Friedrich Arnold (Anatom)

Friedrich Arnold
Friedrich Arnold

(Philipp) Friedrich Arnold (* 8. Januar 1803 in Edenkoben, Rheinland-Pfalz; † 4. Juli 1890 in Heidelberg) war ein deutscher Anatom und Physiologe.[1] [2]

Leben

Seine Eltern waren der Gutsbesitzer Zacharias Arnold (1767–1840) und Susanne Margaretha († 1833; Tochter des Heidelberger Pfarrers Konrad Ludwig Brünings). Seine Geschwister waren der spätere Physiologe Johann Wilhelm Arnold (1801-1873)[3] und Maria Friederike, die den Neckarauer Pfarrer Maximilian Wundt (1787-1846) heiratete. Sein Neffe war Wilhelm Wundt (1832-1920).

Friedrich Arnold studierte ab 1821 zusammen mit seinem älteren Bruder Medizin an der Universität Heidelberg bei Friedrich Tiedemann, Vincenz Fohmann sowie Leopold Gmelin und promovierte 1825 mit einer Untersuchungen über das Nervensystem Diss. inaug. sistens observationes nonnullas neurologicas de parte cephalica nervi spmpathici in homine zum Doktor der Medizin. Zusammen mit seinem Bruder besuchte er anschließend die naturwissenschaftlichen und medizinischen Anstalten in Paris.[4] 1826 wurde er Tiedemanns Hilfsprosektor, 1828 Prosektor und Anfang der 1830er a.o. Professor. Im Jahre 1830 heiratet er Ida Eberhardine, geb. Qock (1811–68), sie ist die Tochter des kgl. württembergischen Hofdomänenrates Karl Christian Fr. von Qock in Stuttgart und seiner Gattin Maria Eberhardine Sofie geb. Bloest. Die Ehe sei sehr glücklich gewesen und endete 1868 mit dem Tode der Gattin; der Beziehung entstammten 5 Kinder, deren erstes, Ida, 1831 in Heidelberg geboren wurde. Seine älteste Tochter Ida und sein Sohn Julius waren bei der Übersiedelung nach Heidelberg 21 bezw. 17 Jahre, die beiden jüngeren Töchter Erwinia und Frida 11 und 3 Jahre alt.

1835 wurde er zum ordentlicher Professor für Anatomie und Physiologie an der Universität Zürich berufen, wo er 1838 als Rektor amtierte. Im Frühjahr 1840 wechselte er an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Freiburg im Breisgau, und ab April 1845 wirkte er an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Ab August 1852 war er wieder in Heidelberg, als Nachfolger von Jakob Henle als ordentlicher Professor und Direktor der Anatomie und Physiologie. 1858 trat er die Physiologie an Hermann von Helmholtz ab, der seinen Neffen zum Assistenten nahm. Er wurde unter anderem Prorektor, Mitglied des engeren Senats und Dekan der medizinischen Fakultät. Sein Nachfolger wurde im April 1873 Carl Gegenbaur (1826-1903). Gegenbaur heiratet in zweiter Ehe 1869 Arnold´s Tochter Ida Arnold (* 14. Mai 1831 in Heidelberg).

Der Lehrkörper Ruperto Carola zu Heidelberg im Jahre 500 ihres Bestehens (1886)a: Philipp Friedrich Arnold, b: Friedrich Wilhelm Hermann Delffs, c: Carl Gegenbaur, d: Friedrich Wilhelm Kühne

Friedrich Arnold wurde auf dem Bergfriedhof (Heidelberg) beigesetzt. Er ruht in der Familien Grabanlage in der seine Frau Ida, und auch sein Sohn der Anatom Julius Arnold ruhen. Die Grabstätte befindet sich in der Abteilung F.[5]

Ehrungen

  • 1860 wurde Friedrich Arnold zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewählt.

wissenschaftliche Leistung

In Heidelberg stellte er viele Unterrichtspräparate her, darunter auch einige Faserpräparate des Gehirns. Er forschte zum Nervus vagus, dessen Ramus auricularis er beschrieb. Das Ganglion oticum wird im Englisch sprachigen Raum nach ihm auch als Ganglion Arnoldi bezeichnet. Ferner gibt es Arnold’s canal, Arnold’s nerve und Arnold’s nerve cough.

Veröffentlichungen

  • Beschreibung des Kopfteiles des sympathischen Nerven beim Kalbe, nebst einigen Beobachtungen über diesen Teil beim Menschen; in Tiedemann's und Treviranus' Ztschrift für Physiologie, Bd. II
  • Über den Ohrknoten, eine anatomisch-physiologische Abhandlung; Heidelberg, 1828
  • Der Kopfteil des vegetativen Nervensystems beim Menschen in anatomischer und physiologischer Hinsicht; 1831
  • Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen; 1832
  • Icones nervorum capitis; 1834
  • Bemerkungen über den Bau des Hirns und Rückenmarks; 1838
  • Tabulae anatomicae, quas ad naturam accurate descriptas in lucem edidit; 1838-42
  • Abbildungen der Gelenke und Bänder des menschlichen Körpers; Zürich, 1843
  • mit seinem Bruder Wilhelm: Lehrbuch der Physiologie des Menschen; 4 Bände, Zürich, 1836–42
  • Handbuch der Anatomie des Menschen; 3 Bände, 1845–51
  • Zur Physiologie der Galle. Denkschrift zur 50jährigen Jubelfeier des Dr. Friedr. Tiedemann im Namen der med. Fakultät der Universität Heidelberg verfasst; Heidelberg, 1854
  • Über die Atmungsgrösse der Menschen. Ein Beitrag zur Physiologie und zur Diagnostik der Krankheiten der Atmungswerkzeuge; Heidelberg, 1855
  • Die physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853–1858; 1858

Literatur

  • Edith Heischkel-Artelt: Arnold, Philipp Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 383 f. (Digitalisat).
  • Dr. Knauff: Friedrich Arnold, in: Friedrich von Weech (Hrsg.): Badische Biographien. Erster Theil. Bassermann, Heidelberg 1875, S. 8–10 (Digitalisat)
  • Julius Pagel: Arnold, Friedrich, in: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin und Wien 1901, Sp. 47-49.

Weblinks

  • Kurzbiographie in englischer Sprache [1]

Quellen

  1. http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/anatomie/arnold.html
  2. Edith Heischkel-Artelt: Arnold, Philipp Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 383 f. (Digitalisat).
  3. Edith Heischkel-Artelt: Arnold, Johann Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 383 (Digitalisat).
  4. http://www.zeno.org/Pagel-1901/A/Arnold,+Friedrich
  5. Leena Ruuskanen. Der Heidelberger Bergfriedhof im Wandel der Zeit. Verlag Regionalkultur. 2008.

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