Schwarzer Stummelaffe (Colobus satanas)

Der Schwarze Stummelaffe oder Satansstummelaffe (Colobus satanas) bewohnt die tropischen Wälder Westafrikas in Kamerun, Gabun und auf der Insel Bioko. Früher waren sie auch in den tropischen Wäldern Guineas verbreitet. Einige Forscher sind der Ansicht, dass Colobus satanas die ursprünglichste (primitivste) Art innerhalb der Gattung Colobus ist.


Aussehen

Schwarze Stummelaffe haben dunkle Haut und langes, schwarzes Fell sowie einen langen schwarzen Schwanz. Das Kopfhaar ist halb aufgerichtet und weist auf der Stirn nach vorne. Das Gesicht ist kurz und der Kiefer ist mit großen Eckzähnen und scharfen Molaren bestückt, die zum Zerkleinern der Nahrung verwendet werden. Wie alle Primaten der Gattung Colobus haben Schwarze Stummelaffen lange Finger, aber keinen Daumen. Das Wort "Colobus" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "verstümmelt". Diese Primaten werden so genannt, weil ihr Daumen im Verlauf der Evolution zurückgebildet wurde und heute nur noch ein Stumpf ist.

Die Kopf- Rumpflänge beträgt 58 - 72 cm, hinzu kommt der Schwanz mit einer Länge von 60 - 97 cm. Die Affen erreichen ein Gewicht von 6 - 11kg.


Ernährung

Schwarze Stummelaffen (Colobus satanas) ernähren sich hauptsächlich von Samen, die sie auf dem Boden suchen und dort auch fressen. Neben Samen ernähren sie sich auch von jungen Blättern einiger Kletterpflanzen (Lianen). Normalerweise stuft man sie jedoch als Samenfresser ein, aber wenn ihre Lieblingsnahrung knapper wird, greifen sie auf andere Nahrungsarten wie ältere Blätter, unreife Früchte oder Blüten zurück. Schwarze Stummelaffen wurden beobachtet, wie sie besonders natriumreiche Erde zu sich nahmen.


Fortpflanzung

Schwarze Stummelaffen (Colobus satanas) leben in polygynen Gruppen zusammen, die in der Regel aus einem erwachsenen Männichen, mehreren Weibchen und deren Nachkommen bestehen. Den Weibchen fehlen die gut sichtbaren perinealen Schwellungen, wie sie einige andere Mitglieder der Gattung Colobus zeigen. Auch sonst suchen die Weibchen nicht aktiv die sexuelle Aufmerksamkeit der Männchen.

Schwarze Stummelaffen (Colobus satanas) kennen keine spezielle Fortpflanzungssaison, allerdings gibt es Spitzenzeiten, wenn mehrere Weibchen in den Sexualzyklus kommen. Die Neugeborenen werden im Gegensatzt zu anderen Arten dieser Gattung mit braunem Fell geboren.

Nach der Geburt klammern sich die Kleinen mit Händen und Füßen an den Bauch der Mutter, um sich herumtragen zu lassen. Oft sieht man verwandte oder nicht-verwandte Weibchen und sogar Männchen, wie sie sich um den Nachwuchs kümmern. Allomothering ist bei dieser Art also weit verbreitet und es ist für den Säugling nichts besonderes, mehrmals pro Stunde von anderen Gruppenmitgliedern als der Mutter umsorgt zu werden. Obwohl der Nachwuchs von mehreren Affen gleichzeitig betreut wird, ist die Kindersterblichkeit hoch, denn oft vertreibt das dominante Männchen der Gruppe die noch nicht erwachsenen männlichen Tiere, bevor sie in der Lage sind, sich selbst zu versorgen.


Verhalten

Schwarze Stummelaffen (Colobus satanas) verbringen einen Großteil ihrer Zeit am Boden als Vierbeiner, auch wenn sie gelegentlich durch die Baumwipfel schwingen, z. B. wenn Nahrung knapp ist und sie sich von älteren Blättern ernähren müssen. Die Populationsdichte ist in weiten Bereichen mit etwa 25 - 30 Affen pro km² sehr gering, die Reviergröße einer Gruppe beträgt etwa 60 ha. Die Gruppen bestehen meist aus sechs bis acht Individuen und bestehen aus einem erwachsenen Männchen, etwa sechs erwachsenen Weibchen mit Kleinkindern und Jugendlichen. Die Männchen verlassen bei Erreichen der Geschlechtsreife die Gruppen, die somit matrilinear geprägt sind.

Schwarze Stummelaffen (Colobus satanas) verbringen viel Zeit mit Ruhen, während der sie recht inaktiv sind. So fand man heraus, dass sie 57 % des Tages faulenzen. Trotzdem sind sie territorial und die Gruppen sind hierarchisch gegliedert. Weibliche Affen kooperieren häufig und verbringen viel Zeit mit der gegenseitigen Fellpflege.


Gefahren

Schwarze Stummelaffen (Colobus satanas) gehören zu den 10 am meisten gefährdeten afrikanischen Affenarten. Da diese Art recht spezialisierte Ernährungsgewohnheiten hat, reagiert sie sehr empfindlich auf jegliche Störung ihres Lebensraums, etwa durch die Holzindustrie. Darüber hinaus werden Schwarze Stummelaffen wegen ihres Fells gejagt und ihr Fleisch gilt als Delikatesse (Bushmeat).


Systematik


Literatur

[1] Rowe, N. 1996; Oates, J.F., Kingdon, J., Groves, C.P. & Brugiere, D. 2008. Colobus satanas. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 13 October 2011.

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