Berberaffen (Macaca sylvanus) leben heute nur noch in Algerien, Marokko, Tunesien (hier regional bereits verschwunden) und auf der Halbinsel Gibraltar, der britischen Enklave in Spanien.


Lebensraum

Sie sind die einzigen Primaten nördlich der Sahara, die einzigen Primaten in Europa, und die einzigen Mitglieder der Gattung Macaca, die außerhalb Asiens leben. Berberaffen (Macaca sylvanus) waren früher in Teilen Europas und ganz Nordafrika weit verbreitet [6][2]. In historischen Zeiten bewohnten sie Regionen von Libyen bis Marokko, die derzeitigen Populationen beschränken sich nur noch auf kleine Wald- und Buschland-Inseln in Algerien und Marokko [2]. Die halbwilde Population in Gibraltar ist dort seit langem etabliert und wurde wahrscheinlich vom Menschen eingeführt [7].

Während des Pleistozäns lebten Berberaffen (Macaca sylvanus) in großen Teilen des europäischen Festlands. Eine wilde Population in Deutschland überlebte bis 1784, bis sie dort ausgerottet wurde [5].

In Nordafrika leben Berberaffen (Macaca sylvanus) in Eichen- und Zedernwäldern. Sie bevorzugen Wälder in mittleren bis hohen Lagen, sowie Buschwald und felsige Lebensräume. Das Klima ist im Sommer heiß und trocken, kalt und schneereich im Winter [4].


Aussehen

Berberaffen (Macaca sylvanus) sind relativ große Primaten ohne Schwanz. Bei einer Körperlänge von 56 bis 70 cm erreichen sie ein Gewicht von 10 bis 15 kg. Das Fell ist seidig grau-braun bis grau-gelb, das Gesicht ist dunkelrosa. Weibchen sind in der Regel halb so groß wie Männchen.

Berberaffen haben mächtige Kiefer, lange Eckzähne, und Backentaschen neben den unteren Zähnen, die sich an der Seite des Halses nach unten verlängern. Bei der Futtersuche können Berberaffen schnell Nahrungsteile in ihren Backentaschen unterbringen, um sich danach zurückzuziehen und die Nahrung an einem sicheren Ort zu verzehren. Wenn die Backentaschen mit Nahrungsteilen gefüllt sind, erreichen sie das Volumen des gesamten Magens. [3][4].


Ernährung

Berberaffen (Macaca sylvanus) sind Allesfresser und ernähren sich von Knollen, Wurzelstöcken, Blüten, Früchten, Blättern, Samen und Insekten, aber auch von anderen Wirbellosen sowie von Amphibien. In der Region von Ghormaran in Marokko nutzen Berberaffen (Macaca sylvanus) 100 der 195 bekannten Pflanzenarten. Eine Schlüsselpflanze für das Überleben im Winter ist der Zedernbaum, dessen Rinde, Zapfen und Nadeln in dieser Zeit konsumiert werden.

Berberaffen (Macaca sylvanus) suchen ihre Nahrung in den Bäumen, auf dem Boden und sogar unter Steinen. Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich mit den Jahreszeiten. Im Winter, wenn andere Nahrung knapp ist, fressen sie Rinde und immergrüne Nadeln, zu dieser Zeit halten sie sich meist in den Bäumen auf. Im Frühling sind sie hauptsächlich folivor (blätterfressend), kommen nun aber zur Nahrungssuche öfter auf den Boden und nutzen alle Ebenen des Waldes. Im Sommer halten sie sich meist auf dem Boden auf und fressen Süßgräser, Früchte und Eicheln. Einige Affen wurden im Sommer dabei beobachtet, wie sie Kaulquappen in Bächen fingen und fraßen. Im Herbst ziehen sie sich wieder mehr auf die Bäume zurück, fressen aber wie im Sommer meist Süßgräser und Früchte. In Algerien sind Raupen im Herbst und Eicheln im Frühling wichtige Bestandteile der Ernährung [8].


Berberaffe (Macaca sylvanus) in Gibraltar
Jugendlicher Berberaffe (Macaca sylvanus) bei der Motoradinspektion.
eingeschlafener Berberaffe (Macaca sylvanus)
Eingeschlafen

Fortpflanzung

Das Paarungssystem der Berberaffen (Macaca sylvanus) ist von Promiskuität geprägt. Die Weibchen paaren sich mit allen Männchen der Truppe, so dass diese nie sicher sein können, ob ein Junges von ihnen abstammt oder nicht. Schon kurz nach der Geburt kümmern sich auch die Männchen der Gruppe um den Nachwuchs, wobei sie keinen Unterschied machen, ob ein Neugeborenes von ihnen abstammt oder nicht, da sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in der Lage sind, die eigenen Nachkommen zu identifizieren. Sie spielen mit den Kleinen, pflegen ihr Fell und beschützen sie. Allomothering wird von verwandten Weibchen wie etwa Tanten und Geschwistern praktiziert [8]. Die Weibchen verbleiben in ihrer Geburtsgruppe; sobald Männchen geschlechtsreif werden, verlassen sie ihre Geburtsgruppe und schließen sich anderen Gruppen an. Die Akzeptanz in der neuen Gruppe ist daher ausschlaggebend für den späteren Paarungserfolg eines jeden einzelnen Männchens [5].

