Papageifische

Papageifische
Chlorurus microrhinos

Chlorurus microrhinos

Systematik
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorpha)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Lippfischartige (Labroidei)
Familie: Lippfische (Labridae)
Unterfamilie: Papageifische
Wissenschaftlicher Name
Scarinae
Rafinesque, 1810

Die Papageifische oder Seepapageien (Scarinae) sind eine Unterfamilie der Lippfische (Labridae) und gehören zu den Barschartigen (Perciformes).

Vorkommen und Lebensweise

Papageifische bewohnen in großen Gruppen ausschließlich tropische Meere. Die meisten Arten leben an Korallenriffen. Einige bewohnen Seegraswiesen und die oberen Zonen an Felsriffen. Mit ihren schnabelartigen Zähnen weiden sie die niedrige Pflanzendecke an den freien Kalkoberflächen der Korallenriffe ab. Dabei wird auch das Sediment entfernt. Andere Arten lassen das Sediment stehen und ernähren sich nur von den Pflanzen, wie den Fadenalgen. Durch diese Ernährungsweise tragen Papageifische erheblich zur natürlichen Erosion der Korallenriffe bei. Arten der Gattungen Sparisoma, Scarus sowie der Büffelkopf-Papageifisch (Bolbometopon muricatum) ernähren sich vor allem von lebenden Korallen, sie gelten daher als "schädlich".

In der Nacht scheiden einige Arten einen Schleimkokon aus, in dem sie sich zur Ruhe begeben. Der Kokon ist vorne und hinten offen, damit das Wasser durchfließen kann. Andere Arten schlafen in Spalten. Neueren Untersuchungen von Alexandra Grutter et al. von der University of Queensland zufolge dient der Schleimkokon der Abwehr blutsaugender Meeresasseln.

Merkmale

Ihre Kieferzähne sind zu einem Schnabel verwachsen. Der Unterkiefer enthält ein zusätzliches Gelenk zur Erhöhung des Quetschdruckes an den verschmolzenen Zähnen. Ein modifizierter Pharyngealapparat bildet einen zweiten Kiefersatz in der Kehle. Die unteren Pharyngealia sind verschmolzen und gelenken innen am Schultergürtel. Die Schlundzähne sind in Reihen angeordnet. Die Nahrung, die vorwiegend aus Pflanzen besteht, mahlen die Seepapageien zwischen dem oberen und unteren Schlundkiefer zu einer feinen Paste.

Fortpflanzung

Papageifische haben eine komplizierte Fortpflanzungsweise, sie sind, wie viele andere Lippfische auch, Hermaphroditen. Das heißt, sie können anfangs Weibchen und später Männchen sein.

Farbphasen

Es gibt bis zu drei Farbphasen, die durchlaufen werden. Während die Jungfische meist dem weiblichen Geschlecht angehören, sind die Individuen der Terminalphase männlich.

  • Als Juvenilphase wird die noch nicht geschlechtsreife Phase des Fisches bezeichnet. Die Papageifische tragen manchmal ein ähnliches Muster wie in der darauffolgenden Initialphase.
  • Bei der Heranreifung in die Initialphase, nehmen die Fische eine rote über graue bis braune Färbung an. In dieser Phase gibt es meistens Weibchen. Die wenigen primären Männchen sind nur durch ihr Verhalten beim Laichen und durch die innere Anatomie zu unterscheiden. Bei manchen Arten gibt es keine primären Männchen und sie verändern auch nicht ihre Farbe. Die Anzahl und das Fehlen der IP-Männchen hängt von verschiedenen Faktoren ab, die noch nicht ausreichend geklärt sind.
  • Mit der Zeit verändern die Individuen der Initialphase ihre Farbe und nehmen die Färbung der Terminalphase an. Dabei wechseln die Weibchen das Geschlecht. Auch die primären Männchen ändern ihre Farbe und werden danach als sekundäre Männchen bezeichnet. In dieser Phase sind die Fische immer geschlechtsreife Männchen.

Die sekundären Männchen halten sich entweder einen kleinen Harem oder besetzen temporäre Fortpflanzungsplätze. Beim Laichen sind in diesen Fällen jeweils nur ein TP-Männchen und ein IP-Weibchen beteiligt. Bei den Laichakten kann es vorkommen, dass primäre Männchen sich den Laichakt erschleichen. Sie nähern sich den Paaren in der Farbe eines Weibchens und lassen beim Laichen große Mengen von Sperma ins Wasser. Dabei haben sie wegen ihrer größeren Hoden eine höhere Kapazität, die Eier zu befruchten, als die TP-Männchen. Beim Massenablaichen geben beide ihr Sperma ab.

Systematik

Die Papageifische werden meist als eigene Familie der Barschartigen geführt. Neuere Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass sie als Schwestergruppe der Prachtlippfische zu den Lippfischen gerechnet werden müssen.[1]

Lippfische (Labridae) 

 Schweinslippfische (Hypsigenyinae)


 N.N. 

 Weitere Unterfamilien bzw. Triben der Lippfische


 N.N. 

