Attrappe

Attrappe eines Polizeifahrzeuges an der E 30 in Polen
Training an einem Babydummy

Eine Attrappe ist ein Gegenstand, der Eigenschaften eines Originals nachahmt. Die Attrappe imitiert allerdings nie sämtliche Eigenschaften des Vorbilds (sonst würde sie Nachbildung oder Kopie genannt werden). Sie dient also der Täuschung des Betrachters, indem sie ihm vorgaukelt, ein Original zu sein.

Herkunft des Wortes

Die Bezeichnung Attrappe wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Lehnwort aus dem Französischen ins Deutsche übernommen; l' attrape war im Französischen seit dem 18. Jahrhundert mit der Bedeutung „auf Irreführung abzielender Gegenstand“ für Scherzartikel verwendet worden. Ursprünglich hatte das französische Substantiv „Falle“ bedeutet, abgeleitet vom Verb attraper = fangen, ertappen (auch: jmd. hereinlegen), was wiederum verwandt ist mit dem heute noch gebräuchlichen Substantiv la trappe = die Fallgrube.[1]

Attrappen in der Verhaltensforschung

In der Biologie bezeichnet das Wort Attrappe ein Reizmuster, das in Experimenten der Verhaltensforschung eingesetzt wird. Reagiert ein Tier auf eine Attrappe mit einem bestimmten Instinktverhalten, so wird diese Beobachtung als Beweis dafür interpretiert, dass jene zum Beispiel visuellen oder akustischen Merkmale, die der Attrappe eigen sind, die wesentlichen „Bausteine“ für das angeborene Erkennen einer relevanten Umweltsituation sind. Attrappen können hier also als Schlüsselreize gedeutet werden, die natürlichen, ein bestimmtes Verhalten auslösenden Reizen mehr oder weniger ähneln.

Weitere Beispiele

Diese Baumattrappe wurde von den australischen Truppen in der Schlacht von Messines 1917 als Beobachtungsposten benutzt.
  • Kulissen und Requisiten sind im Theater oder Filmstudio meistens nur Attrappen, wie auch der Schmuck oder die Frisuren der Darsteller.
  • Vogelscheuchen und Greifvogelsilhouetten („Warnvögel“) können als Attrappen aufgefasst werden, da sie Vögel täuschen und von einem bestimmten Platz fernhalten sollen, indem sie die grundlegenden visuellen Eigenschaften eines Menschen oder eines Greifvogels nachahmen.
  • Crashtest-Dummys können bei einem testweise herbeigeführten Autounfall Fahrer und Beifahrer ersetzen.
  • Im Militär werden Attrappen von Fahrzeugen oder Flugzeugen eingesetzt, um den Verlust echter Technik und Menschenleben zu vermeiden bzw. dem Gegner eine größere Schlagkraft vorzugaukeln. Dabei kommen Holzmodelle oder aufblasbare Varianten zum Einsatz. Um die Täuschung auch bei Aufklärung durch Wärmebildkameras aufrechtzuerhalten, werden auch beheizte Attrappen eingesetzt.
  • In der Architektur wird nicht selten mit Attrappen der Eindruck geweckt, es handle sich um ein historisches Gebäude; Türmchen, Fassadenschmuck und gemalte Ornamente vermitteln in so mancher Altstadt Tourismusromantik, während hinter den Fassaden neu erstellte Häuser mit modernem Komfort stehen. Das Disneyland verkörpert in diesem Sinne den Höhepunkt dieser Illusionsindustrie; was angeblich einmal mit den Potemkinschen Dörfern begann, wird dort für zahlende Besucher zu Unterhaltungszwecken nachgeahmt.
  • Die Schönheitsindustrie bietet Attrappen für jeden Geschmack an: Perücken, künstliche Wimpern, implantierte Zähne, farbige Kontaktlinsen und Brusthaartoupets.
  • In der Sicherheitstechnik werden Attrappen oder Leergehäuse von Überwachungskameras, Bewegungsmeldern und Außenblinkanlagen montiert, um Personen abzuschrecken.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Attrappe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Attrappen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Einzelnachweise

  1. Wolfgang Pfeifer (Hrsg.): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 2. Aufl., dtv, München 1993, ISBN 3-05-000626-9, S. 71 f.

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