Walther Herwig

Dieser Artikel behandelt die Person Walther Herwig; zu nach ihm benannten Schiffen siehe Walther Herwig (Schiffsname).
Walther Herwig (1881)

Walther Johann Christian Adelbert Eduard Herwig (* 25. Februar 1838 in Arolsen; † 16. Dezember 1912 in Berlin) war ein preußischer Verwaltungsjurist, der Doyen der deutschen Hochseefischerei und der Begründer der deutschen Meeresforschung.

Werdegang

Herwig studierte ab 1856 Rechtswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen, wo er Mitglied des Corps Hannovera wurde.[1] Er setzte seine Studien an der Universität Leipzig, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin fort.

Nach dem Abschluss trat er in die innere Verwaltung des Königreich Preußen. 1869 wurde er Landrat beim Kreis der Twiste in seiner Heimatstadt Arolsen, war von 1875 bis 1878 Landrat im Kreis Ahaus und von 1878 bis 1880 im Kreis Marienwerder.

Er war ab 1880 Vizepräsident des Provinzialschul- und Medizinalkollegiums in Berlin und von 1889 bis 1901 Präsident der Klosterkammer in Hannover. Von 1879 bis 1893 gehörte er dem Preußischen Abgeordnetenhaus an, in dem er den Wahlkreis Marienwerder 1 (Stuhm - Marienwerder) vertrat und sich der Fraktion der Freikonservativen Partei anschloss.[2] Ab 1895 Staatsrat, erhielt er 1896 den Dr. phil. h. c. der Christian-Albrechts-Universität Kiel. 1902 trat er als Wirkl. Geh. Oberregierungsrat in Hannover in den Ruhestand. Ab 1907 lebte er wieder in Berlin.

Beigesetzt wurde Herwig auf dem Stadtfriedhof Stöcken in Hannover.

Bedeutung für die Hochseefischerei

Walther Herwig war einer der Gründer des Deutschen Hochseefischereivereins und förderte Ende des 19. Jahrhunderts die Entwicklung der bis dahin, abgesehen vom Walfang, nur vor der Küste betriebenen Fischerei. Sie wurde auch auf die fischreichen Gewässer des Nordatlantiks ausgedehnt. Hierzu wurden ab 1880 die ersten deutschen Fischdampfer nach englischem Vorbild gebaut. Das erste nach ihm benannte Schiff, der 1888 gebaute Fischdampfer Präsident Herwig, ging allerdings 1898 vor der Küste Islands verloren. Herwig setzte sich in dieser Zeit des Aufbaus einer deutschen Hochseefischereiflotte insbesondere für den sozialen Ausgleich gegenüber den Besatzungen der Schiffe ein und erreichte eine angemessene Grundversorgung der Angehörigen der Fischer, die auf See blieben.

Bedeutung für die Meeresforschung

Herwig begründete die deutsche Meeresforschung und wurde 1902 mit seinem Ausscheiden aus der öffentlichen Verwaltung bis 1908 Präsident des Zentralausschusses für die internationale Meeresforschung, heute der International Council for the Exploration of the Sea.

Nachwirkungen

Zum ehrenden Gedenken hat die Bundesrepublik Deutschland bislang drei Fischereiforschungsschiffen seinen Namen gegeben. Derzeit befährt die dritte Walther Herwig für die Bundesforschungsanstalt für Fischerei die Gewässer von Nord- und Ostsee sowie den Nordatlantik.

Schriften

  • Die Beteiligung Deutschlands an der internationalen Meeresforschung: I.-III. Jahresbericht, 1906

Literatur

  • Friedrich Heincke, Hermann Henking: Dr. Walther Herwig, Präsident d. Deutschen Seefischerei-Vereins: Ein Gedenkblatt, Moeser, 1913
  • Paul Friedrich Meyer-Waarden: Walther Herwig, 1838-1912: Portrait eines bedeutenden Staatsdieners und Pioniers, Heenemann, 1977
  • Jens Smed: Walther Herwig: the first President of the International Council for the Exploration of the Sea (ICES); Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie, Hamburg 1990
  • Axel von Campenhausen: Der Allgemeine Hannoversche Klosterfonds und die Klosterkammer Hannover. 1999, ISBN 3877065465
  • Heinrich F. Curschmann: Blaubuch des Corps Hannovera zu Göttingen, Band 1: 1809–1899 Göttingen 2002, S. 196, Nr. 622
  • Walther Herwig in: Wilfried Menghin: Schuchardt, Carl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, S. 624 (Digitalisat).
  • Anne Mahn, Gerd Wegner: Frischer Fisch und Heidekraut. Walther Herwig, Präsident der Klosterkammer Hannover und „Vater der Fische“, Hinstorff, Rostock 2012, ISBN 9783356015324

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kösener Corpslisten 1930, 42, 587
  2. Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 177f (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)

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