Münchner Schotterebene

Die Münchner Schotterebene ist auffallend eben und fällt nur leicht nach Norden ab. Dieses Bild wurde am Ostrand der Gemeinde Kirchheim aufgenommen.

Die Münchner Schotterebene ist ein über mehrere Eiszeiten entstandener Sander. Im Vergleich zu anderen eiszeitlichen Sandern mit kurzen, steilen Übergangskegeln und dem Verlauf durch schmale Täler im Alpenvorland zeichnet sie sich durch ihre sehr weiträumige Ausdehnung aus.

Lage

Die Flusslandschaften von München bis Freising

Die Münchner Schotterebene bildet ein etwa 1.500 km² großes Dreieck. Die ungefähren Eckpunkte sind Weyarn (zwischen Miesbach und Holzkirchen) im Südosten, Moosburg an der Isar im Nordosten und Maisach im Westen. Auch die namensgebende Stadt München und fast der gesamte umgebende Landkreis liegen in der flachen Schotterebene, weshalb die Stadt im Gegensatz zu den sie umgebenden Landkreisen im Norden, Süden und Westen eine sehr gering ausgeprägte Topografie aufweist. Die Ebene fällt nach Nordosten von anfangs rund 700 m über dem Meeresspiegel auf ca. 400 m ab; dies hat entscheidend zur Bildung der großen Dachauer Niedermoore, dem Freisinger Moos und dem Erdinger Moos beigetragen. Die größte Schichtdicke der Schotter beträgt rund 100 m im Münchner Süden; sie nimmt nach Norden ebenfalls ab.

Entstehung

Die Entstehungszeit der Schotterebene erstreckt sich über drei Eiszeiten, die sich noch heute in der Schichtung ausmachen lassen. So finden sich in der untersten Schicht verfestigte Ablagerungen aus der Mindeleiszeit, darüber liegt Schotter aus der Rißeiszeit, der schließlich durch die jüngste Schicht, das Geröll aus der Würmeiszeit, abgelöst wird. Dazwischen liegen Lehmschichten, die aus der jeweiligen Zwischeneiszeit stammen und die zwischenzeitlichen Humusansammlungen repräsentieren. Die eiszeitlichen Schotter liegen den grundwasserstauenden Sedimenten der oberen Süßwassermolasse auf, die lokal als Flinz (Flinzsande, Flinzmergel) bezeichnet werden.
Die Aufschotterung, die im Gegensatz zum Einschneiden vieler Alpenvorlandflüsse und damit einhergehender Terrassenbildung steht, wurde unter anderem durch die Hebung der Landshuter Schwelle bedingt.

Gewässer

Durch den Osten der heutigen Münchner Schotterebene floss einst die Ur-Mangfall noch während der Eiszeit, bevor sie hinter einer würmeiszeitlichen Moräne liegen blieb und nach Osten zum Inn abgelenkt wurde. Zeugnis des ehemaligen Flusslaufes ist das Grub-Harthausener Trockental.

Heute ist die Isar das wichtigste Gewässer der Münchner Schotterebene. Sie teilt die Ebene von Südwest nach Nordost in zwei ungefähr gleiche Hälften. Die Würm fließt, aus dem Landkreis Starnberg kommend, durch den Westen der Münchner Schotterebene. Ein weiteres natürliches Fließgewässer ist der Hachinger Bach.

Grundwassersituation

Die Humusdecke der Münchner Schotterebene (hier bei Kirchheim) ist typischerweise ca. 40 cm dick.

Im Südteil ist die Kiesschicht der grundwasserreichen Münchner Schotterebene sehr dick. Die oberste Grundwasserschicht ist an der Messstelle Haar-Eglfing[1] mehr als 13 m unter Grund, in Kirchheim[2] sind es um die 5 m und am Nordrand der Münchner Schotterebene ist es weniger als 1 m. Der Grundwasserstand war früher noch höher; so war das Erdinger Moos, das nördlich der Gemeinden Aschheim, Kirchheim und Pliening beginnt, einst ein Quellmoor, wo das Grundwasser zu Tage trat. Die Randgemeinden wurden bei starken Niederschlägen im Norden überschwemmt. Dies wurde durch den Abfanggraben Ende des 19. Jahrhunderts beseitigt, allerdings sank dadurch das Grundwasser deutlich ab, so dass in den genannten Gemeinden neue Brunnen gegraben werden mussten.

Die Dicke der Kiesschicht im Süden der Münchner Schotterebene machte es für die sich dort im frühen Mittelalter ansiedelnden Menschen nicht sehr einfach, an das Grundwasser heranzukommen, was aber notwendig war, da es keine Oberflächengewässer gab. Um die dortigen Brunnen siedelten sich Menschen an, und die Orte wurden nach den Eigentümern der Brunnen benannt, so etwa in Putzbrunn (einst Puzzoprunnin nach einem Puzzo), Grasbrunn (Gramasprunnin nach einem Gramas oder Graman) oder Siegertsbrunn (frühe Namensnennungen Sigihartasprunnin nach einem Sigihart).

Wirtschaftliche Bedeutung

Ottobrunn: eine dünne Humusschicht (rechter Bildrand) auf quartärem Schotter
Landwirtschaft auf der Schotterebene bei Ottobrunn

Der nahe unter der Oberfläche liegende Kies lädt zum Abbau ein, so gibt es unter anderem ein Kieswerk bei Aschheim. Auch der Heimstettener See war einst eine Kiesgrube, ebenso wie der Feringasee, dessen Kies beim Bau der Bundesautobahn 99 Verwendung fand, sowie auch der Lerchenauer See.

Tiefbau

Bei Bauarbeiten für die Münchner U-Bahn bildete sich im Schotter ein Hohlraum, in den ein ganzer Linienbus einbrach (Busunglück von Trudering).

Einzelnachweise

  1. Hochwassernachrichtendienst des Bayer. Landesamtes für Umwelt [1].
  2. Hochwassernachrichtendienst des Bayer. Landesamtes für Umwelt [2].

Weblinks

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