 Labrini


 N.N. 

 Papageifische (Scaridae)


     

 Prachtlippfische (Cheilinini)






Gattungen und Arten

Bei den Papageifischen gibt es zehn Gattungen mit etwa 80 Arten. Die Farbmuster der Geschlechter innerhalb einer Art sind so unterschiedlich, dass die Forscher lange Zeit von verschiedenen Arten ausgegangen waren und somit etwa um die 350 Arten irrtümlich wissenschaftlich beschrieben wurden.

Büffelkopf-Papageifische (Bolbometopon muricatum)
Masken-Papageifisch (Cetoscarus bicolor)
Chlorurus sordidus
Hipposcarus longiceps
Königs-Papageifisch
(Scarus vetula)
Grüner Papageifisch
(Sparisoma viride)
  • Bolbometopon Smith, 1956
    • Büffelkopf-Papageifisch (Bolbometopon muricatum) (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
  • Calotomus
    • Calotomus carolinus (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
    • Calotomus japonicus (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
    • Calotomus spinidens (Quoy & Gaimard, 1824)
    • Calotomus viridescens (Rüppell, 1835)
    • Calotomus zonarchus (Jenkins, 1903)
  • Cetoscarus
    • Masken-Papageifisch (Cetoscarus bicolor) (Rüppell, 1829)
  • Chlorurus
    • Chlorurus atrilunula (Randall & Bruce, 1983)
    • Bleekers Papageifisch (Chlorurus bleekeri) (de Beaufort in Weber & de Beaufort, 1940)
    • Chlorurus bowersi (Snyder, 1909)
    • Chlorurus capistratoides (Bleeker, 1847)
    • Chlorurus cyanescens (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
    • Chlorurus enneacanthus (Lacépède, 1802)
    • Chlorurus frontalis (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
    • Chlorurus genazonatus (Randall & Bruce, 1983)
    • Chlorurus gibbus (Rüppell, 1829)
    • Chlorurus japanensis (Bloch, 1789)
    • Chlorurus microrhinos (Bleeker, 1854)
    • Chlorurus oedema (Snyder, 1909)
    • Chlorurus perspicillatus (Steindachner, 1879)
    • Chlorurus rhakoura Randall & Anderson, 1997
    • Chlorurus sordidus (Forsskål, 1775)
    • Chlorurus strongylocephalus (Bleeker, 1854)
    • Chlorurus troschelii (Bleeker, 1853)
  • Cryptotomus
    • Cryptotomus roseus Cope, 1871
  • Hipposcarus
    • Hipposcarus harid (Forsskål, 1775)
    • Hipposcarus longiceps (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
  • Leptoscarus
    • Leptoscarus vaigiensis (Quoy & Gaimard, 1824)
  • Nicholsina
    • Nicholsina denticulata (Evermann & Radcliff, 1917)
    • Nicholsina usta (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
  • Scarus
    • Mitternachts-Papageifisch (Scarus coelestinus)
    • Rotkopf-Papageifisch (Scarus ferrugineus)
    • Blauband-Papageifisch (Scarus ghobban)
    • Scarus gibbus
    • Regenbogen Papageifisch (Scarus guacamaia)
    • Purpurkappen-Papageifisch (Scarus oviceps)
    • Grünwangen-Papageifisch (Scarus prasiognathos)
    • Orangewangen-Papageifisch (Scarus rivulatus)
    • Nasenhöcker-Papageifisch (Scarus rubroviolaceus)
    • Indischer Buckelkopf-Papageifisch (Scarus strongylocephalus)
    • Gestreifter Papageifisch (Scarus taeniopterus)
    • Königs-Papageifisch (Scarus vetula)
    • Signal-Papageifisch (Scarus viride)
  • Sparisoma
    • Sparisoma amplum (Ranzani, 1841)
    • Sparisoma atomarium (Poey, 1861)
    • Sparisoma aurofrenatum (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
    • Sparisoma axillare (Steindachner, 1878)
    • Sparisoma chrysopterum (Bloch & Schneider, 1801)
    • Sparisoma cretense (Linnaeus, 1758)
    • Sparisoma frondosum (Agassiz in Spix & Agassiz, 1831)
    • Sparisoma griseorubra Cervigón, 1982
    • Sparisoma griseorubrum Cervigón, 1982
    • Sparisoma radians (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
    • Gelbschwanz-Papageifisch (Sparisoma rubripinne) (Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1840)
    • Sparisoma strigatum (Günther, 1862)
    • Sparisoma tuiupiranga Gasparini, Joyeux & Floeter, 2003
    • Grüner Papageifisch (Sparisoma viride) (Bonnaterre, 1788)

Literatur

Einzelnachweise

  1. M. W. Westneat, M. E. Alfaro, P. C. Wainwright, D. R. Bellwood, J. R. Grubich, J. L. Fessler, K. D. Clements & L. L. Smith: Local phylogenetic divergence and global evolutionary convergence of skull function in reef fishes of the family Labridae PDF

Weblinks

 Commons: Papageifische – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

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