Der Westliche Wollmaki (Avahi occidentalis) bewohnt ein zersplittertes Gebiet im Nordwesten der Insel Madagaskar. Die Population in Bemaraha wurde im Jahr 2005 als eigenständige Art beschrieben (Cleese-Wollmaki Avahi cleesei) [4].

Sie bewohnen die trockenen Laubwälder und feuchten Wälder in der Region Sambirano und halten sich meist in den oberen Baumkronen auf [1].


Aussehen

Westliche Wollmakis (Avahi occidentalis) sind mittelgroße Lemuren, die sich wie alle Mitglieder der Familie Indriidae durch lange, kräftige Hinterbeine auszeichnen - eine Anpassung an ihre spezielle Art der Fortbewegung, bei der sie aus einer aufrechten Körperhaltung heraus zu weiten Sprüngen fähig sind [2] [3]. Die Primaten erreichen eine Körperlänge von 25 bis 30 cm, wobei der Schwanz nocheinmal 31 bis 37 cm lang ist. Avahi occidtentalis galt früher als Unterart von Avahi laniger (östliche Wollmakis) und wird wie diese bis zu 1,3 kg schwer.

Das dichte und wollige Fell ist im unteren Körperteil und am Hals hellgrau, der obere Teil ist Graubraun, mit beige-braunen Flecken auf dem Rücken und dem Schwanz. Das Gesicht ist rund und blass mit dunkler Schnauze. Obwohl Westliche Wollmakis (Avahi occidentalis) ihren östlichen Verwandten (Avahi laniger) in ihrem Erscheinungsbild stark ähneln, sind sie kleiner und viel blasser [2].


Verhalten

Westliche Wollmakis (Avahi occidentalis) sind fast ausschließlich nachtaktive Primaten. In der Abenddämmerung begeben sie sich auf Nahrungssuche, bei der sie weitgehend zusammenbleiben. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus jungen Blättern und Knospen, die von mindestens 20 verschiedenen Pflanzenarten stammen können, darunter Baumarten, die relativ selten sind [2][6].

Die grundlegende soziale Gruppe der Westlichen Wollmakis (Avahi occidentalis) besteht aus einem monogamen Elternpaar und deren Nachkommen [2]. Nach einer Tragzeit von 120 - 150 Tagen bringen die Weibchen in der Zeit zwischen September und Oktober ein einzelnes Junges zur Welt. Jugendliche Tiere bleiben in ihrer Geburtsgruppe, bis sie etwa 2 Jahre alt sind. Die einzelnen Gruppen leben in Revieren von etwa 2 Hektar Fläche, die sich überlappen können.


Systematik


Bedrohung

Seit Menschen vor rund 2.000 Jahren Madagaskar besiedelten, sind 15 Lemurenarten ausgestorben. Seitdem sind die Menschen dabei, die ökologische Zerstörung der Insel voranzutreiben [5]. Die größte Bedrohung für Westliche Wollmakis (Avahi occidentalis) und die Artenvielfalt auf Madagaskar sind Brandrodung und Holzeinschlag, vor allem um Viehweiden zu schaffen oder für die Brennholzproduktion. Lokal werden die kleinen Primaten gejagt, doch dies scheint nicht zu den Hauptbedrohungen zu gehören.

Bisher ist es noch nicht gelungen, Westliche Wollmakis (Avahi occidentalis) in Gefangenschaft zu halten, wahrscheinlich wegen ihrer hochselektiven Blätternahrung. Es scheint daher, dass die Erhaltung der Wälder in ihrem Verbreitungsgebiet der einzige praktikable Schutz der Westlichen Wollmakis (Avahi occidentalis) ist [5].

Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft Westliche Wollmakis (Avahi occidentalis) als stark gefährdet (Endangered) ein, da ihr Verbreitungsgebiet weniger als 5.000 km² umfasst und die Fläche stark fragmentiert ist. Die Zahl der Individuen nimmt kontinuierlich ab, genau wie die Qualität des noch verbliebenen Lebensraums [1].


Literatur

[1] Andrainarivo, C., Andriaholinirina, V.N., Feistner, A., Felix, T., Ganzhorn, J., Garbutt, N., Golden, C., Konstant, B., Louis Jr., E., Meyers, D., Mittermeier, R.A., Perieras, A., Princee, F., Rabarivola, J.C., Rakotosamimanana, B., Rasamimanana, H., Ratsimbazafy, J., Raveloarinoro, G., Razafimanantsoa, A., Rumpler, Y., Schwitzer, C., Thalmann, U., Wilmé, L. & Wright, P. 2008. Avahi occidentalis. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 24 September 2011; [2] Garbutt, 1999; [3] Macdonald, 2001; [4] Thalmann und Geissmann, 2005; [5] Mittermeier et al., 2008; [6] Thalmann und Geissmann, 2000.

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