Holzwirtschaft

Lasergesteuerter Holzzuschnitt in einem Sägewerk
Auch Holzpellets und andere energetisch nutzbare Holzprodukte werden von der Holzwirtschaft erzeugt

Die Holzwirtschaft ist die Branche, die sich mit der wirtschaftlichen Verwertung des Rohstoffes Holz befasst. Sie umfasst den Holzhandel, die Holzindustrie und das Holzhandwerk. Die Holzwirtschaft erhält ihren Rohstoff aus der Forstwirtschaft und zu einem kleineren Teil aus dem Recycling. Er wird zu Zwischen- und Endprodukten (Halb- und Fertigwaren) wie Bauholz, Holzwerkstoffen, Möbeln, Papier, chemischen Produkten, Brennholz und anderem verarbeitet.[1]

Teilweise wird die Zellstoffproduktion und Papierherstellung, trotz der Verwendung von Holz, nicht zur Holzwirtschaft gezählt. Häufig werden dennoch Papierprodukte in den Handelsstatistiken gemeinsam mit Holzprodukten aufgeführt.

Der größte Teil der Holzwirtschaft in Deutschland ist mittelständisch und vor allem handwerklich aufgestellt. Nur ein geringer Prozentsatz der Betriebe hat eine industrielle Struktur. Großbetriebe existieren fast ausschließlich im Bereich Holzwerkstoffe.

Definition

Herstellung von OSB-Platten

Holzwirtschaft

Deutschland

Zur Holzwirtschaft gehören folgende Branchen:[1]

  • Holzhandel
  • Sägeindustrie
  • Holzwerkstoffindustrie: Furniere, Sperrholz, Holzfaser- und Spanplatten
  • Zellstoff- und Papierindustrie: Holzschliff, Zellstoff, Papier
  • Furnierindustrie
  • Möbelbau

Darüber hinaus werden der Holzhausbau, die Verpackungsindustrie, das Druckgewerbe, die Brennholzherstellung und andere Bereiche der Holzwirtschaft zugeordnet.

Österreich

Papiermaschine: Trocknungs- und Aufrollungsphase

In Österreich wurden aufgrund ihrer politischen Vertretungsstruktur (Verbände) folgende Branchen zur Holzwirtschaft gezählt:

  • Holzhandel
  • Sägeindustrie
  • Holzverarbeitende Industrie (HVI)
  • Zellstoff-, Holzschliff- und Papierindustrie
  • Holzverarbeitendes Gewerbe

EU

Nach Beschluss des Europäischen Parlaments, auf Grundlage der Mitteilung der Europäischen Kommission, weicht die offizielle statistische EU-Berichterstattung bzw. die EU-Definition der Holzwirtschaft von der österreichischen deutlich ab. Zum einen ist die Möbelindustrie nicht in der Holzwirtschaft enthalten, da die meisten statistischen Ämter keine Erfassung der Möbel auf Holzbasis zulassen (für Österreich wird sich die Datenlage lt. Statistik Austria diesbezüglich bald ändern). Zum anderen wird zur Holzwirtschaft des Verlags- und Druckereiwesen sowie Vervielfältigung dazugezählt. In der statistischen Erfassung der Holzwirtschaft lt. EU-Definition bzw. lt. Leistungs- und Strukturerhebung der Statistik Austria gibt es keine Unterscheidung nach Industrie und Gewerbe; die Beschäftigungszahl wird allerdings in jeder Sparte miterhoben.

Bedeutung

Holzbilanz

Die Gesamtholzbilanz lag 2004 in Deutschland bei 220 Mio m³, wovon etwas weniger als die Hälfte auf Holzeinfuhren fiel. Seit 2002 ist Deutschland Nettoexporteur von Holz und Produkten auf der Basis Holz (einschließlich Papier). Der größte Teil des Holzaußenhandels entfällt auf Halb- und Fertigwaren und nur ein geringer Teil auf Roh- und Restholz. Wichtige Exportländer sind derzeit (2008) Frankreich, die Niederlande und Österreich. Bedeutendstes Importland war in dem Jahr Polen.[2] Nur etwa 4 % des Importaufkommens entfallen auf Hölzer aus tropischen Ländern.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wichtigsten Kennzahlen der deutschen Holz- und Möbelindustrie im Jahr 2008 (Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten):[2]

  • 31,2 Mrd. € Gesamtumsatz
  • davon 7,8 Mrd. € im Exportgeschäft
  • 151.683 Beschäftigte

Dabei machten die einzelnen Bereiche diese Anteile an Umsatz bzw. Beschäftigten aus:

  • Möbelbau: 51 % bzw. 55 %
  • baunaher Bereich : 15 % bzw. 18 %
  • Holzwerkstoffindustrie: 16 % bzw. 10 %
  • Übrige Branchen (Säge-, Hobel-, Imprägnierwerke, weitere): 18 % bzw. 18 %

Energetische Nutzung

Durch die steigenden Energiepreise und die zunehmenden Klimaschutzbemühungen ist die Nachfrage nach dem nachwachsenden Rohstoff Holz als Brennstoff gestiegen. Dadurch entstehen neue Entwicklungschancen für den Holzhandel. Sowohl Abfallprodukte der Holzindustrie wie auch Waldholz werden vor allem in Form von Scheitholz, aber zunehmend auch als Hackschnitzel oder Holzpellets verstärkt nachgefragt.

Mit sogenannten Kurzumtriebsplantagen (KUP) wird zudem versucht, auf landwirtschaftlichen Flächen effizient Holz für die energetische Nutzung zu erzeugen.

Ökologische Aspekte

Die gesteigerte Nachfrage nach Holz führt nach Einschätzung von Umweltverbänden zu einer weiter verstärkten Vernichtung von Urwäldern. Wie die Umweltstiftung World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland Anfang 2009 per Umfrage bei 68 der größten holzverarbeitenden Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ermittelte, kennen zwei Drittel der Unternehmen nicht den genauen Herkunftsort des Holzes. Dies wäre jedoch die Voraussetzung für einen wirksamen Urwaldschutz. Der WWF fordert daher zur Eindämmung des Raubbaus die Einführung eines gesetzlich festgeschriebenen Nachweis- und Kontrollsystems.[3] Der Holzhandel erkennt aufgrund der teilweisen Übernutzung von Wäldern die Notwendigkeit der Zertifizierung an, verweist allerdings auch darauf, dass nach Erhebungen der FAO nur 5 % des Holzeinschlags in tropischen Wäldern durch die Holznutzung verursacht werde.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Forst- und Holzwirtschaft, Definition und statistische Informationen, abgerufen am 18. Februar 2010
  2. 2,0 2,1 Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi):Holz- und Möbelindustrie, statistische Daten und weitere Informationen, abgerufen am 18. Februar 2010
  3. WWF Magazin 3/2009, S. 7.

Weblinks

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