Entacmaea medusivora

Entacmaea medusivora
Systematik
Klasse: Blumentiere (Anthozoa)
Unterklasse: Hexacorallia
Ordnung: Seeanemonen (Actiniaria)
Familie: Actiniidae
Gattung: Entacmaea
Art: Entacmaea medusivora
Wissenschaftlicher Name
Entacmaea medusivora
Fautin & Fitt, 1991

Entacmaea medusivora ist eine Art der Seeanemonen (Actiniaria), die endemisch im Ongeim'l Tketau auf der Insel Eil Malk (Palau) ist. Sie ernährt sich fast ausschließlich von Medusen, der in diesem See häufig vorkommenden Scyphozoe Mastigias cf. papua ssp. etpisoni Dawson, 2005.

Merkmale

Der säulenförmige Körper ist im ausgestreckten Zustand etwa gleicher Dicke über seine gesamte Höhe. Die typische Länge ist etwa 15 mm in der Höhe und etwa 12 mm im Durchmesser. Der Körper kann jedoch stark gestreckt werden, sodass sie die Länge stark vergrößert zuungunsten des Durchmessers. Er ist durchscheinend mit einer nahezu glatten Oberfläche. Die Mesenterien sind als etwas hellere Linien von außen zu erkennen, ebenso die Gonaden und die Mesenterienfilamente. Die Farbe ist etwas abhängig von der aufgenommenen Beute. Sie ist meist bläulich, in Kultur häufig auf pinkfarben bis leicht bräunlich. Die Basis ist meist etwas breiter, ebenso das obere Ende. Die Tentakeln sind meist dünn, farblos und durchscheinend. Die distalen Ende können sich aufrollen. Sie messen etwa 20 bis 25 mm im gestreckten Zustand bei einem Durchmesser von etwa 1 mm an der Basis. Der Mund ist relativ klein (etwa 1 mm bei etwa 10 mm Durchmesser der oralen Scheibe) und kann auf einem kleinen Hügelchen sitzen. Sie besitzen keine Zooxanthellen im Gewebe. Das Cnidom besteht aus Spirocysten, Basitrichen, Holotrichen und mikrobasischen p-Mastigophoren.

Lebensweise und geographisches Vorkommen

Entacmaea medusivora kommt überwiegend im kleinen, nur 5,7 ha Fläche umfassenden Salzwassersee Ongeim'l Tketau auf der Insel Eil Malk des südpazifischen Inselstaates Palau vor. Dieser marine See ist geschichtet und nur die obersten 15 m des bis 30 m tiefen Sees sind durchlüftet. Der See ist max. 11000 Jahre alt, denn er entstand durch die Füllung einer ca. 60 m tiefen Senke im Karstgestein der Insel durch den steigenden Meeresspiegel seit der letzten Eiszeit. Es erscheint daher nicht unwahrscheinlich, ähnlich den drei auf Palau heimischen Unterarten von Mastigias cf. papua, dass die Art erst in dieser Zeit entstanden ist.

Mastigias cf. papua ssp. etpisoni Dawson, Ongeim'l Tketau

Entacmaea medusivora ist auf die Uferbereiche des Sees bis in etwa 5 m Tiefe beschränkt. Sie ernährt sich dort fast ausschließlich von Medusen, der in diesem See massenhaft vorkommenden Unterart Mastigias cf. papua ssp. etpisoni Dawson, 2005. Unter experimentellen Bedingungen wurden auch Weichtiere (Mollusca) und Krebstiere (Crustacea) als Nahrung akzeptiert. Bemerkenswert ist dabei, dass die Hauptbeutetiere von Entacmaea medusivora die Medusen von Mastigias cf. papua ssp. etpisoni Dawson, 2005 viele Zooxanthellen in ihrem Schirm enthalten, die die Tiere mit Nährstoffen versorgen. Einige Seeanemonen, die sich ebenfalls von Medusen ernähren, übernehmen nun die Zooxanthellen der Beute in ihren Körper. Im Falle von Entacmaea medusivora werden diese jedoch komplett verdaut; die Tiere leben ohne Zooxanthellen. Ein zweites Vorkommen ist aus einem anderen "Quallensee" von der Insel Koror bekannt, wo die Tiere jedoch in weit geringerer Dichte als im Ongeim'l Tketau leben.

