Eugène de Beauharnais

Eugène de Beauharnais, Porträt von Andrea Appiani, 1810
Eugène de Beauharnais, Porträt von Andrea Appiani, um 1800
Datei:CoA of the dukes of Leuchtenberg (1817-1826).svg
Wappen des Herzogs von Leuchtenberg aus dem Hause Beauharnais
Die Leuchtenbergische Residenz in Eichstätt
Schloss Eugensberg um 1850

Eugène-Rose de Beauharnais (deutsch Eugen Herzog von Leuchtenberg und Fürst von Eichstätt) (* 3. September 1781 in Paris; † 21. Februar 1824 in München) war das erste Kind aus der ersten Ehe von Napoleons Gattin Joséphine. Sein Vater war Alexandre Vicomte de Beauharnais. Nach der Trennung seiner Eltern lebte seine Schwester Hortense (geboren 1783) bei seiner Mutter, Eugène bei seinem Vater bis zu dessen Tod in den Revolutionswirren 1794 unter der Guillotine.

Leben

Datei:Eugène de Beauharnais.jpg
Eugène de Beauharnais, Grabdenkmal von Bertel Thorvaldsen

Der Mutter Eugènes, die die Revolutionswirren überlebt hatte, gelang es, gesellschaftlich wieder Fuß zu fassen. Sie heiratete 1796 den aus Korsika stammenden General Napoleon Bonaparte und wurde an dessen Seite 1804 Kaiserin der Franzosen. Eugène wurde 1797 von seinem Stiefvater Napoleon zum Offizier ernannt und machte die Italien- und Ägyptenfeldzüge als dessen Adjutant mit. 1805 ernannte ihn Napoleon zum Prinzen und Staatserzkanzler von Frankreich. Noch im gleichen Jahr nahm er ihn nach Mailand mit, wo Napoleon sich zum König von Italien krönen ließ. Am 7. Juni 1805 setzte Napoleon Eugène als Vizekönig von Italien ein, jedoch ohne größere Befugnisse.

Eugène de Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg

Eugène, kurz zuvor von Napoleon adoptiert, heiratete am 13. Januar 1806 weltlich und einen Tag später kirchlich in München auf Anweisung Napoleons und im Beisein des französischen Kaiserpaares die 17-jährige Prinzessin Auguste Amalie von Bayern und war damit zum Schwiegersohn des bisherigen Kurfürsten Max IV. Joseph und seit 1. Januar 1806 ersten bayerischen Königs Max I. Joseph geworden. Aus der Heirat aus Staatsräson entwickelte sich eine innige Liebesbeziehung; ein Leben lang blieben die beiden ein glückliches Paar. Eine Woche nach der Hochzeit reisten sie nach Mailand ab, begleitet von Friederike von Wurmb, der Erzieherin der Prinzessin. Das gemeinsame Streben, von Napoleon das Königtum Italien zu erhalten, blieb unerfüllt, jedoch wurde Eugène 1807 zusätzlich Fürst von Venedig. Als im Frühjahr 1809 österreichische Truppen in Italien einmarschierten, konnte Eugène sich wieder als Soldat beweisen. Nach zunächst glücklosen Aktionen in der Schlacht bei Sacile am 16. April 1809 bezwangen er und die napoleonischen Truppen die Österreicher unter Erzherzog Johann in der Schlacht bei Raab/Györ in Ungarn am 14. Juni 1809. Gehorsam gegenüber Napoleon, unterwarf er anschließend das von Andreas Hofer angeführte aufständische Tirol und ließ Hofer am 20. Februar 1810 in Mantua erschießen.

