Eiter

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Eitrige Bindehautentzündung
Eine umkapselte Eiteransammlung (Abszess)

Eiter (lat. pus; pyogen = eiterbildend) ist ein typischerweise gelbliches Exsudat, das im Rahmen einer zellulären Entzündungsreaktion im Körper von Wirbeltieren entsteht. Von den Abwehrzellen spielen vor allem die neutrophilen, polymorphkernigen Leukozyten eine zentrale Rolle. Meist entsteht diese Form einer Entzündung als Reaktion auf eine bakterielle Infektion. Es gibt jedoch auch nicht-infektiös verursachten Eiter, wie beispielsweise bei der Psoriasis pustulosa.[1]

Beschaffenheit

Eiter hat eine unterschiedliche Viskosität (von dünnflüssig bis dick) und unterschiedliche Farben (von blassgelb bis grün und – im Falle von Pseudomonas-Infektionen – blaugrün). Auch der Geruch hängt von der beteiligten Bakterienart ab; bei Infektionen mit E. coli beispielsweise riecht der Eiter nach Fäkalien.

Eine abgekapselte Ansammlung von Eiter im Gewebe wird als Abszess bezeichnet, eine Eiteransammlung in Körperhöhlen als Empyem. Bei Auftreten in der Brusthöhle wird von einem Pleuraempyem oder Pyothorax, in Gelenken von einem Pyarthros, beim Nierenbecken von einer Pyonephrose gesprochen. Die umgangssprachliche Bezeichnung „Eiterbeule“ kann sowohl für einen eingeschmolzenen Lymphknoten, einen Abszess, aber auch für einen Furunkel, einen Karbunkel, als auch für einen Schweißdrüsenabszess (Hidradenitis suppurative, eine Akne inversa) stehen.

Pathogenese

Die Einschmelzung des Gewebes erfolgt dabei durch Einwirkung von proteolytischen Enzymen, die von den Leukozyten oder – im Fall einer infektiösen Ursache – von den pyogenen Erregern gebildet werden.

Beispiele purulenter Erkrankungen

  • oberflächlich (Haut):
  • an den Extremitäten (Gliedern):
    • Finger, Fingersehnen: Panaritium
    • Gewebespalten: Phlegmone
    • Gelenke: Empyem, Pyarthros.
  • überall im Körper:
    • Abszess
  • Körperhöhlen:
    • Empyem und spezifische Benennungen, wie eitrige Peritonitis, eitrige Pleuritis
  • purulente Organerkrankungen:
  • von Schleimhäuten:
    • Blennorrhoe

Prinzipien der Behandlung

Nahezu immer sollte angestrebt werden, eine Eiteransammlung zu entlasten, so dass das Sekret abfließen kann. „Ubi pus, ibi evacua“ – „Wo Eiter ist, dort entleere ihn“ – dieser Leitsatz von Hippokrates von Kos hat v.a. im Kiefer- und Gesichtsbereich eine besondere Bedeutung, wo durch die Verbindung der dortigen Venen mit jenen des Gehirns die Gefahr einer Hirnvenenthrombose (Sinus-cavernosus-Thrombose) droht; siehe Furunkel.

Neben den üblichen Verfahren der septischen Chirurgie – Spalten eines Abszesses, Einlegen einfacher Drainagen – verwendet man Spül-Saug-Drainagen, um eine Wundhöhle zu reinigen. Beim vereiterten Knochen (Osteomyelitis) wurden sogar Ketten aus nicht resorbierbaren Gentamicin-haltigen Kunststoffperlen in die Höhlung gebracht, die man zu einem späteren Zeitpunkt wieder ziehen musste.

Die Anwendung von Antibiotika beim fortgeschrittenen Furunkel oder bei einem Abszess im Muskel- oder Fettgewebe, der durch einen Granulationswall vom Körper abgeschottet ist, hat meistens keinen heilenden Effekt und wird als nutzlos angesehen. Das Medikament dringt gar nicht in die Eiterung ein. Bei anderen Eiterungen hingegen, wie Phlegmonen, Empyemen und anderen ist die Situation anders; hier fürchtet man die septischen Begleiterscheinungen. Bei multiplen kleinen Leberabszessen ist die alleinige Langzeitgabe von wirksamen Antibiotika einer Operation sogar vorzuziehen, weil so in vielen Fällen Heilung beobachtet wurde. Bei der Anwendung ist zwischen lokaler Applizierung, z. B. als Pulver oder Salbe, und systemischer Gabe der Antibiotika zu unterscheiden. Mit systemischer Gabe ist die Aufnahme in den Blutkreislauf über den Magen-Darm-Trakt oder die Infusion gemeint. Das Medikament wirkt danach überall im Körper, auch im Bereich der Wunde.

