Cleistes

Cleistes
Cleistes libonii

Cleistes libonii

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Vanilloideae
Tribus: Pogonieae
Gattung: Cleistes
Wissenschaftlicher Name
Cleistes
Rich.

Cleistes ist eine Gattung aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Sie enthält mehr als sechzig Arten krautiger Pflanzen, die im tropischen Amerika beheimatet sind.

Beschreibung

Die Arten der Gattung Cleistes sind terrestrisch wachsende Pflanzen. Die Wurzeln sind schlank und faserig, sie bilden Wurzelknollen. Der Spross ist aufrecht und hohl. Er trägt ein bis mehrere Blätter. Diese sind ungestielt, mit der Basis den Stängel umfassend, fleischig, oval bis lanzettlich geformt.

Der endständige Blütenstand ist eine Traube mit zwei bis sechs, manchmal auch nur einer Blüte. Die Blüten stehen in den Achseln laubblattartiger Tragblätter. Die Blüten sind resupiniert, relativ groß, die Farbe ist weiß, rosa oder rotbraun. Die drei Sepalen sind nicht miteinander verwachsen und schmal lanzettlich geformt. Die Petalen gleichen ungefähr den Sepalen, sind aber meist etwas breiter und dünner texturiert. Sie weisen nach vorne und formen über der Säule eine Blütenröhre. Die Lippe ist frei, gelenkig an der Säule ansetzend, einfach oder undeutlich dreilappig. Am Übergang zur Säule sitzen zwei drüsige Schwielen, längs der Spreite verlaufen normalerweise erhabene Leisten und dunkler gefärbte Adern. Die Säule ist länglich und keulenförmig. Das deutlich gestielte, gegenüber der Säulenachse herabgebogene Staubblatt ist haubenartig von Gewebe der Säule (Klinandrium) umgeben, seitlich bildet dieses zwei gezähnte Anhängsel. Das Staubblatt enthält in zwei Kammern den Pollen, der lose als einzelne Pollenkörner (Monaden) oder zu je vier Pollenkörner (Tetraden) vorliegt.

Die Blüten produzieren Nektar, es wurden bei einigen Arten Bienen und Hummeln als Bestäuber beobachtet.[1]

Vorkommen

Cleistes ist im tropischen Amerika verbreitet. Von Costa Rica und Panama im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Argentinien und Uruguay im Süden. Die meisten Arten kommen in Brasilien vor. Ein oder zwei Arten sind im Südosten der USA beheimatet, diese sind allerdings näher mit anderen nordamerikanischen Gattungen verwandt als mit dem südamerikanischen Teil der Gattung Cleistes.

Die Standorte liegen meist am Rand von Wäldern oder in Savannen, das Klima ist in der Wachstumsperiode feucht, weist aber meist eine deutliche trockene Jahreszeit auf. Oft sind die besiedelten Böden sandig und sauer. Nur wenige Arten besiedeln höhere Lagen.

Systematik und botanische Geschichte

Cleistes wird innerhalb der Unterfamilie Vanilloideae in die Tribus Pogonieae eingeordnet. Der Großteil der Gattung, die südamerikanischen Arten, bilden eine monophyletische Gruppe, während die nordamerikanischen Pflanzen näher mit Isotria und Pogonia verwandt sind. Pansarin und de Barros schlugen 2008 die Abspaltung einer neuen Gattung, Cleistesiopsis, vor.[2]

Cleistes wurde erstmals 1818 von Louis Claude Richard beschrieben. Der Name Cleistes kommt vom griechischen κλειστός kleistos, „geschlossen“, und bezieht sich auf die nicht weit geöffneten Blüten. Typusart ist Cleistes grandiflora.

Cleistes rosea

Die Arten der Gattung Cleistes:[3]

  • Cleistes acuminata Schltr.
  • Cleistes aphylla (Barb.Rodr.) Hoehne
  • Cleistes australis Schltr.
  • Cleistes batistana Pansarin & F.Barros
  • Cleistes bella Rchb.f. & Warm.
  • Cleistes brasiliensis (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes calantha (Schltr.) Schltr.
  • Cleistes caloptera Rchb.f. & Warm.
  • Cleistes carautae Toscano & Léoni
  • Cleistes castaneoides Hoehne
  • Cleistes catharinensis (Cogn.) Hoehne
  • Cleistes cipoana Hoehne
  • Cleistes costaricensis Christenson
  • Cleistes elegantula (Schltr.) Schltr.
  • Cleistes elongata Pansarin & F.Barros
  • Cleistes exilis Hoehne
  • Cleistes fragrans (Schltr.) Schltr.
  • Cleistes gert-hatschbachiana Hoehne
  • Cleistes grandiflora (Aubl.) Schltr.
  • Cleistes huberi Carnevali & I.Ramírez
  • Cleistes humidicola (Schltr.) Schltr.
  • Cleistes ionoglossa Hoehne & Schltr.
  • Cleistes itatiaiae Pabst
  • Cleistes latiglossa Hoehne
  • Cleistes latipetala (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes latiplume Hoehne
  • Cleistes lenheirensis (Barb.Rodr.) Hoehne
  • Cleistes lepida (Rchb.f.) Schltr.
  • Cleistes libonii (Rchb.f.) Schltr.
  • Cleistes liliastrum Rchb.f.
  • Cleistes macrantha (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes magnifica (Schltr.) Schltr.
  • Cleistes mantiqueirae Rchb.f. & Warm.
  • Cleistes metallina (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes miersii Gardner
  • Cleistes monantha (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes montana Gardner
  • Cleistes moritzii (Rchb.f.) Garay & Dunst.
  • Cleistes nana (Schltr.) Schltr.
  • Cleistes paludosa Rchb.f.
  • Cleistes paranaensis (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes parviflora Lindl.
  • Cleistes paulensis (Schltr.) Schltr.
  • Cleistes pluriflora (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes pusilla Pansarin
  • Cleistes quadricallosa (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes ramboi Pabst
  • Cleistes revoluta (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes rodeiensis (Barb.Rodr.) Schltr.
  • Cleistes rodriguesii (Cogn.) Campacci
  • Cleistes rosea Lindl.
  • Cleistes silveirana Hoehne & Schltr.
  • Cleistes speciosa Gardner
  • Cleistes strangii Pabst
  • Cleistes stricta (C.Schweinf.) Garay & Dunst.
  • Cleistes tamboana Dodson & Carnevali
  • Cleistes tenuis (Rchb.f.) Schltr.
  • Cleistes triflora (C.Schweinf.) Carnevali & I.Ramírez
  • Cleistes uliginosa Pabst
  • Cleistes unguiculata (Rchb.f.) Schltr.
  • Cleistes unifoliata (C.Schweinf.) Carnevali & I.Ramírez
  • Cleistes vargasii (C.Schweinf.) Medley
  • Cleistes venusta (Schltr.) Schltr.
  • Cleistes vinosa (Barb.Rodr.) Schltr.