Am 1. März 1810 erhob Napoleon seinen Stief- und Adoptivsohn zum Großherzog von Frankfurt und sagte ihm die spätere Nachfolge von Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg zu; bis zu dessen Tod sollte Eugène weiter seinen Geschäften in Italien nachgehen. Das nachgeschobene napoleonische Angebot, Kronprinz von Schweden zu werden, schlug Eugène aus. Mit der Geburt von Napoléon II. am 20. März 1811 war er nicht mehr der Erbe der französischen Kaiserkrone, hielt jedoch weiter zu seinem Adoptivvater. Er nahm an dessen Russlandfeldzug von 1812 teil und erlebte den unehrenhaften und verlustreichen Rückzug der Grande Armée, der ihn sehr erschütterte. Gleichwohl übernahm er im Januar 1813 den Oberbefehl über den Rest der französischen Armee in Deutschland. Nach der Schlacht von Großgörschen, die Napoleon und Eugène, wenn auch unter herben Verlusten, noch einmal für sich entscheiden konnten, kehrte Eugène im Mai 1813 nach Mailand zurück. Im August musste er auf Befehl Napoleons bereits wieder ins Feld ziehen, dieses Mal gegen Österreich. Während Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813 niedergerungen wurde, kämpfte der Vizekönig in Italien weiter. Die Abdankung Napoleons als Kaiser der Franzosen entband schließlich Eugène vom Treueeid gegenüber seinem Stiefvater, und er streckte am 17. April 1814 die Waffen und verließ angesichts zunehmender antifranzösischer Stimmung in seinem Königreich Italien und traf mit seiner Familie am 4. Mai 1814 am bayerischen Königshof in München ein.

Während des Wiener Kongresses und der Herrschaft der Hundert Tage war er kurzzeitig als eventueller Großherzog von Genua bzw. als Regent Frankreichs im Gespräch. Die Angliederung Genuas an Sardinien-Piemont sowie die Rückkehr des Kaisers bzw. die Machtübernahme Fouchés nach des Kaisers endgültigem Sturz bereiteten derartigen Plänen 1815 jeweils ein schnelles Ende.

Um die Familie des Schwiegersohns zu versorgen, erhielt er mittels einer königlichen Urkunde vom 14. und einer königlichen Erklärung vom 15. November 1817 von Maximilian I. Joseph von Bayern auf Vorschlag von dessen Minister Maximilian Graf von Montgelas den Titel eines Herzogs von Leuchtenberg – in Anlehnung an das gleichnamige oberpfälzische Landgrafentum, wo das Haus Leuchtenberg nach dem 17. Jahrhundert ausgestorben war –, und eines Fürsten von Eichstätt zugesprochen. Den Herzogtitel erhielt er ohne Besitzverbundenheit; die Ausmittlung eines aus Gütern, Renten und Rechten gebildeten neuen Fürstentums „in der Gegend von Eichstädt“ erfolgte durch einen königlichen Kommissar, Regierungsrat Carl Joseph Hartmann. Mit dem Titel erhielt Eugène auch ein neues Wappen. Fortan führte der neue Fürst in München bzw. auf dem von ihm 1816 erworbenen Schloss Ismaning als Sommersitz ein ruhiges Leben; sein Fürstentum mit dem Residenzort Eichstätt besuchte er nur wenige Male, insbesondere um seiner Jagdleidenschaft in den ausgedehnten Wäldern seines Fürstentums zu frönen, oder als Zwischenstation auf ausgedehnten Reisen. Eichstätt fungierte nur als „Nebenschauplatz herrschaftlicher Aktivität und fürstlicher Repräsentation“ (Hintermayr, S. 479). Dennoch war er wegen seiner Großzügigkeit – er unterstützte beispielsweise die Armenpflege und finanzierte der Eichstätter Casino- und Theatergesellschaft ein eigenes Gebäude mit – und Volksnähe bei seinen seltenen Aufenthalten in Eichstätt sehr populär geworden. In München wurde ab Herbst 1817 für den Eichstätter Fürsten von Hofbaumeister Leo von Klenze das Palais Leuchtenberg errichtet – mit einer mehrmonatigen Unterbrechung wegen eines Streites mit Kronprinz Ludwig, der sich aber schließlich seinem Vater fügte und dessen Erklärung vom 15. November 1817 anerkannte. Im Herbst 1821 konnte die Familie ihr neues Pracht-Domizil mit seinen 253 Zimmern beziehen.

1818 wurde er zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt.

