Der Stamm der Homotherini umfasst die Gattungen Machairodus, Homotherium und Xenosmilus. In Museen lagern weitere Fundstücke, die man mindestens 4 weiteren Gattungen zuweist. Es liegt in der Verantwortung der Taxonomen diesen Zustand zu verbessern, sobald weitere Fossilien gefunden werden.

Machairodus
Schädel eines Machairodus giganteus, 4,5 bis 5 Millionen Jahre alt.

Machairodus ist eine variable Gattung der Säbelzahnkatzen, deren Größen- und Strukturspektrum sich von kleineren Arten bis zu löwengroßen Tieren erstreckt. Machairodus lebte vor 15 - bis 2 Millionen Jahren und seine Überreste wurden in Europa, Asien, Afrika und Nordamerika entdeckt. Die Taxonomie ist strittig. Das Tier hatte große Eckzähne und seine Schneide- und Reißzähne waren an den Rändern gezackt. Es gab zwei grundlegende Arten von Machairodus: die ursprüngliche Art und die entwickeltere Art, was möglicherweise auf Anpassungen an unterschiedliche klimatische Bedingungen zurückzuführen ist. Die ursprünglicheren Arten schließen Machairodus aphanistus und eine weitere Smilodon-ähnliche Katze ein. Die entwickelte Art hatte sägeähnliche Zähne und verlängerte Vorderbeine und sieht strukturell dem hyänenartigen Homotherium ähnlich und könnten dessen Vorfahr gewesen sein. Die variablen Formen zeigen Anpassungen an unterschiedliche Umweltbedingungen, die vom Wald bis zu savannenähnlichen Ebenen reichen. Die hyänenartigen Spezies durchstreiften auf der Jagd sehr große Gebiete oder legten im Einzelfall auf der Suche nach Aas sehr große Entfernungen zurück.

Homotherium
Homotherium serum Skelett im Texas Memorial Museum, Austin, Texas.

Homotherium (therium=„Tier“) ist eine Gruppe einzigartiger, hyänenähnlicher Säbelzahnkatzen, die vor 3 - bis 0,5 Millionen Jahren weite Gebiete Afrikas, Asiens, Europas und Nordamerikas bewohnten. Sie waren ungefähr 1,20 m lang und ihre Vorderbeine waren länger als die Hinterbeine. Die Schneidezähne des Homotheriums waren sehr groß und robust und die Eckzähne waren mittellang und gezackt. Homotherium gehörte zu jenen Säbelzahnkatzen, deren Eckzähne wie Krummsäbel aussahen, d.h. sie hatten kürzere, flachere Eckzähne als andere Säbelzahnkatzen und die Eckzähne waren wie ein Krummsäbel nach hinten gebogen. Homotherium könnte so ähnlich wie eine heutige Hyäne mit ihrem nach hinten abfallenden Körper, den dünnen Beinen und dem verhältnismäßig langen Hals ausgesehen haben. Seine Anatomie legt nahe, dass Homotherium beim Gehen den Fuß wie ein Bär vollständig auf den Boden aufsetzte. Diese Anpassung könnte es ihnen ermöglicht haben, sehr große Distanzen während der Jagd zurückzulegen.

Homotherium überlebte bis zum Ende der letzten Eiszeit vor ungefähr 14.000 Jahren und machte möglicherweise in Gruppen Jagd auf das Mammut. In Texas fand man die Knochen einer ganzen Gruppe zusammen mit Knochen eines jungen Mammuts. Ihr endgültiges Aussterben hing vermutlich mit dem allmählichen Rückgang der Beutetierbestände zusammen. Ihr Fell war möglicherweise wie bei modernen arktischen Fleischfressern weißlich bis hellgrau als Anpassung an eiszeitliche Gegebenheiten.