Pyogene Keime können wie alle Erreger eine Antibiotikum-Resistenz entwickeln und diese an andere Keime weitergeben. Durch Konzentration von Kranken (Keimbelastung) einerseits und die oft zu großzügige und ungezielte Antibiotikatherapie (Entwicklung von Resistenz ohne vorherige Keimtestung) im Krankenhaus fürchtet man hier die Selektion hauseigener multiresistenter Problemkeime, die resistent gegen fast alle verfügbaren Antibiotika sind. Man spricht dabei vom „infektiösen Hospitalismus“. Die allgemeine Strategie seiner Bekämpfung ist simpel, aber verständlicherweise nicht immer erfolgreich: Beispielhafte Hygiene und sparsame, sinnvolle (nur indizierte) und laufend bezüglich der Effektivität überprüfte Antibiotikaverordnung.

Historisches

In der Medizin des 19. Jahrhunderts gab es den Begriff des pus bonum et laudabile, des guten und lobenswerten Eiters. Gemeint war hier der sogenannte reine, rahmig-gelbe Staphylokokken-Eiter, ohne den eine Wundheilung damals nicht stattfand.

Einzelnachweise

  1. Böcker W, Denk H, Heitz PU, Moch H (Hrsg.). Pathologie. 4. Aufl. 2008. Elsevier Urban & Fischer, ISBN 978-3-437-42382-6.

