“ ist aus dem alten Ägypten überliefert. Damals waren die Ägypter entweder glattrasiert oder trugen beispielsweise einen Oberlippenbart. Wie von der Maske des Tutanchamun bekannt, trugen die ägyptischen Könige als Zeichen ihrer Macht lange, blau gefärbte Kinnbärte, die auch nur ihnen vorbehalten waren.

Gängige Bartformen sind:

  • Backenbart
  • Dreitagebart
  • Goatee (ähnlich wie ein Kinnbart, auch Ziegenbart genannt)
  • Henriquatre (Rund-um-den-Mund-Bart, „Gewerkschafterbart“, Kriegerbart, Jägerbart)
  • Kinnbart
  • Knebelbart (auch Victor-Emanuel-Bart (nach Victor Emanuel II.) oder Musketierbart genannt)
  • Kotelettenbart
  • Mongolen-Bart: Voller Schnauzbart, der seitlich nach unten bis zum Rand des Unterkiefers verlängert ist, ähnlich Henriquatre, jedoch mit rasiertem Kinn; volkstümlich „Zuhälterbart“ genannt
  • Rauschbart, Rauschebart (nicht getrimmter Vollbart)
  • Schifferfräse, Schifferkrause (Vollbart, jedoch ohne Bewuchs der Oberlippe und höheren Wangenpartie)
  • Schnurrbart (Schnauzbart, Oberlippenbart, Schnäuzer)
  • Soulpatch unter der Unterlippe in verschieden starker Länge und Dichte
  • Vollbart
  • Kaiser-Wilhelm-Bart

Längere Bärte werden zuweilen am Kinn geflochten.

Der Milchbart ist hingegen nur eine Metapher für einen sehr jungen Mann mit erstem Bartflaum und spielt spöttisch auf die deutlich sichtbaren Milchränder an, die den Kindern beim Trinken auf der Oberlippe oder den Hautpartien um den Mund verbleiben.

Rasur und Schnitt

Die Kürzung der Barthaare erfolgt üblicherweise mittels Rasur; hierbei ist der Zeitraum, in dem man sich rasieren muss, um sichtbare Behaarung zu unterdrücken, abhängig vom Bartwuchs und kann zwischen mehrmals täglich und wöchentlich liegen. Verwendet werden Rasiermesser, Rasierhobel, Systemrasierer oder Shavette. Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass der Bartwuchs durch häufigere Rasur stimuliert würde. Dieser Irrglaube ist auf das subjektive Gefühl zurückzuführen, welches beim Austreiben der sehr harten Bartstoppeln entsteht.

Die Länge der Barthaare kann beträchtlich werden. Den längsten Bart trug seinerzeit Hans Langseth, ein 1927 in den USA verstorbener Norweger mit 5,33 m Haarlänge.

Die Rasur kann entweder total erfolgen, wobei alle Barthaare entfernt werden, oder es werden ausgewählte Teile der Gesichtsbehaarung stehengelassen oder nur gestutzt (geschnitten). Diese Bartbehaarung wird dann Schmuck- oder Modellbart genannt und bedarf zum Erhalt einer regelmäßigen Bartpflege, dabei wird oft auch Bartwichse benutzt.

Kulturgeschichte

In früheren Zeiten sah man den Bart als Zeichen der Kraft und als Zierde der Männlichkeit an, weshalb sich auch eine sorgfältige Pflege entwickelte. Die Ansichten darüber, was mit dem Bart zu geschehen habe, unterscheiden sich von Kultur zu Kultur beträchtlich; von der jeweiligen Norm abweichende Barttracht gilt oft als Zeichen von Ungepflegtheit oder Fremdheit. Hatte der Bart in der Frühgeschichte der Menschheit vor allem auch einen kultischen Charakter, der viele religiöse Komponenten besaß, ist er in der Gegenwart daneben vor allem in der säkularisierten westlichen Welt sowohl Ausdruck von Individualität als auch in bestimmten Formen Mode.

Altertum

Die Pharaonen des Alten Ägypten (auch, wenn sie Frauen waren) trugen einen Zeremonialbart als Zeichen ihrer virilen Omnipotenz[1]. Dieser Zeremonialbart war aber eine künstliche, stilisierte Attrappe; der natürliche Bartwuchs wurde rasiert. Die Barttracht war ein Zeichen der sozialen Distinktion und sollte Ständeunterschiede in den alten Hochkulturen verdeutlichen.

Die Alten Griechen waren bis zur Eroberung durch Alexander den Großen stolz auf ihre Bärte, die nur zu Anlässen der Trauer oder als Bestrafung rasiert wurden. Allerdings kamen in der klassischen Zeit die sogenannten „Strategenbärte“ auf, kurz gehaltene Bärte, die nicht im Kampf störten. Mit der Machtübernahme durch die Makedonier wurde es Sitte, sich zu rasieren.[2]. Aus dieser Zeit stammt das Sprichwort: Ein Bart macht noch nicht den Weisen. Denn die Philosophen und viele Griechen der Oberschicht trugen auch noch zu Zeiten Alexanders langes Haupthaar und lange Bärte.