Eugène besuchte mehrfach seine von ihm sehr verehrte Schwester Hortense am Bodensee; diese hatte dort um 1817 das Schloss Arenenberg gekauft. Er erwarb daraufhin vom Landwirt Johann Eigenmann den benachbarten Gutsbetrieb Sandegg. Damit erhielt er das reizvoll gelegene Baugrundstück für sein Schloss Eugensberg. Dieses liegt in Salenstein im Kanton Thurgau in der Schweiz am Südufer des Untersees gegenüber der Insel Reichenau. Es wurde von 1819 bis 1821 errichtet, weder Architekt noch Baupläne sind bekannt. Im August 1822 empfing die herzogliche Familie in Eichstätt den Kronprinzen Oskar von Schweden – Sohn Karl XIV. Johann von Schweden, dem ehemaligen französischen Marschall Jean-Baptiste Bernadotte -, der um die Hand der ältesten Tochter Josephine bat und sie am 22. Mai 1823 in München ehelichte. Eugène, an Ostern 1823 schwer erkrankt, aber noch einmal von den Ärzten gerettet, verstarb schon 1824 in seinem Münchener Palais.

Sein Grabmal, gestaltet von Bertel Thorwaldsen und Ernst Mayer nach einem Entwurf von Leo von Klenze (1830), befindet sich in der ehemaligen Hofkirche St. Michael in München; hier war er am 25. Februar 1824 neben seinem Töchterchen Caroline Clotilde bestattet worden.

Nachkommen

Ziviltrauung von Eugène de Beauharnais mit Auguste von Bayern, gemalt von François-Guillaume Ménageot.

Aus der Ehe mit Auguste von Bayern gingen sieben Kinder hervor:

  • Joséphine (1807–1876); ∞ Oskar I., König von Schweden
  • Eugénie (1808–1847); ∞ Konstantin von Hohenzollern-Hechingen (1801–1869)
  • Auguste (1810–1835), 2. Herzog von Leuchtenberg; ∞ Maria II., Königin von Portugal
  • Amélie (1812–1873); ∞ Dom Pedro I., Kaiser von Brasilien
  • Théodelinde (1814–1857); ∞ Wilhelm Graf von Württemberg (späterer Herzog von Urach)
  • Carolina Clotilde (* 15. Januar 1816 in München, † 25. Januar 1816 in München, beigesetzt in der Fürstengruft von St. Michael)
  • Maximilian (1817–1852), 3. Herzog von Leuchtenberg, Fürst Romanowski; ∞ Marija Nikolajewna Romanowa, Großfürstin von Russland, Tochter des Zaren Nikolaus I., die vormals französisch-deutsche Familie wurde zu einer russischen.

Ehrungen

Sein Name ist am Triumphbogen in Paris in der 24. Spalte eingetragen.

Sonstiges

1803 erwarb Eugène in Paris das Hôtel Villeroy, welches seither Hôtel de Beauharnais genannt wird. Er renovierte es und stattete es kostbar im Stil des Empire aus. Das Gebäude wurde später von Friedrich Wilhelm III. erworben und diente zunächst als Sitz der Preußischen Gesandtschaft. Seit 1961 ist es die Residenz des Deutschen Botschafters in Frankreich.

Siehe auch

  • Stammliste der Beauharnais

Literatur

  • Adalbert von Bayern: Eugen Beauharnais, der Stiefsohn Napoleons. Ein Lebensbild. Berlin 1940; 2. Auflage: München 1950
  • René Blémus: Eugène de Beauharnais : L'honneur à tout vent. Edition France-Empire, Paris 1993, ISBN 2-7048-0718-3
  • Karl Theodor von Heigel: Leuchtenberg, Eugen Beauharnais, Herzog v.. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 18, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 475–479.
  • Leo Hintermayr: Das Fürstentum Eichstätt der Herzöge von Leuchtenberg 1817–1833. Beck, München 2000, ISBN 3-406-10705-2
  • Rudolf Marti: Eugensberg, ein Schloss und 2500 Jahre Geschichte. Huber, Frauenfeld 1997
  • Hans Schmidt: Leuchtenberg, Eugen Herzog von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, S. 369 f. (Digitalisat).

Weblinks

 Commons: Eugène de Beauharnais – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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