Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) sind im westlichen Zentralafrika zuhause, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Kamerun bis Angola [5]. Sie leben in verschiedenen Waldtypen mit Fließgewässern, in saisonal überfluteten Wäldern, sowie in Mangrovensümpfen und sekundären Wäldern in Höhenlagen bis zu 700 m [7]. Sie scheuen keine menschlichen Siedlungen, entfernen sich aber selten weiter als 450 m von einem Fluss [2][4][5][7].


Lebensraum

Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) sind stark von Flusslandschaften abhängig, so ist ihr Lebensraum auch auf dichte, immergrüne Vegetation an den Ufern von Flüssen begrenzt, welche oftmals Miombowälder (Brachystegia) durchfließen. In zunehmendem Maße trifft man sie auch auf landwirtschaftlichen Anbauflächen an. Die Reviere von Südlichen Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) sind wahrscheinlich größer und die Populationsdichten niedriger, als es bei Nördlichen Zwergmeerkatzen (Miopithecus ogouensis) der Fall ist, weil in den schmalen Waldstreifen Ressourcen knapper sind. Gruppen in der Nähe menschlicher Ansiedlungen sind mitunter doppelt so groß als Gruppen in mehr oder weniger unberührten Umgebungen [7].

Klimaschwankungen haben wahrscheinlich die primären Anpassungen der Südlichen Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) an das Leben in solchen Waldstreifen verstärkt. Längere Trockenperioden und weniger ausgedehnte Überschwemmungen bei gleichzeitig kühlerem und trockenerem Klima könnte auch die im Vergleich mit Nördlichen Zwergmeerkatzen (Miopithecus ogouensis) mehr terrestrische Lebensweise begünstigt haben.


Aussehen

Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) sind eng mit den anderen Meerkatzen verwandt. Sie sind die kleinsten Affen der Alten Welt (Catarrhini). Mit ihrem oliv-grünen bis aguti-farbenen Fell haben sie eine gewisse Ähnlichkeit mit südamerikanischen Totenkopfäffchen (Saimiri). Die Unterseite des Körpers ist heller als der Rest. Männchen haben einen blauen Hodensack. Die Gesichter sind grau mit braunen Streifen auf der Wange. Die Weibchen und jugendliche Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) sind meist heller als die Männchen [2][4][5][6].

Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) erreichen eine Körperlänge einschließlich Kopf von durchschnittlich 34,8 cm. Der Schwanz erreicht eine Länge von 36 - 53 cm. Es herrscht sexueller Dimorphismus vor, wobei die Männchen mit 1255 - 1280 g Körpergewicht deutlich schwerer als die Weibchen sind, die lediglich 745 - 820 g erreichen [7]. Viele der charakteristischen Merkmale von Südlichen Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) - relativ großer Kopf, große Augen und kurze Schnauze - sind eigentlich Merkmale von jugendlichen Tieren, was darauf hindeutet, dass sie neotenische Säugetiere sind. Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) sind offenbar gute Schwimmer.


Ernährung

Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) haben Backentaschen, in denen sie die Nahrung sammeln können, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu verzehren [6][5]. Ihre Ernährung besteht zum größten Teil aus Früchten (43%), jedoch fressen sie auch Blätter und Blüten. Gelegentlich erweitern sie ihren Speisezettel mit Schmetterlingen, Motten, Heuschrecken, Raupen und Käfer. Süßwasser-Garnelen und kleine Reptilien scheinen ihnen ebenfalls zu schmecken. Eine Gruppe wurde beobachtet, wie sie Maniokwurzeln stahlen, die von Dorfbewohnern unbeaufsichtigt zum Aufquellen in Wasser zurückgelassen wurden [7].


Gruppenleben

Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) leben in großen sozialen Gruppen mit durchschnittlich 70 - 100 Individuen, wobei grob geschätzt ein Männchen auf zwei Weibchen kommt. Die Affen sind ständig in Bewegung und fangen Insekten. Sie schlafen immer in der Nähe von Wasser, bei Gefahr springen sie gelegentlich hinein. Sie haben eine ungewöhnliche Sozialorganisation mit wenig Interaktionen zwischen Männchen und Weibchen. Während der Nahrungssuche teilen sich die Gruppen in mehrere Untergruppen des gleichen Geschlechts auf. Nur während der dreimonatigen Fortpflanzungszeit schließen sich Männchen den Weibchengruppen an und umgekehrt. Danach kehren sie wieder in ihre Ein-Geschlechter-Gruppen zurück.