Unter experimentellen Bedingungen zeigen die Tiere keine Verhaltensänderungen bei Salzgehalten, die bis auf 17 ‰ abgesenkt werden. Sie überleben problemlos auch noch niedrigere Salzgehalte (bis etwa 10 bis 12 ‰). Sie sind auch sehr tolerant gegen niedrige Sauerstoffgehalte im Wasser.

Der Fortpflanzungszyklus ist bisher auch nicht vollständig bekannt. Bisher wurde Teilung oder Abschnürung des Fußes nicht beobachtet. Unter Laborbedingungen wurde beobachtet, dass große Exemplare von Zeit zu Zeit Planula-ähnliche Larven ins freie Wasser entlassen. Es ist allerdings nicht bekannt, ob diese sexuell oder ev. asexuell produziert worden sind.

Literatur

  • Daphne Gail Fautin und William K. Fitt: A jellyfish-eating sea anemone (Cnidaria, Actiniaria) from Palau: Entacmaea medusivora sp. nov. Hydrobiologia, 216/217: 453-461, Dordrecht 1991 Abstract

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

06.05.2021
Anthropologie | Ethologie
Ältestes menschliches Begräbnis in Afrika
Eine neue Studie berichtet über die älteste bekannte Bestattung eines modernen Menschen in Afrika.
05.05.2021
Ethologie | Evolution
Verhaltensänderungen beim Eis-Essen
Wie Lernen und Evolution zusammenhängen, erforschen die Verhaltenswissenschaften seit über 100 Jahren. Bisher ohne allgemeingültige Antwort.
04.05.2021
Botanik | Klimawandel | Biodiversität
Klimawandel: Weniger Niederschläge, weniger Pflanzenvielfalt
Wasser ist in vielen Ökosystemen der Erde ein knappes Gut und dieser Mangel dürfte sich im Zuge des Klimawandels weiter verschärfen.
04.05.2021
Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Auf der Kippe: Brasiliens Küstenregenwald
Wissenschaftler haben den Einfluss der aktuellen Landnutzung auf die Vogel- und Amphibienwelt des Atlantischen Regenwalds im südöstlichen Brasilien untersucht.
01.05.2021
Mykologie | Genetik | Taxonomie
Millionen winziger Pilzarten bisher ohne Namen
Millionen kleiner Pilzarten haben noch keine Namen, darunter auch Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen.
01.05.2021
Biodiversität | Meeresbiologie
Enorme Artenvielfalt in der Tiefsee
Die Tiefseebecken im Atlantischen und Pazifischen Ozean weisen einzigartige Artengemeinschaften auf, die durch wirtschaftliche Nutzung bedroht sind. Ein neues Forschungsverfahren kombiniert unterschiedliche Datentypen.
01.05.2021
Klimawandel | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Baumplantagen tragen nur bedingt zum Schutz der Biodiversität bei
Künstlich angelegte Baumplantagen sollen helfen, den Verlust naturbelassener Wälder auszugleichen, tragen aber nur bedingt zum Schutz der Biodiversität bei.
01.05.2021
Ökologie | Klimawandel | Biodiversität
Verlust der Tierwelt in tropischen Wäldern
Eine neue Untersuchung betrachtet den Zusammenhang zwischen zunehmend tierleeren Tropenwäldern und den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung.
01.05.2021
Anatomie | Meeresbiologie
Die faszinierende Innenwelt des Meereswurms
Der Meereswurm Ramisyllis multicaudata lebt in den inneren Kanälen eines Schwammes.