Paralouatta - Evolution der Primaten

Paralouatta ist der Gattungsname zweier Arten von Neuweltaffen, die im Miozän Südamerikas lebten.

Das Körpergewicht von Paralouatta varonai wird auf etwa 9 - 10 Kilogramm geschätzt, was bedeutet, dass dieser Primat einer der größten bekannten Neuweltaffen war. Das Gewicht heute lebender Neuweltaffen (Platyrrhini) reicht von 13,5 Kilogramm für den südlichen Spinnenaffen (Brachyteles arachnoides) bis zum 125 Gramm leichten Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaeus).

Das postcraniale Skelettsystem von Paralouatta zeigt eine rätselhafte Kombination von anatomischen Merkmalen: Der Affe ist in erster Linie ein Neuweltaffe mit einigen Skelettmerkmalen von semi-terrestrischen Altweltaffen (Cercopithecinae), wie etwa den Mangaben (Cercocebus). MacPhee und Meldrum (2006) glauben daher, dass Paralouatta einen erheblichen Teil seiner Zeit auf dem Boden verbrachte [1]. Gleichzeitig scheint Paralouatta die typische, in den ästen hängende Lebensweise vieler Neuweltaffen aufgegeben zu haben.

Paralouatta hatte ein großes Gesicht mit gut entwickelten Überaugenwülsten (Torus supraorbitalis) und ein niedriges Schädeldach. Der Affe unterscheidet sich von den meisten anderen Neuweltaffen durch den Besitz von dreiwurzeligen dritten und vierten Prämolare. Rivero und Arredono 1991) schlugen vor, dass dies ein beibehaltenes primitives Merkmal ist, das nur sporadisch bei einigen lebenden Neuweltaffen auftritt, sowie bei der im Miozän verbreiteten Gattung Stirtonia.

Paralouatta ist mit seinen besonders großen Augen im Verhältnis zu seiner Schädelgröße einzigartig. Dieses Merkmal kennt man sonst nur von den Nachtaffen der Gattung Aotus und scheint auf eine nächtliche Lebensweise hinzudeuten. Das klingt bizarr für einen Affen in einer Umgebung, die weitgehend frei von Raubtieren war. Es sei denn, Paralouatta hat diesen evolutionären Weg eingeschlagen, um Greifvögeln aus der Luft zu entgehen.

Paralouatta marianae

Das Typusexemplar mit der Bezeichnung MNHNCu 76.3059 ist ein Sprungbein (Talus), das in der Lagunitas Formation von Kuba ausgegraben wurde. Der Fund ist zwischen zwischen 23,0 und 16,0 Millionen Jahre alt. Die Morphologie deutet auf einen baumlebenden oder semi-terrestrischen Allesfresser hin.


Systematik


Literatur

R. D. E. MacPhee, M. A. Iturralde-Vinent, and E. S. Gaffney. 2003. Domo de Zaza, an Early Miocene vertebrate locality in south-central Cuba, with notes on the tectonic evolution of Puerto Rico and the Mona Passage. American Museum Novitates 3394:1-42

[1] MacPhee R.D.E., Meldrum J. (2006). Postcranial remains of the extinct monkeys of the Grater Antilles, with evidence for semiterrestriality in Paralouatta. American Museum Novitates, 3516: 1-65
[2] Rivero M., Arredondo O. (1991). Paralouatta varonai, a new Quarternary platyrrhine from Cuba. Journal of Human Evolution, 21: 1-11

