Entamoeba histolytica

Entamoeba histolytica
Entamoeba histolytica

Entamoeba histolytica

Systematik
ohne Rang: Amorphea
ohne Rang: Amoebozoa
ohne Rang: Archamoebae
ohne Rang: Entamoebidae
Gattung: Entamoeba
Art: Entamoeba histolytica
Wissenschaftlicher Name
Entamoeba histolytica
Schaudinn, 1903

Entamoeba histolytica ist ein einzelliger Parasit, den man den Entamoebidae zurechnet. Er ist der Verursacher der Amöbenruhr, befällt vor allem den Menschen und unter experimentellen Bedingungen auch andere Säugetiere.

Merkmale

Die erste bedeutende wissenschaftliche Arbeit über die Ruhr war Johann Georg Zimmermanns Von der Ruhr unter dem Volke im Jahr 1765, und denen mit derselben eingedrungenen Vorurtheilen, nebst einigen allgemeinen Aussichten in die Heilung dieser Vorurtheile (Zürich 1767).

Sie gehört zu den Amöben und hat daher kein „festes“ Aussehen, die Fortbewegung geschieht über Pseudopodien (Scheinfüßchen), die aus der Zelle ausgestülpt werden. Die Minuta-Form wird bis zu 5 Mikrometer und die Magna-Form bis zu 50 Mikrometer groß. Es werden Zysten mit einer Größe von 15 Mikrometer gebildet.

Lebenszyklus

Lebenszyklus von Entamoeba histolytica

Die Amöben gelangen als Zysten in den Dünndarm, dort schlüpft ein Vier-Kern-Stadium, diese wiederum besiedelt den Dickdarm und teilt sich dort in acht Trophozoiten. Diese bilden in den meisten Fällen eine Kommensale mit dem Wirt[1]. Die Trophozoiten scheiden Zysten ab, die den Darm mit den Faeces verlassen. Es kommt zu einer Ausscheidungsmenge von bis zu 45 Millionen Zysten pro Tag.

Schadwirkung

Zwei Formen können unterschieden werden, die Minuta- und die Magna-Form. Minuta-Formen leben im Dickdarm des Wirts und rufen meist Durchfälle hervor, die jedoch von selbst abheilen. Die Magna-Formen hingegen dringen aktiv ins Dickdarmgewebe ein und lösen es auf. Gelangen sie auf diese Weise in den Blutstrom, so siedeln sie sich vermehrt in inneren Organen an und rufen dort Abszesse hervor. Jedoch bilden nur die Minuta-Formen Zysten aus und werden so zum nächsten Wirt weitergetragen, die Magna-Formen verbleiben im ursprünglichen Wirt.

Die von E. histolytica hervorgerufene Krankheit bezeichnet man als Ruhr, genauer Amöbenruhr beziehungsweise Amöbiasis. Durch Gewebe auflösende Verdauungssekrete verursachen sie dabei eitrige Darmgeschwüre, die aufbrechen können.

Die Folge können Unterleibsschmerzen, geleeartiger Durchfall, Bauchfellentzündungen und Abszesse der Leber sein. Unbehandelt kann die Krankheit durch Austrocknung (Exsikkose) zum Tod führen. Oft bricht die Krankheit erst Jahre oder Jahrzehnte nach der Infektion aus.

Verbreitung

Entamoeba histolytica ist weltweit verbreitet und besonders in Gebieten mit schlechten hygienischen Zuständen, im Abwasser oder in verschmutztem Trinkwasser anzutreffen. Ausbrüche werden im Anschluss an Katastrophen verzeichnet, wenn nur ungenügend reines Trinkwasser zur Verfügung steht. Auch Fehler im Abwassersystem können Amöbenruhr hervorrufen, so wurden beispielsweise bei der Weltausstellung 1933 in Chicago über 1.000 Fälle mit 58 Toten beobachtet, verursacht durch ein Übertreten von Abwässern in die Trinkwasserversorgung.

Weiter verbreitet ist Entamoeba dispar, eine Art, die früher zu Entamoeba histolytica gestellt wurde. Sie bildet keine Magna-Formen aus, und ist optisch von der Minuta-Form von Entamoeba histolytica nicht zu unterscheiden. Sie ruft meist nur Durchfälle hervor, die von selbst abklingen. [2].

Einzelnachweise

  1. Blessmann J, Ali IK, Nu PA, Dinh BT, Viet TQ, Van AL, Clark CG, Tannich E., Longitudinal study of intestinal Entamoeba histolytica infections in asymptomatic adult carriers.: PMID 14532214
  2. Clark CG. Diamond LS., The Laredo strain and other 'Entamoeba histolytica-like' amoebae are Entamoeba moshkovskii.: PMID 1677159

Weblinks

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