In Zeiten der Ruhe orientieren sich die Weibchen mit ihren Jungen mehr zur Mitte der Gruppe, Männchen verweilen eher an deren Peripherie. Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) sind kaum territorial. Ihre Reviere umfassen 400 - 500 ha, in denen sie bei der täglichen Nahrungssuche zwischen 1,5 und 3,0 km zurücklegen. Die Reviere befinden sich immer in der Nähe eines Flusses oder einem anderen Gewässer [7].


Fortpflanzung

Fortpflanzungssaison ist zwischen Mai und September [4]. Nach einer Tragzeit von 158 - 166 Tagen kommt ein einzelnes Junges zur Welt, das bereits 20% des Gewichts der Mutter aufweist [7]. Geburten treten zwischen November und März auf [6][2][4]. Die Weibchen werden mit etwa 4 Jahren geschlechtsreif, Männchen erheblich später, mit etwa 9 ½ Jahren [9][2][4][5][6]. Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) entwickeln sich schnell, so sind sich die Neugeborenen bereits am dritten Tag nach der Geburt ihrer Umgebung bewusst und nach etwa 2 Wochen beginnen sie, sich gelegentlich von der Mutter zu entfernen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt herumgetragen hat. Nach 6 Wochen nehmen sie feste Nahrung zu sich und mit 3 Monaten sind sie selbstständig. Männliche Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) schließen sich im Alter von 6 Monaten Junggesellengruppen an.


Verhalten, Kommunikation

Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) sind bekannt für ihr "Mobbing-Verhalten", das sie gegenüber Raubtieren, seltsamen Gegenständen und sogar gegenüber anderen Gruppenmitgliedern an den Tag legen [7]. Bei der Fellpflege winden sie oft ihre Schwänze ineinander. Männchen verbringen ihren Tage in höheren Bäumen als die Weibchen. Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) und die Meerkatzen der Gattung Cercopithecus haben weniger Mimik als z.B. Makaken (Macaca), und versöhnliche oder beschwichtigende Gesichtsausdrücke fehlen ganz. Zwergmeekatzen (Miopithecus talapoin) kommunizieren vielmehr mit Lautäußerungen und Körperhaltungen. Ein geöffneter Mund mit schnellem Zeigen der Zähne ist als Drohung aufzufassen, eine Geste, die sich von allen anderen Drohgebärden der Altweltaffen unterscheidet. Bei Südlichen Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) sind auch die Weibchen äußerst aggressiv [7].

Bei Südlichen Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) kann man 17 Vokalisationen unterscheiden. Kontaktrufe werden intensiv genutzt. Jeder Bewegung eines erwachsenen Weibchens in der Wildnis ist ein Laut vorangestellt, der sich wie "coo" anhört, oft beantwortet von einem anderen Weibchen. Eine bemerkenswerte Lautäußerung ist ein kurzes, explosives "k-sss". Wenn sie an einem Fruchtbaum ankommen, nach überstandener Gefahr oder während eines aggressiven Zeitraums können Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) einen Chor anstimmen, bei dem alle Lautäußerungen aus dem gesamten Repertoire vorkommen, und an dem sich mehr oder minder alle Gruppenmitglieder beteiligen [3][7].


Gefahren

Zu den Fressfeinden der Südlichen Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin) gehören Leoparden, Goldkatzen, Ginsterkatzen, Greifvögel und große Schlangen [4]. Oft schlafen die Affen in Bäumen mit Ästen, die über das Wasser reichen, um bei Gefahr hineinzuspringen [4][5]. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt etwa 27 Jahre [7].

Zwar gibt es sehr wenig Informationen über die Bestände, jedoch geht man davon aus, dass es keine offensichtlichen Bedrohungen in ihrem Verbreitungsgebiet gibt. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft die Art daher als nicht gefährdet (Least Concern) ein [8].


Systematik


[1] Gautier-Hion, 1978; [2] Fleagle, 1988; [3] Gautier 1974; [4] Haltenorth und Diller, 1988; [5] Napier und Napier, 1985; [6] Nowak, 1999; [7] Rowe, 1996; [8] Oates, J.F. & Groves, C.P. 2008. Miopithecus talapoin. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 25 April 2010; [9] Harvey et al., 1987

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