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

24.05.2022
Entwicklungsbiologie
Sind Mütter von Zwillingen fruchtbarer?
Sind Frauen, die Zwillinge haben, fruchtbarer?
23.05.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Mikropartikel mit Gefühl
Ein internationales Forschungsteam hat winzige Partikel entwickelt, die den Sauerstoffgehalt in ihrer Umgebung anzeigen.
23.05.2022
Paläontologie | Klimawandel | Meeresbiologie
Korallen als Klimaarchive
Ungewöhnlich gut erhaltene Riffkorallen aus der Geologisch-paläontologischen Sammlung der Universität Leipzig bergen ein großes Geheimnis: Sie lassen uns weit in die Vergangenheit reisen und die klimatischen Verhältnisse in unseren Breiten rekonstruieren.
19.05.2022
Ethologie | Meeresbiologie | Säugetierkunde
Delfine behandeln Hautprobleme an Korallen
Indopazifische Grosse Tümmler reiben sich vom Schnabel bis zur Schwanzflosse an Korallen: Forscherinnen belegen nun, dass die von den Delfinen speziell ausgesuchten Korallen biofunktionelle Eigenschaften aufweisen.
19.05.2022
Taxonomie | Paläontologie | Amphibien- und Reptilienkunde
Neue Krokodilart lebte vor 39 Millionen Jahren in Asien
Wissenschaftler haben in Vietnam die Fossilien einer bisher unbekannten Krokodilart identifiziert: Das knapp vier Meter lange, fast vollständig erhaltene Skelett aus der Fundstelle Na Duong gehört zu den langschnäuzigen Krokodilen aus der Verwandtschaft der Sundagaviale.
19.05.2022
Virologie | Parasitologie | Insektenkunde
Neue Virusvariante bedroht Bienengesundheit weltweit
Eine gefährliche Variante des Krüppelflügelvirus ist weltweit auf dem Vormarsch: Das Virus befällt Honigbienen, wird von der Varroamilbe übertragen und sorgt dafür, dass ihre Flügel verkümmern und die Tiere sterben.
17.05.2022
Evolution | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Leben am Vulkan – in zwei Schritten zur Anpassung
Ein internationales Team hat eine Wildpopulation der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) untersucht, die sich am Fuß eines Stratovulkans angesiedelt hat.
18.05.2022
Klimawandel | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektensterben: Was stört die Kolonie-Entwicklung der Steinhummel?
Bestäubende Insekten sind für die Biodiversität und die landwirtschaftliche Produktion unersetzlich - doch seit Jahren geht der Bestand an Bienen, Hummeln und weiteren Insekten stark zurück.
18.05.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektenvielfalt: Öko-Landbau oder Blühstreifen besser?
Wie wirksam Agrarumweltmaßnahmen für die biologische Vielfalt sind, hängt von verschiedenen Faktoren und dem jeweiligen Blickwinkel ab.
18.05.2022
Ethologie | Primatologie
Wie flexibel Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht und dabei besonderes Augenmerk auf individuelle Unterschiede und Flexibilität in den Kommunikationsstrategien von Orang-Utan-Müttern gelegt.
17.05.2022
Ökologie | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ökologie: Fließgewässer stehen weltweit schlecht da
Landwirtschaft, Habitatverlust oder Abwässer – menschgemachte Stressoren wirken sich negativ auf die biologische Vielfalt in Bächen und Flüssen aus.
17.05.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
17.05.2022
Anatomie | Taxonomie | Paläontologie
Unbekannte Delfinarten aus dem Schweizer Mittelland identifiziert
Vor 20 Millionen Jahren schwammen Delfine dort, wo heute das Schweizer Mittelland liegt.
12.05.2022
Physiologie | Neurobiologie
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Ökologie | Insektenkunde
Was Heuschrecken fressen
Über die Nahrungsnetze pflanzenfressender Insekten ist nicht viel bekannt: Ein Team vom Biozentrum forscht nach – in Unterfranken ebenso wie in den Berchtesgadener Alpen.
12.05.2022
Mykologie | Biodiversität
Artenschutz für Pilze
Eines vorweg: Es geht nicht um die großen Speisepilze, sondern um die mikroskopisch kleinen Vertreter im Wasser.
11.05.2022
Evolution | Biochemie
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Genetik
Für Weinliebhaber: Roter Riesling entstand aus Weißem Riesling
Die Erbinformation für die Riesling-Rotfärbung ist auf dem Chromosomensatz des weißbeerigen Elter "Weißer Heunisch" verortet.
10.05.2022
Anthropologie | Physiologie | Entwicklungsbiologie
Schwierige Geburt und kognitive Fähigkeiten des Menschen sind Folge des aufrechten Ganges
Beim Menschen ist die Geburt schwieriger und schmerzhafter als bei Menschenaffen: Lange nahm man an, dass dies auf das grosse Gehirn und die engen Verhältnisse im mütterlichen Becken zurückgeht.
09.05.2022
Taxonomie | Paläontologie
Erste Fischsaurier aus der Kreidezeit Österreichs entdeckt
Ein internationales Forschungsteam hat erstmals kreidezeitliche Fischsaurier (Ichthyosaurier) aus den Alpen Österreichs nachgewiesen.
09.05.2022
Mikrobiologie | Bioinformatik
Nur drei Prozent der potenziellen bakteriellen Arzneimittelquellen bekannt
Das Auftreten von antibiotikaresistenten Krankheitserregern und die zunehmende Schwierigkeit, neue Medikamente zu entwickeln, tragen maßgeblich zu den globalen Herausforderungen bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten bei.