Homotherium serum, eine nordamerikanische Säbelzahnkatze, wurde ursprünglich Dinobastis serus genannt. Homotherium serum war eine kurzschwänzige Katze mit verhältnismäßig langen Vorderbeinen und kurzen, kräftigen Hinterbeinen. Sein vertieftes Kinn bedeutete, dass seine oberen Eckzähne nicht über den untereren Seitenrand des Unterkiefers hinaus hervorstanden. Seine großen Nasenöffnungen könnten wie beim Gepard (Acinonyx jubatus) bei kurzen Sprints für erhöhte Sauerstoffzufuhr gesorgt haben. Ihre Schädel und die Anordnung der Augenhöhlen deuten auf ein weites Gesichtsfeld und somit auf eine tagaktive Jagdweise hin und ihr Körperbau zeigt eher Anpassungen an eine kurze, sprintartige Jagdtechnik als an ausdauernde Hetzjagden. Ihre Krallen waren nicht einziehbar und dienten wie beim Gepard gewissermaßen als Spikes, um bei plötzlichen Richtungsänderungen der Beute nicht wegzurutschen und aus dem Gleichgewicht zu geraten. Seine Hinterbeine waren kürzer als die Vorderbeine und hatten bärenartige Fersen und Knöchel.

Homotherium latidens wurde von Eiszeitkünslern in den paläolithischen Steinritzungen von Isturitz in Südwestfrankreich als eine kurzschwänzige, große Katze mit einem tief gestellten Unterkiefer bildlich dargestellt. Die Ritzzeichnung deckt sich verblüffend genau mit anatomisch analysiertem Knochenmaterial dieser europäischen Säbelzahnkatze. Außerdem stellen die Ritzzeichnungen die Katze mit gepunktetem Fell mit heller Unterseite dar; ein einzigartiger Blick in die Vergangenheit. Eine andere Art, Homotherium ultimum, eine asiatische Säbelzahnkatze mit krummsäbelartigen Zähnen wurde in China entdeckt.

Homotherium ischyros (oder Ischyrosmilus), hatte Eckzähne, die wie Steakmesser entlang ihrer Vorder- und Rückseite gezackt waren. Dieses machte es einfacher, durch die Haut eines dickhäutigen Beutetiers zu schneiden. Megantereon fehlten diese Auszackungen auf seinen oberen Eckzähnen. Die genaue Zuordnung von Ischyrosmilus ist unklar, die Art könnte auch zu den Smilodontini gehören.

Xenosmilus
Schädel eines Xenosmilus hodsonae. 1981 wurden zwei Exemplare in den Kalksteinbrüchen von Alachua County, Florida, entdeckt.

Xenosmilus („merkwürdiges Messer“) lebte vor 1,7 - 1 Millionen Jahre im pleistozänen Florida, USA, und war eine robuste Katze mit kurzen Beinen und sehr kräftigen, stabilen Eckzähnen. Xenosmilus erreichte die Größe eines Löwen (Panthera leo) und sah entfernt einem Bären ähnlich (2m lang, 180 bis 230 kg schwer). Wie Homotherium hatte es breite, messerähnliche, mit Zacken versehene Zähne und vorstehende, gebogene Schneidezähne, jedoch machte der gedrungen-kräftige Körperbau eher den Eindruck eines Smilodon. Ursprünglich hatten die Paläontologen den Verdacht, dass hier versehentlich die Knochen zweier unterschiedlicher Spezies vermischt wurden, da Katzen mit dolchartigen Zähnen (engl. dirk-toothed cats) eher bärenähnlich mit zwei langen oberen Eckzähnen und kurzen Beinen waren, während Katzen mit krummsäbelartigen Zähnen (engl. scimitar cats) kürzere und breitere Eckzähne und verhältnismäßig lange Beine hatten. Xenosmilus war eine Mischung der Eigenschaften: Es hatte die kurzen, breiten, grobgezinnten Zähne einer aktiv jagenden Katze, aber die stämmigen Beine eines aus dem Hinterhalt zuschlagenden Jägers. Vermutlich pirschte er sich an sein Opfer bis auf eine gewisse Distanz heran und sprintete dann aus der Deckung heraus auf die Beute zu. Die Fundstücke von Xenosmilus wurden zusammen mit Knochen von Peccaries (wilde Schweine) gefunden, und vermutlich waren diese Tiere seine Hauptbeute. Xenosmilus scheint eine mehr spezialisierte Säbelzahnkatze als Smilodon gewesen zu sein und seine Größe machte sie zu einem der gefürchtetsten Jäger seiner Zeit. Das Smilodon konnte erst nach dem Verschwinden von Xenosmilus zum dominanten Fleischfresser aufsteigen.


Mauricio Anton, Alan Turner & F. Clark Howell. The Big Cats and Their Fossil Relatives: An Illustrated Guide to Their Evolution and Natural History. Columbia Univ Pr; Auflage: New Ed (3. Mai 2000)