Bogenfischen

Unter Bogenfischen versteht man das Erschießen beziehungsweise Harpunieren von Fischen und anderen Wassertieren mittels eines Handbogens. Geeignet ist diese Methode insbesondere im flachen Wasser. Geschossen wird meist im Wasser stehend aus ein bis vier Meter Entfernung oder vom Boot aus. Beim Zielen auf den Fisch muss die Lichtbrechung an der Wasseroberfläche berücksichtigt werden (Fische sind nicht genau dort, wo sie gesehen werden, Fische erscheinen größer, als sie sind). Beim Bogenfischen fällt kein Beifang an.

Geschichte

Von der Steinzeit bis zum Beginn der Neuzeit war das Bogenfischen eine ernste Konkurrenz zum Angeln, sowie dem "Speeren" von Fisch, vor allem in der vorchristlichen Zeit wurde es in Europa oft als Nahrungserwerb gebraucht. Heutzutage wird das Bogenfischen (neben dem Speeren) vor allem noch von indigenen Völkern Südamerikas, Australiens, Neu-Guineas und der Südsee praktiziert. Im Westen wird diese Technik fast nur noch von lizenzierten Bogenjägern genutzt, meist auch nur auf Großfische (Hai, Wels, Barramundi), d. h. es gilt heute als Unterkategorie der Bogenjagd.

Material

Dreizackiger Fischpfeil aus Guyana.

Gewöhnlich werden zum Bogenfischen spezielle Fischpfeile angefertigt; normale Sport- Jagd- und Kriegspfeile sind ungeeignet. Die Machart der Pfeile hängt dabei stark von dem Gewässeruntergrund ab, auf welchem die Fische geschossen werden sollen. Die Pfeilschäfte selbst müssen für die kurzen Schussdistanzen nicht besonders sorgfältig gemacht sein, großer Wert muss jedoch auf die Art der Spitze gelegt werden, da diese bei jedem Schuss in den Gewässergrund einschlägt.

Bei steinigem Grund muss die Pfeilspitze solide gemacht sein, um nicht zu schnell abzustumpfen. Der Bogen sollte für diesen Zweck auch kein hohes Zuggewicht aufweisen; 20-30lbs sind mehr als genug, um einen Fisch zu töten. Für diesen Zweck würde ein massiver, vielleicht 1 cm dicker Hartholzpfeil mit eiserner Spitze und Widerhaken verwendet, abgeschossen von einem mäßig starken bis schwachen Bogen.

Auf sandigem Gewässergrund können filigranere Spitzen verwendet werden – hier bieten sich mehrspitzige (Dreizack-ähnliche) Pfeile an, welche die Treffsicherheit erhöhen. Beliebt ist es z. B. einen Bambuspfeilschaft vorne zu vierteilen, die Viertel einzeln anzuspitzen und mit Schnurwicklung genügend weit auseinanderzuspreizen, um einen größeren Trefferradius zu erreichen. Die australischen Aborigines nehmen dafür heute zweckmäßigerweise Regenschirm- oder Fahrradspeichen, welche sie anspitzen und in einen Rohrschaft einsetzen. So kann der Pfeil mit 10 bis 15 dünnen, gespreizten Spitzen eine sehr hohe Treffsicherheit auch bei kleineren Fischen gewinnen. Der Trefferradius beträgt so 10 - 15 cm.

Jagdtechnik

Die Jagdtaktik muss der Fischart und -größe angepasst werden: Großfische werden mit einspitzigen Harpunen-Pfeilen beschossen, welche gewöhnlich an einem Faden zurückgeholt werden können, kleine Fische dagegen werden mit den erwähnten Mehrfachspitzen besser gefangen. Die meisten Fische haben eine zu hohe Fluchtdistanz, sie fliehen sofort, wenn sich der Schütze dem Gewässer nähert. Diese Fische müssen zuerst beobachtet werden, um ihr Versteck ausfindig zu machen. Bachforellen beispielsweise verstecken sich oft schwarmweise unter schlecht einsehbarem Wurzelwerk. Dort können sie durch wiederholtes Hineinschießen auf kurze Entfernung verwundet oder getötet werden, so dass sie stromabwärts treiben (Auffangvorrichtung nötig!) oder am Pfeil aufgespießt sind.

Karpfen wiederum, die in Weihern leben und sehr groß werden, können sich weniger gut verstecken, sondern flüchten in die Tümpelmitte. Von einem erhöhten Aussichtspunkt können sie dort gesehen (und getroffen) werden. Hier würde man zu einem Pfeil greifen, der eine kleine Spitze mit langen Widerhaken (Harpune) trägt, und auf vielleicht 10 Meter treffsicher ist, sowie einen etwas stärkeren Bogen. Der angeschossene Fisch kann dann durch Schwimmen erreicht werden, oder es wird ein stabiler Faden am Pfeil befestigt, der von einer im Bogenfachhandel erhältlichen Spule läuft, und der getroffene Fisch daran herbeigezogen. Auf diese Art kann auch vom Boot aus bogengefischt werden.

Am Meer empfiehlt es sich, bei beginnender Ebbe die Fische vom Meer her zu Fuß/per Boot in eine Bucht oder in flacheres Wasser zu treiben und dort mit mehrspitzigen Pfeilen auf sandigem Grund zu beschießen. Es kann auch vom Boot aus geschossen werden, wenn die Fische über einen hellen Meeresboden schwimmen. Was nicht möglich ist, ist das Bogenschießen durch Taucher unter Wasser, denn der Wasserwiderstand bremst die Wurfarme und die Bogensehne zu stark und der Pfeil wird nicht richtig beschleunigt.

Effektivität

Am effektivsten ist die Bogenfischerei in kleineren Gewässern wie etwa Bächen und Tümpeln, abgeschnittenen Flussarmen, sowie an den Ufern großer Gewässer, da die Fische dort weniger Fluchtmöglichkeiten haben. Die Fangquote des Bogens ist keineswegs schlecht, kann sie doch gleich gut oder besser sein, als jene der einfachen Angel mit Köder. Insbesondere hakenscheue und beißfaule Fische können mit dem Bogen noch erreicht werden; in Großgewässern sind Netze und Angeln aber wesentlich ertragreicher.

In Deutschland und der Schweiz ist die Bogenfischerei (wie auch die Bogenjagd) verboten.

Siehe auch

Weblinks

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