Friedrich Junge (Pädagoge)

Friedrich Junge (* 8. Dezember 1832 in Pölitz; † 28. Mai 1905 in Kiel) war ein deutscher Lehrer und Biologe.

Leben

Junge besuchte das Lehrerseminar in Bad Segeberg und war 1854–1857 und 1864–1873 Lehrer in Lütjenburg. Hier hat Junge den Hohenfelder Mühlenteich erforscht und in seinem Buch beschrieben. 1857–1864 war er als Dorfschullehrer in Blankenese sowie Plön tätig und 1873–1899 als Hauptlehrer und Schulleiter der ersten Mädchen-Bürgerschule in Kiel. Hier beeinflusste Karl August Möbius das Werk von Friedrich Junge. Seine Bedeutung liegt in den Ideen zur Reform des naturwissenschaftlichen Unterrichts, die heute in ihrer Gesamtheit unter dem Begriff Reformpädagogik zusammengefasst werden.

Der Pädagoge wollte das reine Auswendiglernen von Fakten durch das Erkennen von Zusammenhängen ersetzen und legte großen Wert auf die praktische Anschauung. Sein Hauptwerk Der Dorfteich als Lebensgemeinschaft nebst einer Abhandlung über Ziel und Verfahren des naturgeschichtlichen Unterrichts erschien erstmals 1885 und wurde in mehreren Auflagen nachgedruckt. In dem Buch beschreibt Junge, wie mit einfachen Beispielen aus der dörflichen Umwelt das Verständnis für biologische Zusammenhänge vermittelt werden kann. Das Buch gilt auch heute als Klassiker der naturwissenschaftlichen Pädagogik und zeigt Junge als einen Vorläufer der modernen Ökosystemforschung.

Junges Grab befindet sich auf dem Parkfriedhof Eichhof in Kiel.

Werkbibliographie

  • Naturgeschichte in der Volksschule Teil I. Der Dorfteich als Lebensgemeinschaft nebst einer Abhandlung über Ziel und Verfahren des naturgeschichtlichen Unterrichts. Lipsius & Tischer, Kiel 1885 (1. Auflage / 5 Tsd.)
  • Naturgeschichte. Der Dorfteich als Lebensgemeinschaft nebst einer Abhandlung über Ziel und Verfahren des naturgeschichtlichen Unterrichts. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Lipsius & Tischer, Kiel und Leipzig 1891.
  • Der Dorfteich als Lebensgemeinschaft nebst einer Abhandlung über Ziel und Verfahren des naturgeschichtlichen Unterrichts. Hrsg. von Adolf Junge und Otto Junge. Dritte verbesserte, vermehrte und bebilderte Auflage / 11. - 16. Tsd. Lipsius & Tischer, Kiel und Leipzig 1907.
  • Der Dorfteich als Lebensgemeinschaft. Unveränderter Nachdruck der Dritten Aufl. von 1907 mit Vorwort/Einführung von W. Janßen, W. Riedel und G. Trommer. Lühr & Dircks, St. Peter-Ording 1985.
  • Naturgeschichte Teil II. Die Kulturwesen der deutschen Heimat nebst ihren Freunden und Feinden. Eine Lebensgemeinschaft um den Menschen. Lipsius & Tischer, Kiel und Leipzig 1891.

Namensnennung

Eine im Herbst 1951 eröffnete Schule im Kieler Westen (gelegen an der Langenbeck- und Virchowstraße) ist nach Friedrich Junge benannt.[1]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Friedrich-Junge-Gemeinschaftsschule Kiel

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