Gonzalo Fernández de Oviedo

Gonzalo Fernández de Oviedo y Valdés (* 1478 in Madrid; † 1557 in Valladolid) war ein spanischer Historiker und Staatsmann. Er gilt als der bedeutendste Chronist der Eroberung Südamerikas durch die spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert.

Leben

Goldwaschende Indios. Holzschnitt aus der "Historia General y Natural de las Indias" des Gonzalo Fernández de Oviedo (16. Jahrhundert)

Als Sohn reicher Eltern wuchs er am Hof von Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien auf und wurde mit dreizehn Jahren Schildknappe des spanischen Thronfolgers Johann, Prinz von Asturien. Als solcher war er an der Belagerung von Granada beteiligt und traf Kolumbus, bevor dieser zu seiner Reise aufbrach.

Nach dem Tod des Infanten im Oktober 1497 ging er nach Italien und wurde Sekretär von Gonzalo Fernandez de Cordoba. 1514 wurde er zum Aufseher der Goldschmelzen von Santo Domingo ernannt, und nach seiner Rückkehr 1523 übernahm er der Posten als königlicher Berichterstatter für Westindien. Seine Aufgabe war es, die tatsächlichen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den Kolonien, die in den Berichten der Konquistadoren oft schöngefärbt wurden, aufzuklären und die Behörden darüber in Kenntnis zu setzen. In dieser Eigenschaft unternahm er in den späteren Jahren fünf längere Reisen in die Neue Welt. 1526 übernahm er das Amt des Gouverneurs von Antigua, und von 1535 bis 1545 war er Befehlshaber der Befestigungsanlagen von Santo Domingo. Mit 67 Jahren kehrte er nach Spanien zurück, um sein Lebenswerk, die Historia de las Indias, zu vollenden.

Der erste Teil dieses Werkes wurde 1535 unter dem Titel Historia general y natural de las Indias veröffentlicht. Eine zweite, überarbeitete Auflage wurde 1548 fertiggestellt. Oviedo erlebte ihre Veröffentlichung aber nicht mehr, er starb 1557 in Valladolid im Alter von 79 Jahren.

Das Gesamtwerk der Historia wurde erst 1851 bis 1855 von der Spanischen Akademie für Geschichte veröffentlicht. Obwohl sie in einem undurchsichtigen Stil geschrieben ist, enthält sie viele bemerkenswerte Informationen aus erster Hand. Die unvollständige, in Sevilla herausgegebene Ausgabe erreichte in ihren englischen und französischen Übersetzungen von Eden und Poleur (1555 und 1556) eine große Leserschaft. Nach Bartolomé de Las Casas enthält sie "ebenso viele Lügen wie Seiten", und Oviedo kommentiert die Vorgehensweise seiner Landsleute zweifellos wohlwollend; aber neben den patriotischen Tendenzen, die zu offensichtlich sind als dass sie zu Missverständnissen führen könnten, sind seine Beschreibungen vertrauenswürdig und interessant.

In seinen Quinquagenas ergeht er sich in Gerüchten über berühmte Zeitgenossen; diese Sammlung von kuriosen und moralisierenden Anekdoten wurde erst 1880 in Madrid von Vincente de la Fuente veröffentlicht.

Zitat

"Weil sie bei ihrer Ankunft nichts zu essen fanden, töteten einige dieser Christen in ihrem gewaltigen Hunger einen Indianer, den sie gefangen hatten, und rösteten die Innereien und aßen sie; und sie kochten einen Teil von dem Indianer in einem großen Topf, um etwas zu essen mit auf das Schiff zu nehmen, ..." -- Historia general y natural de las Indias, 1535

Ehrentaxon

Charles Plumier benannte ihm zu Ehren eine Gattung Valdia[1] der Pflanzenfamilie der Schwertliliengewächse (Iridaceae). Carl von Linné änderte später diesen Namen in Ovieda.[2][3]

Werke

  • Claribalte (Valencia, 1519)
  • La Historia de las cosas sucedidas en mi tiempo en America (Toledo, 1526)
  • Historia general y natural de las Indias Occidentales, islas y tierra firme del Mar Oceano (Sevilla, 1535)
  • Tratado del palo Guayacan y del palo Santo como antidoto contra la sifilis
  • Navegacion del Rio Maranón
  • Las Quinquagenas de la nobleza de España

Einzelnachweise

  1. Charles Plumier: Nova Plantarum Americanarum Genera. Leiden 1703, S. 11
  2. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 93
  3. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 295

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

19.04.2021
Neobiota
Ausbreitung zweier invasiver Arten: Waschbären und Marderhunde
Der aus Asien stammende Marderhund und der nordamerikanische Waschbär werden sich in Zukunft in Europa vermutlich noch weiter ausbreiten.
19.04.2021
Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Der Klimawandel macht es schwieriger, eine gute Tasse Kaffee zu bekommen
Äthiopien könnte in Zukunft weniger besonders hochwertigen Kaffee und mehr durchschnittliche, eher fade schmeckende Sorten erzeugen.
19.04.2021
Anthropologie | Entwicklungsbiologie
Evolution der menschlichen Geburtsprobleme
Im Gegensatz zu den meisten anderen Primaten sind menschliche Neugeborene im Vergleich zur Breite des mütterlichen Geburtskanals sehr groß, was zu einem hohen Risiko sowohl für das Baby als auch die Mutter werden kann.
15.04.2021
Anthropologie | Biodiversität | Primatologie
Bedrohte Lemuren: „Unser Verhalten entscheidet, wer überlebt“
Biologen zeigen in einer Studie am Beispiel des Fingertiers oder Aye-aye wie Bildungsarbeit dazubeitragen kann, bedrohte Tierarten zu schützen.
15.04.2021
Ethologie | Primatologie
Gorillamänner bluffen nicht!
Als eines der symbolträchtigsten Geräusche im Tierreich hat das Brusttrommeln Eingang in unsere Umgangssprache gefunden – darunter wird oft eine übertriebene Einschätzung der eigenen Leistungen verstanden.