Berberaffen (Macaca sylvanus) bei der Paarung
Berberaffen (Macaca sylvanus) bei der Paarung.

Paarungszeit bei Berberaffen (Macaca sylvanus) ist von November bis Dezember, die Geburten finden in den Monaten April bis Juni statt. Weibchen zeigen ihre Paarungsbereitschaft mit dunklen, rötlich-grauen Schwellungen im Perinealbereich [8]. Die meisten Jungen werden nachts im Schlafbaum der Mutter geboren. Nach einer Tragzeit von etwa 165 Tagen kommt meist ein einzelnes Junges zur Welt, Zwillinge sind selten. Weibchen sind bei ihrer ersten Geburt etwa 4 Jahre alt, geschlechtsreif sind sie aber schon nach etwa 2½ - 4 Jahren, Männchen etwas später mit 4½ - 7 Jahren. Weibchen gebären normalerweise alle 1 - 2½ Jahre [8]. Das Neugeborene ist nach der Geburt bereits gut entwickelt - es klammert sich sofort an die Mutter und kann sein eigenes Gewicht halten. Die Mutter reinigt die Kleinen nach der Geburt durch Ablecken und verzehrt, wie bei vielen Säugetieren üblich, die Plazenta. Trotz der Tatsache, dass sich sowohl Weibchen als auch Männchen um den Nachwuchs kümmern, liegt die Säuglingssterblichkeit bei 23 - 27 % [8][4][5] .

Berberaffe (Macaca sylvanus) Schwielen am Hintern
Berberaffenweibchen (Macaca sylvanus) - Schwielen am Hintern und im Genitalbereich.

Gruppenleben

Die Gruppen der Berberaffen (Macaca sylvanus) bestehen aus 12 - 59 Affen mit mehreren Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs. Die Sozialorganisation ist matrilinear geprägt. Die Reviere umfassen 3.000 - 9.000 ha, die sich bis zu 80% überlappen können [8]. Männchen haben eine Hierarchie, die das Ergebnis von wettbewerblichen Wechselwirkungen sind. Der Rang eines Männchens ändert sich recht oft, entweder wenn sie ein gewisses Alter erreichen oder eine Gruppe verlassen, um sich einer anderen anzuschließen. In der Regel paaren sich die dominanten Männchen am häufigsten, obwohl alle Männchen in der Truppe zum Zug kommen [3][4].


Kommunikation

Wie bei allen Primaten, ist die Kommunikation bei Berberaffen (Macaca sylvanus) komplex und vielfältig. Körperlicher Kontakt durch gegenseitige Fellpflege, aber auch alle anderen grundlegenden Beziehungen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen sind wichtig zur Erhaltung von sozialen Bindungen und zur Vermittlung von Informationen. Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen sind einige optische Signale, die diese Affen in der Kommunikation verwenden. Darüber hinaus gibt es verschiedene Lautäußerungen, die von diesen Primaten verwendet werden. Wie weit die chemischen Kommunikation in Form von Düften bei Berberaffen (Macaca sylvanus) eine Rolle spielt, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich.


Gefahren

Berberaffen (Macaca sylvanus) haben in der Wildnis eine Lebenserwartung von etwa 22 Jahren. Zu den gefährlichsten Feinden gehören Schakale, Füchse, Greifvögel und - wie sollte es anders sein - der Mensch. Die soziale Gruppe bietet Schutz vor Raubtieren, die Gruppenmitglieder sind wachsam und warnen vor Gefahr. Gemeinsam sind die Affen in der Lage, Raubtiere zu verjagen.

Insgesamt befinden sich die Populationen der Berberaffen (Macaca sylvanus) auf einem Abwärtstrend, und man schätzt, dass die Anzahl der Affen über die letzten 3 Generationen, das sind etwa 24 Jahre, um 50% zurückgegangen ist. Wissenschaftler erwarten, dass sich dieser Rückgang auch in Zukunft fortsetzen wird. Folglich gilt die Art als gefährdet und wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als "Endangered" eingestuft. Der Status dieser Arten variiert in den verschiedenen Teilen ihres Verbreitungsgebietes, so sind die Affen auf Gibraltar wegen der menschlichen Fürsorge wohl kaum gefährdet [1].


Systematik


[1] Butynski, T.M., Cortes, J., Waters, S., Fa, J., Hobbelink, M.E., van Lavieren, E., Belbachir, F., Cuzin, F., de Smet, K., Mouna, M., de Iongh, H., Menard, N. & Camperio-Ciani, A. 2008. Macaca sylvanus. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 26 April 2010; [2] Camperio Ciani, 1986; [3] Chris und Tilde, 1996; [4] MacDonald, 1985; [5] Nowak, 1999; [6] Delson, 1980; [7] Hodges und Cortes, 2006; [8] Rowe, 1996
Berber makákó / Macaca sylvanus / Barbary macaque
Berberaap - binnenkant
Serious morning thoughts: Wild Gibraltar Barbary Macaque ape
286 Barbary Macaque Gibraltar
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