In der klassischen Zeit kannten die Römer die Rasur nicht. Mit der Kontaktnahme zur griechischen Kultur wurde es auch hier üblich, sich zu rasieren. Scipio Africanus der Jüngere soll der erste Römer gewesen sein, der sich glatt rasierte,[3] während Kaiser Hadrian den Bart trug als Zeichen seiner Verbundenheit mit der klassischen, vormakedonischen griechischen Kultur[4].

Die Bartmode bei den Völkern außerhalb des römischen Imperiums sind nur teilweise überliefert. Etwa die persischen Herrscher durchwirkten ihren Bart mit Goldfäden; Caligula übernahm dies als Zeichen für seinen absoluten Machtanspruch analog zu dem der persischen Gottkönige. Tacitus berichtet in seiner Germania (nach 98 n.Chr.): Das auch von anderen Völkern Germaniens selten und unter persönlichem Wagemut des Einzelnen Praktizierte hat sich bei den Chatten zur allgemeinen Sitte gestaltet: sobald sie herangewachsen sind, Haar und Bart wachsen zu lassen, und nur nach Tötung eines Feindes die angelobte und der Tapferkeit verpfändete Tracht ihres Antlitzes abzulegen[5]. Demnach war der ungepflegte Haarwuchs auch bei den Germanen verpönt, aber als sichtbares Zeichen von Initiationsriten wurde der Haartracht besondere Bedeutung zugemessen.

Judentum, Christentum, Islam

Judentum

Das Alte Testament kennt zwei Gebote über die Barttracht. In Levitikus 19, 27 heißt es (in der Übersetzung nach Luther, Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984 (Deutsche Bibelgesellschaft)): Ihr sollt euer Haar am Haupt nicht rundherum abschneiden noch euren Bart stutzen. Dies richtet sich an alle Israeliten, und ist vor allem eine Ablehnung von heidnischen Haar- und Barttrachten, die religiöse Bedeutungen hatten. Levitikus 21, 5 richtet sich an die Priester: Sie sollen auch keine Glatze scheren auf ihrem Haupt noch ihren Bart stutzen und an ihrem Leib kein Mal einschneiden. Auch hier ist der Hintergrund die Modifikation des Körpers im Kult der Heiden der damaligen Zeit, der u.a. auch Tätowierungen und gezielte Vernarbung beinhaltete. Ausgehend von diesen Versen haben sich im Judentum verschiedene Interpretationen herausgebildet, in wie fern sich ein frommer Jude rasieren und trimmen darf. Orthodoxe und ultraorthodoxe Juden tragen darum lange Vollbärte und Schläfenlocken.

Christentum

Das Christentum kennt keine eindeutige Barttracht, vielmehr wechseln sich in der Zeit und in den Konfessionen unterschiedliche Traditionen und Deutungen ab, ob ein Mann einen Bart tragen muss oder nicht. Während der katholische Klerus überwiegend glattrasiert ist, tragen zum Beispiel die Amischen eine Schifferkrause als verheiratete Männer. Mönchsorden haben zum Teil festgelegte Rasurzeiten.

Islam

Im Islam wird der Bart Mohammeds überliefert, der wie sein Haupthaar bis zu seinem Tod kaum ergraut sein soll. Strenggläubige Muslime folgen einigen Hadithen, also Überlieferungen der Propheten und der Sahaba. In diesen wird vorgeschrieben, dass der Bart getragen werden muss, dass der Oberlippenbart gekürzt werden muss, und dass unterhalb des Kinns eine Faustlänge geboten sei[6]. Befolgt werden diese Vorschriften vor allem von puritanischen und fundamentalistischen Strömungen im Islam wie etwa unter den Taliban in Afghanistan oder im Salafismus.

Europäische Neuzeit

Der Bart war in Europa zu einer völlig säkularisierten ästhetischen Größe geworden. Die Barttracht war der Mode unterworfen, die vom Herrscherhof ausging. So setzte Ludwig XIV. die Glattrasur als Standard, während Henri IV. den nach ihm benannten Bart (siehe oben) popularisierte. Einen Höhepunkt fand der Bart im 19. Jahrhundert. In der Zeit der Revolutionen 1789 bis 1848 war der Bart zu einem Zeichen der Volksnähe, aber auch des Radikalismus geworden. Intellektuelle trugen ihn als Zeichen der Kritik und der revolutionären Gesinnung (siehe etwa Karl Marx, Pjotr Kropotkin oder Friedrich Nietzsche), während Herrscher den bis ins 18. Jahrhundert verpönten Bart (Friedrich der Große etwa war glattrasiert) wiederentdeckten, um ihr Aussehen den einfachen Menschen anzupassen. Dadurch wurden sie ihrerseits Vorbilder für loyale Bürger, die Barttracht wieder nachzuahmen (siehe Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Wilhelm II.).