Belege

Die Informationen dieses Artikels stammen überwiegend aus:

  •  Leslie A. Garay: 225 (1). Orchidaceae (Cypripedioideae, Orchidoideae and Neottioideae). In: Gunnar Harling, Benkt Sparre (Hrsg.): Flora of Ecuador. 9, 1978, ISSN 0347-8742, S. 40.
  •  Alec M. Pridgeon, Phillip Cribb, Mark W. Chase, Finn Rasmussen (Hrsg.): Genera Orchidacearum. Orchidoideae (Part 2). Vanilloideae. 3/2, Oxford University Press, New York und Oxford 2003, ISBN 0-19-850711-9, S. 286–289.

Des Weiteren werden zitiert:

  1.  Emerson R. Pansarin: Biologia floral de Cleistes macrantha (Barb. Rodr.) Schltr. (Orchidaceae: Vanilloideae: Pogoniinae). In: Revista Brasileira de Botânica. 26, Nr. 1, São Paulo 2003, ISSN 0100-8404, doi:10.1590/S0100-84042003000100008.
  2.  Emerson R. Pansarin, Fábio de Barros: Taxonomic notes on Pogonieae (Orchidaceae): Cleistesiopsis, a new genus segregated from Cleistes, and description of two new South American species, Cleistes batistana and C. elongata. In: Kew Bulletin. 63, Nr. 3, 2008, ISSN 0075-5974, doi:10.1007/s12225-008-9047-5.
  3. World Checklist of Cleistes. In: The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.

Weiterführendes

 Commons: Cleistes – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

06.05.2021
Anthropologie | Ethologie
Ältestes menschliches Begräbnis in Afrika
Eine neue Studie berichtet über die älteste bekannte Bestattung eines modernen Menschen in Afrika.
05.05.2021
Ethologie | Evolution
Verhaltensänderungen beim Eis-Essen
Wie Lernen und Evolution zusammenhängen, erforschen die Verhaltenswissenschaften seit über 100 Jahren. Bisher ohne allgemeingültige Antwort.
04.05.2021
Botanik | Klimawandel | Biodiversität
Klimawandel: Weniger Niederschläge, weniger Pflanzenvielfalt
Wasser ist in vielen Ökosystemen der Erde ein knappes Gut und dieser Mangel dürfte sich im Zuge des Klimawandels weiter verschärfen.
04.05.2021
Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Auf der Kippe: Brasiliens Küstenregenwald
Wissenschaftler haben den Einfluss der aktuellen Landnutzung auf die Vogel- und Amphibienwelt des Atlantischen Regenwalds im südöstlichen Brasilien untersucht.
01.05.2021
Mykologie | Genetik | Taxonomie
Millionen winziger Pilzarten bisher ohne Namen
Millionen kleiner Pilzarten haben noch keine Namen, darunter auch Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen.
01.05.2021
Biodiversität | Meeresbiologie
Enorme Artenvielfalt in der Tiefsee
Die Tiefseebecken im Atlantischen und Pazifischen Ozean weisen einzigartige Artengemeinschaften auf, die durch wirtschaftliche Nutzung bedroht sind. Ein neues Forschungsverfahren kombiniert unterschiedliche Datentypen.
01.05.2021
Klimawandel | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Baumplantagen tragen nur bedingt zum Schutz der Biodiversität bei
Künstlich angelegte Baumplantagen sollen helfen, den Verlust naturbelassener Wälder auszugleichen, tragen aber nur bedingt zum Schutz der Biodiversität bei.
01.05.2021
Ökologie | Klimawandel | Biodiversität
Verlust der Tierwelt in tropischen Wäldern
Eine neue Untersuchung betrachtet den Zusammenhang zwischen zunehmend tierleeren Tropenwäldern und den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung.
01.05.2021
Anatomie | Meeresbiologie
Die faszinierende Innenwelt des Meereswurms
Der Meereswurm Ramisyllis multicaudata lebt in den inneren Kanälen eines Schwammes.