Blaumaulmeerkatze (Cercopithecus cephus)

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) sind relativ kleine, baumlebende, tagaktive Primaten aus der Gruppe der Altweltaffen (Catarhini). Sie leben in Angola, Kamerun, in der Zentralafrikanische Republik, Kongo, in der Demokratische Republik Kongo, in Äquatorialguinea und in Gabun. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich südlich und östlich des Kongo Flusses bis in die nordwestliche Ecke Angolas, sowie östlich des Sangha-Flusses [1][2][3].


Taxonomie

Primatologen erkennen drei Unterarten an. Die Unterart Cercopithecus c. cephus erstreckt sich über einen Großteil des oben beschriebenen Gebiets, mit Ausnahme der Küstenregion Gabuns und des Kongo, die von der Unterart Cercopithecus c. cephodes bewohnt ist. Eine dritte Unterart mit wissenschaftlichem Namen Cercopithecus c. ngottoensis ist in der Zentralafrikanischen Republik und im Nord-Kongo verbreitet, wo man sie in der Kadéï Mambéré-Region östlich des Oubangui Flusses antreffen kann.


Lebensraum

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) leben in einer Reihe von Waldtypen, darunter primäre und sekundäre Regenwälder, überflutete Wälder und Galeriewälder entlang von Flüssen [6]. Als Lebensraumnische bevorzugen sie die mittleren bis oberen Ebenen der Bäume. Sie bewegen sich mit großer Wendigkeit vierbeinig durch den Regenwald. Ihre Trittsicherheit in den Bäumen macht sie zu bemerkenswerten Springern, die mit Leichtigkeit bis zu 20 m von einer Baumgruppe zur anderen überwinden können. Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) sind bekannt dafür, dass sie regelmäßig die gleichen Routen durch das Geäst benutzen, und zwar Affe hinter Affe [5].


Aussehen

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) haben ein recht farbenfrohes Gesicht, bläulich bis violett, mit einem bläulich-weißen Streifen unterhalb der nackten, sichelförmigen Nase. Unter diesem "Schnurrbart" - der englische Name für diese Primaten ist Mustached Guenon - befinden sich schwarze Haare entlang der Oberlippe. Die beiden Seiten des Gesichts weisen hellgelbe Koteletten auf. Die Ohren sind schwarz und der Rest des Kopfes ist mit schwarz-braunen Haaren bedeckt. Der Körper ist von rötlich-braunem Agouti , der untere Teil des langen Schwanzes ist rot. Die Kehle und die Unterseite sind weiß [5].

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) weisen sexuellen Dimorphismus auf, was sich unter anderem dadurch bemerkbar macht, dass die Weibchen kleiner und leichter sind [5]. Sie erreichen im Erwachsenenalter ein Gewicht von durchschnittlich 2,9 kg, Männchen sind mit durchschnittlich 4,1 kg deutlich schwerer. Die Affen erreichen eine Körperlänge einschließlich Kopf von 48,3 - 55,9 cm, hinzu kommt der lange Schwanz, der bei Männchen etwa 78,0 cm lang ist, und bei Weibchen etwa 69,3 cm [9].


Ernährung

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) ernähren sich in erster Linie von Früchten und Samen, welche 81% ihrer gesamten Nahrung ausmachen. An zweiter Stelle kommen Raupen, Heuschrecken, Vogeleier und Jungvögel mit 12 %; Blätternahrung hat lediglich einen Anteil von 6% [9]. Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) fressen die Früchte von 57 verschiedenen Baumarten; andere Pflanzenteile stammen von weiteren 50 Baumarten, aber 81 % der Nahrung stammt von nur 20 Baumarten. Eine Stichprobe ergab einen Anteil von 67% an gelben oder orangenen Früchten und 86% hatten sehr saftiges Fruchtfleisch [9]. Die Frucht der Ölpalme kann man schon fast als Grundnahrungsmittel bezeichnen, so trifft man die Affen auch meistens in Regionen an, die eine kontinuierliche Versorgung mit dieser Frucht gewährleisten können. Männchen und Weibchen unterscheiden sich in ihren Ernährungsgewohnheiten, so ist der Früchte- und Samenanteil bei Männchen höher als bei Weibchen. Letztere fressen mehr Insekten und Früchte, möglicherweise weil z.B. stillende Mütter einen erhöhten Proteinbedarf haben [9]

Um Wettbewerb mit anderen Primatenarten zu vermeiden, kommen Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) schon vor der Morgendämmerung an ihre Futterplätze - oder am frühen Abend, nachdem sich die anderen Primaten zurückgezogen haben [4][5].


Fortpflanzung

In den Tropen, wo es kaum jährliche Temperaturschwankungen und kaum Veränderungen der Tageslänge gibt, sind jährliche Veränderungen der Niederschläge und somit des Nahrungsangebots die wichtigsten Faktoren, die das Paarungsverhalten der Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) beinflussen. In Gebieten mit hohem Niederschlag finden bei einigen Populationen Paarungen und Geburten das ganze Jahr über statt. Die Mehrheit der Populationen paart sich jedoch von Juli bis September, Geburten finden von Dezember bis Februar statt. Die Paarungs- und Geburtensaisons sind in Regionen mit nur einer nassen Jahreszeit in der Regel kürzer als drei Monate, und länger als drei Monate, wenn es zwei Regenzeiten pro Jahr gibt [6].

