In-Vitro-Fleisch

In-vitro-Fleisch, auch kultiviertes Fleisch, umgangssprachlich Laborfleisch, ist das Ergebnis von Gewebezüchtung mit dem Ziel, Fleisch zum menschlichen Verzehr im industriellen Maßstab synthetisch herzustellen.[1]

Herstellung

Verwendet werden Myoblasten, ein Zelltyp, der einen Kompromiss aus Ausdifferenziertheit und Vermehrungsrate darstellt. Die Ausgangszellen können aus dem jeweiligen Tier schmerzfrei via Biopsie und ohne Tötung entnommen werden[2].

Die zu Grunde liegende Biotechnologie wird schon länger in der Medizin mit menschlichen Hautzellen verwendet, um Transplantate für Schwerbrandverletzte zu züchten. Bislang ist dies auf dünnlagige Hautschichten begrenzt. Die Membranen können übereinander gelegt werden und wenig strukturiertes Hackfleisch ersetzen, wie es in Hamburgern eingesetzt wird. Schwierigkeiten bereiten kompliziertere Strukturen wie Steak, da diese an einem dreidimensionalen Gerüst wachsen müssen und die Muskelzellen für vergleichbare Fleischkonsistenz mechanischer Bewegung ausgesetzt sein sollten.[3]

Ziele

Von 1961 bis 2011 hat sich der Fleischverbrauch weltweit fast vervierfacht.[4]

Vom Jahr 2000 bis 2050 wird sich laut Prognosen die Fleischproduktion mehr als verdoppeln. Bereits jetzt wird 34·106 km2 Landfläche (26 % der Landfläche der Erde) zur Viehhaltung und zum Futtermittelanbau verwendet. Die übrigen bewirtschaftbaren Landflächen von 28·106 km2 bestehen zu 45 % aus Waldgebiet. 68 % der Emissionen von Ammoniak sind ein Abfallprodukt der Viehhaltung. Massentierhaltung und globaler Viehtransport und Transport von Tierprodukten haben zur Ausbreitung von Seuchen geführt, die auch für den Menschen gefährlich werden können. Des Weiteren kommt es in Gesellschaften der westlichen Welt zu Bedenken, ob Tierschutz und industrialisierte Produktion miteinander vereinbar sind. Ein Ersatz eines Großteils der industriellen Tierproduktion durch Biotechnologie könnte wieder eine Extensive Viehwirtschaft im kleinen ökologischen Maßstab erlauben, die das Hochpreis-Segment bedient.[5]

Züchtungen in sterilen Zellkulturen oder Bioreaktoren eignen sich besser zur industriellen Fertigung, da die Überwachung und Fernhaltung von Krankheitserregern und Giftstoffen einfacher ist. Zudem entfällt auch das aufwendige Entfernen von Innereien, Haaren und Knochen.[1]

Des Weiteren wäre es durch Gentechnologie möglich, durch verschiedene Modifikationen, den ernährungsphysiologischen Wert des Produkts zu erhöhen. Weitere Ziele sind eine Senkung der Abgasbelastung, da kein für den Treibhauseffekt relevantes Methan entsteht und keine Ausscheidungen, wie sie bei der Massentierhaltung in großen Mengen anfallen.[3]

Die Energiebilanz von In-vitro-Fleisch ist gegenüber der Tierhaltung günstiger, gegenüber pflanzlicher Ernährung aber im Nachteil. Ferner ist der Einsatz von Hochtechnologie im Nahrungsmittelbereich sehr teuer. Mittelfristig angestrebt wird daher, durch Investition in die Forschung preislich mit in Europa und den USA - bislang - stark subventionierten Tierprodukten konkurrenzfähig zu werden. [6]

Literatur

  • Datar I und Betty M: Possibilities for an in vitro meat production system. In: Innovative Food Science and Emerging Technologies. 11, 2010, S. 13–22. doi:10.1016/j.ifset.2009.10.007.
  • M.L.P. Langelaan, KJM. Boonen, R.B. Polak, F.P.T. Baaijens, M.J. Post, D.W.J. van der Schaft: Meet the new meat: tissue engineered skeletal muscle. In: Trends Food Sci Technol. 21, Nr. 2, 2010, S. 59-66. doi:10.1016/j.tifs.2009.11.001.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Patent WO9931222: Industrial Scale Production of meat from in vitro cell cultures.
  2. In-Vitro-Fleisch; Erzeugung von Fleischprodukten via "tissue-engineering"-Technologien
  3. 3,0 3,1 Österreichischer Rundfunk Gewebezüchtung: Fleisch in Labor hergestellt
  4. Rheinsche Post 13. September 2011: Fleisch der Zukunft aus dem Labor
  5. The In Vitro Meat Consortium: Why In Vitro Meat?
  6. Telepolis Ist Laborfleisch das neue Gemüse für Unbelehrbare?

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