Mit dem Ersten Weltkrieg verschwanden die im vorigen Jahrhundert beliebten ausufernden Voll- und hochstilisierten Backenbärte. Die Erfordernisse an die Soldaten, Gasmasken problemlos und schnell bei Gasangriffen aufzusetzen, setzte den bis dahin beliebten Barttrachten ein jähes Ende. Ebenfalls in diesem Zeitraum verbilligte und vereinfachte sich die Rasur durch die Erfindung des Rasierhobels durch King Camp Gillette 1901. Mit diesem Wegwerfgegenstand konnte sich jeder Mann ohne großen Aufwand die tägliche Rasur leisten.

Gegenwart

Mit dem Aufkommen der Gegenkultur der Beatniks und der Hippies wurde der Bart in den 1970er-Jahren wieder modisch, als Zeichen von Individualität und Querdenkertum. In den 1990er und 2000er-Jahren wurde der Drei-Tage-Bart und der Hipster-Bart beliebt. Der Bart ist in der westlich-abendländischen Kultur zu einem Mode-Accessoire geworden.

Andere Kulturen

Im Sikhismus und in der Rastafari-Bewegung werden Bärte aus religiösen Gründen getragen. Sadhus, hinduistische Wandermönche, lassen sich Haupt- und Barthaar stehen als Zeichen ihres asketischen Lebensstils.

Bärte in der Literatur und Wissenschaft

Julian nach der Statue des Kaisers im Louvre

Bereits der römische Kaiser Julian (331-363) verfasste eine ironische Skizze Misopogon (dt. „der Barthasser“). Aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt eine ausführliche Abhandlung über Bärte, verfasst von Burchardus, Abt des Zisterzienserklosters Bellevaux in der Franche-Comté [7]. Sie ist an die zisterziensischen Laienbrüder gerichtet. Nach Auffassung des Autors waren Bärte für die ungebildeten, in der Landwirtschaft tätigen Laienbrüder angemessen, nicht aber für die Priestermönche.

Insbesondere in Zeiten, in denen noch einheitlichere Kleidungs-, Bart- und Haartrachtkonventionen herrschten als heute, konnte schon eine kurze Erwähnung der Barttracht zur Charakterisierung einer literarischen Figur beitragen. Ein Beispiel ist etwa Der Untertan im gleichnamigen Roman von Heinrich Mann, der durch seinen „katerhaft drohenden“ „Es ist erreicht“-Bart seine Loyalität für Wilhelm II. demonstriert. Auch in der Erzählung Das Eisenbahnunglück von Thomas Mann gehören die Bärte zweier Protagonisten neben ganz wenigen anderen Accessoires zu den Attributen, die den „Herrn“, der sich über öffentliche Vorschriften souverän hinwegsetzt, vom „Mann“, der in diesem Fall den Staat verkörpert, unterscheiden.

Redensarten

  • Die Redensart Das ist (nur) ein Streit um des Kaisers Bart tut einen Streit als belanglos ab.
  • Jemandem um den Bart gehen bzw. Honig um den Bart schmieren meint, ihm zu schmeicheln.
  • Barba non facit philosophum, neque vile gerere pallium („Ein Bart macht noch lange keinen Philosophen, auch nicht, einen billigen Mantel zu tragen“ nach Aulus Gellius).

Siehe auch

Grabstein des Hans Staininger, der wegen seines außergewöhnlich langen Bartes berühmt war.

Weblinks

Commons: Kategorie Bärte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Barthaar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Wietig, Christina, Der Bart. Zur Kulturgeschichte des Bartes von der Antike bis zur Gegenwart, Hamburg 2005, S.16
  2. Wietig, Christina, Der Bart. Zur Kulturgeschichte des Bartes von der Antike bis zur Gegenwart, Hamburg 2005, S.21
  3. Brockhaus-Artikel von 1837 über den Bart. Online-Bibliothek Zeno.org, abgerufen am 14. Juni 2012 um 21:51 Uhr
  4. Fündling 2006, Bd. 4.2, S. 1128–1131; Paul Zanker, Die Maske des Sokrates: Das Bild des Intellektuellen in der antiken Kunst. München 1995, S. 206–221.
  5. Online-Ausgabe der Germania von Tacitus mit deutscher Übersetzung. Siehe Kapitel 31, erster Satz. Abgerufen am 22. Juni 2012 um 23:45 Uhr.
  6. Brockhaus-Artikel von 1837 über den Bart. Online-Bibliothek Zeno.org, abgerufen am 14. Juni 2012 um 21:51 Uhr
  7. Corpus Christianorum, Continuatio Mediaevalis LXII, Apologiae duae: Gozechini epistola ad Walcherum; Burchardi, ut videtur, Abbatis Bellevallis Apologia de Barbis. Edited by R.B.C. Huygens, with an introduction on beards in the Middle Ages by Giles Constable. Turnholti 1985

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