Das Paarungssystem bei Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) ist polygyn , d.h. ein einziges Männchen der Gruppe paart sich mit allen Weibchen. In einigen Gruppen kann jedoch, abweichend von diesem Paarungsmuster, auch Polyandrie vorherrschen. Diese tritt meistens auf, wenn sich Ein-Männchen-Gruppen aufteilen, was zur Folge hat, dass zwischen 3 und 6 Männchen täglich eine reine Weibchengruppe begleiten. Diese Männchen verlassen nämlich gelegentlich für ein paar Stunden ihre Stammgruppe, um Weibchen in benachbarten Gruppen zu umwerben und sich mit ihnen zu paaren. Die Anwesenheit von mehreren Männchen in der Gruppe hat erhöhte sexuelle Aktivität zur Folge [4][6].

Weibchen werden im Alter von etwa 4 Jahren geschlechtsreif, Männchen etwa ein Jahr später. Weibchen bringen etwa alle 2½ Jahre ein Junges zur Welt, wobei sie im Alter von 5 Jahren erstmals gebären [9]. Die Kopulation wird von den Weibchen eingeleitet, indem sie dem Männchen ihr Hinterteil präsentieren und ihm damit mitteilen, dass sie paarungsbereit sind. [4][6]. Über elterliche Investitionen der Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) in ihren Nachwuchs gibt es kaum Informationen, von nahen verwandten Meerkatzen ist jedoch bekannt, dass die Aufzucht der Jungen Sache der Mutter ist. Sie füttern und beschützen die Kleinen für etwa ein Jahr oder länger. Männchen tragen indirekt zum Schutz der Säuglinge bei, indem sie die soziale Gruppe gegen Raubtiere oder rivalisierende Männchen verteidigen [7].


Gruppenleben

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) leben in zwei Arten von sozialen Gruppen. Es gibt reine Männergruppen und Gruppen die aus 5 - 35 Weibchen samt Nachwuchs sowie einem Männchen bestehen. In diesen können sich jedoch für einen kurzen Zeitraum manchmal mehr Männchen aufgrund erhöhter sexueller Aktivität aufhalten. Wenn weibliche Mitglieder einer Gruppe ein eindringendes Männchen (oder auch Weibchen) nicht akzeptieren, verjagen sie den Eindringling [4]. Die Reviere der Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) umfassen zwischen 18 und 45 ha, innerhalb deren Grenzen sie bei der täglichen Nahrungssuche 1,3 bis 2,0 km zurücklegen [9].

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) sind sehr neugierig, was sie auf ihren Wanderschaften oft an die Waldränder führt oder sie erkunden Regionen, wo Holzindustrien angesiedelt sind [5]. Man sieht sie oftmals im Verband mit Großen Weißnasenmeerkatzen (Cercopithecus nictitans) und Kronenmeerkatzen (Cercopithecus pogonias). Außerdem tun sie sich gelegentlich mit Halsbandmangaben (Cercocebus torquatus) und Mantelmangaben (Lophocebus albigena) zusammen. Alle 5 Arten können eine einzige große gemischte Gruppe bilden. Wenn Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) mit anderen Spezies unterwegs sind, nutzen sie höhere Baumebenen, suchen öfter neue Wege und sind die ersten, die Raubtiere auf dem Boden entdecken. In freier Wildbahn wurde beobachtet, wie sie sich mit Rotohrmeerkatzen (Cercopithecus erythrotis) paarten [9].


Kommunikation

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) verwenden eine Reihe von Lautäußerungen, um mit Artgenossen zu kommunizieren. Subadulte Affen geben ein weiches, schwingendes Trillern in absteigender Tonhöhe von sich, wenn sie sich erwachsenen Affen nähern, möglicherweise um so Respekt und Unterwerfung auszudrücken [4]. Männliche Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) haben einen unverwechselbaren Warnruf, der wie ein scharfes, stakkatoähnliches, sich rhythmisch wiederholendes Bellen beschrieben wird. Weibchen und Männchen drücken Angst mit einer Lautäußerung aus, die sich wie "ki-ki-ki" anhört [5].

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) haben einen starren Blick, wenn sie einem anderen Affen drohen. Dabei heben sie die Augenbrauen, ziehen die Kopfhaut zurück und strecken ihre Gesichtshaut, indem sie die Ohren nach hinten anlegen. Die Farbe der Augenlider steht in scharfem Kontrast zur angrenzenden Gesichtsfarbe, was den visuellen Effekt dieser Drohgebärde noch verstärkt. Ebenso als Drohgebärde ist ein geöffneter Mund zu verstehen, wobei jedoch die Zähne bedeckt sind. Diese Drohgebärde wird oft von einem Kopfnicken begleitet. Zur Begrüßung berühren sie sich mit den Nasen, worauf oft gegenseitige Fellpflege oder Spiele folgen [4].


Gefahren

Über die Lebenserwartung von Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) ist wenig bekannt. Ein etwa 5 Jahre altes, in der Wildnis geborenes Weibchen lebte weitere 31 Jahre in Gefangenschaft. In freier Wildbahn dürfte die Lebenserwartung jedoch erheblich niedriger sein, etwa um die 22 Jahre herum [9]. Zu ihren Fressfeinden gehören Leoparden, Schlangen und Greifvögel. Manchmal werden sie von Menschen gefangen [6].

Blaumaulmeerkatzen (Cercopithecus cephus) sind durch den Verlust von Lebensraum durch Abholzung, aber auch durch die Jagd bedroht. Allerdings können die Affen auch in sekundären Lebensräumen überleben und scheinen in einigen Regionen ihres Verbreitungsgebiet recht häufig zu sein. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft die Art daher als nicht gefährdet (Least Concern) ein [8].


Systematik


[1] Butynski, 2002; [2] Colyn, 1999; [3] Gautier-Hion et al., 1999; [4] Estes, 1991; [5] Hill, 1966; [6] Kingdon, 1988; [7] MacDonald, 1984; [8] Oates, J.F., Gippoliti, S. & Bearder, S. 2008. Cercopithecus cephus. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 28 April 2010; [9] Rowe, 1996

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