Weblinks

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Anthropologie | Mikrobiologie
Gesundheitsrisiko Brille?
Kann ich mich an meiner eigenen Brille anstecken? Und wie sollte ich sie reinigen, um eine Infektionsgefahr gering zu halten? Brillen kommen häufig mit Händen und Haut in Berührung – doch über die mikrobielle Besiedlung dieser Alltagsgegenstände ist bislang kaum etwas bekannt.
22.11.2018
Zytologie
Weitere Einblicke in die Mechanismen gesunden Alterns beim Fadenwurm
Welche Mechanismen sorgen dafür, dass wir gesund altern? Wissenschaftler vom IUF und der HHU in Düsseldorf untersuchen das im Fadenwurm, einem in der Alternsforschung etablierten Organismus.
19.11.2018
Ökologie | Toxikologie
Ozeanversauerung begünstigt Massenvermehrung giftiger Algen
Steigen die Kohlendioxid-Konzentrationen in der Atmosphäre und folglich auch im Ozean weiter an, könnte dies die massenhafte Vermehrung toxischer Algen begünstigen, mit weitreichenden Folgen für das Nahrungsnetz im Meer.
08.11.2018
Botanik | Genetik
Epigenetische Veränderungen für die Pflanzenzucht nutzen
Durch epigenetische Veränderungen entstehen neue Eigenschaften, ohne dass die Gensequenz verändert wird.
22.10.2018
Physiologie | Primatologie
Bonobos: Menschenaffen mit hohen Tönen
Wie groß ein Tier oder eine Person ist, kann man in der Regel nicht nur sehen, sondern auch hören, denn mit steigender Körpergröße nimmt die Tonhöhe ab.
04.10.2018
Biochemie | Vogelkunde | Primatologie
Chemische Kommunikation mit „Samentaxis“: Der Duft reifer Früchte lockt Lemuren an
Auf Madagaskar sind Lemuren als Samenausbreiter gefragt.
02.10.2018
Zoologie | Genetik
Giraffenbabys erben Fleckenmuster von ihren Müttern
Das typische Giraffenmuster wird von der Mutter an das Baby weitervererbt.
28.09.2018
Ökologie | Meeresbiologie
Wie in der Tiefsee ein Filter für Treibhausgas entsteht
Gut Ding will Weile haben, das gilt auch und gerade in der Tiefsee.
21.09.2018
Ethologie | Ökologie
Lichtverschmutzung macht Fische mutig
Künstliches Licht in der Nacht macht Guppys am Tage risikobereiter, so das Ergebnis eines Verhaltensexperiments von Forschern des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und des Max-Planck Instituts für Bildungsforschung.
31.08.2018
Zoologie | Genetik | Evolution
„Frühkindliche Erfahrungen“ beeinflussen Arbeitsteilung bei Ameisen
Biologen der Universität Regensburg erforschen genetisch identische „Arbeiterinnen“ mit unterschiedlichem Background
30.08.2018
Botanik | Zoologie | Ökologie | Neobiota
Eingeschleppte Arten bedrohen Tiere und Pflanzen auf isolierten Inseln
Je weiter eine Insel vom Festland entfernt ist, desto mehr vom Menschen eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten beherbergt sie.
29.08.2018
Evolution | Insektenkunde
Ameisen-Studie gibt Hinweis zur Evolution sozialer Insekten
Bei der Entwicklung von Königinnen und Arbeiterinnen sticht ein Gen besonders hervor
28.08.2018
Klimawandel | Biodiversität | Neobiota
Biologische Globalisierung bedroht entlegene Inseln
Anzahl an Neobiota auf Inseln steigt mit der Entfernung zum Festland Je weiter eine Insel vom Festland entfernt ist, desto weniger heimische Tier- und Pflanzenarten, aber desto mehr vom Menschen eingeschleppte Arten – sogenannte Neobiota – beherbergt sie.
24.08.2018
Zoologie | Ökologie
Neue Quallenart im Nord-Ostsee-Kanal
Eine neue Quallenart hat sich im Nord-Ostsee-Kanal etabliert.
24.07.2018
Zoologie | Ökologie
Viel Lebensraum für Braunbären in Europa
Große Chance für europäische Braunbären: Eine neue Studie unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) zeigt, dass es in Europa viele Gebiete gibt, in denen keine Bären mehr leben, die sich aber grundsätzlich wieder als Lebensraum eignen würden.
19.07.2018
Neurobiologie
LC10: Die Nervenzelle zum Erkennen und Umwerben von Fliegenweibchen
Viele Tiere können mit ihren Augen bewegte Objekte wahrnehmen, lokalisieren und verfolgen.
19.07.2018
Ethologie | Ökologie | Primatologie
Mangaben-Affen profitieren davon, dass Schimpansen und Schweine harte Nüsse knacken können
Ein internationales Forscherteam um Karline Janmaat von der Universität Amsterdam und dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig beschreibt erstmals, dass sich Mangaben-Affen, Perlhühner und Eichhörnchen energiereiche Nussreste sichern, die Schimpansen und Flussschweine nach dem Nussknacken zurücklassen.
19.07.2018
Anthropologie | Biochemie
Warum starke Schmerzmittel ihre Wirkung verlieren
Ein internationales Wissenschaftlerteam aus Jena, Sydney, Melbourne und Marburg hat weitere molekulare Details der Toleranzentwicklung gegen Opiate aufklären können.
18.07.2018
Genetik | Biochemie
Neue Erkenntnisse zur Replikation
Die Fähigkeit zur Weitergabe von genetischer Information ist eine Grundvoraussetzung für das Leben.
19.06.2018
Ökologie | Biodiversität
Was die Ausbreitung von Arten in der Natur beschränkt
Ist der Himmel die Grenze? Was hindert eine Spezies daran, sich an eine immer größere Vielfalt von Lebensbedingungen anzupassen und sich geographisch immer weiter auszubreiten? Die Biomathematikerin Jitka Polechov, Elise-Richter-Stipendiatin an der Universität Wien, klärt in einem Artikel in der Fachzeitschrift PLoS Biology, wieso das Verbreitungsgebiet einer Spezies begrenzt ist.
18.06.2018
Zoologie | Genetik | Klimawandel
Brutpflege-Gen steuert Arbeitsteilung bei Ameisen
Der Erfolg von Ameisenstaaten beruht auf einer klaren Arbeitsteilung.
10.05.2018
Mykologie | Zoologie | Genetik
Amphibien-Killer-Pilz stammt aus Asien: Genetische Untersuchungen klären Herkunft
Der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis, von Experten kurz „Bd“ genannt, dezimiert Amphibienbestände in der ganzen Welt.
19.04.2018
Ökologie | Biodiversität
Wissenschaftler warnen: Biodiversität in Europa weiter rückläufig
Leuphana-Professorin an Studie des Weltbiodiversitätsrates beteiligt
05.04.2018
Zoologie | Genetik | Evolution
Walverwandtschaften: Blauwal-Erbgut enthüllt Paarung über Artgrenzen hinweg
Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, der Goethe-Universität und der Universität Lund haben erstmals das komplette Erbgut des Blauwals sowie drei weiterer Furchenwalarten entziffert.
04.04.2018
Paläontologie | Evolution
Mit dem Vierten sieht man besser: Vieräugiges fossiles Reptil entdeckt
Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team den Nachweis für eine vieräugige Echse erbracht.
10.03.2018
Botanik | Biodiversität
Entwaldung in den Tropen
Die Tropenwälder rund um den Globus beherbergen eine große Artenvielfalt und sind ein wichtiger Kohlenstoffspeicher.
26.06.2016
Paläontologie
Bisher unbekannte weltweite ökologische Katastrophe aufgedeckt
In der Erdgeschichte kam es mehrmals zu einem Massenaussterben mit entsprechenden Konsequenzen für die Umwelt.
13.12.2015
Genetik | Taxonomie
Forscher der Universität Hamburg klären Herkunft der Bänderschnecken-Arten
Zu der Gattung der Bänderschnecken (Cepaea) wurden bisher vier Arten gerechnet.
18.11.2015
Genetik | Ökologie
Evolutionsökologie: Hybride Artbildung ermöglichte sprunghafte Nischenerweiterung bei Wechselkröten
Wenn Tiere „aus der Art schlagen“, können sie neue ökologische Nischen erobern.

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Ältestes menschliches Begräbnis in Afrika
Eine neue Studie berichtet über die älteste bekannte Bestattung eines modernen Menschen in Afrika.
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Verhaltensänderungen beim Eis-Essen
Wie Lernen und Evolution zusammenhängen, erforschen die Verhaltenswissenschaften seit über 100 Jahren. Bisher ohne allgemeingültige Antwort.
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Klimawandel: Weniger Niederschläge, weniger Pflanzenvielfalt
Wasser ist in vielen Ökosystemen der Erde ein knappes Gut und dieser Mangel dürfte sich im Zuge des Klimawandels weiter verschärfen.
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Auf der Kippe: Brasiliens Küstenregenwald
Wissenschaftler haben den Einfluss der aktuellen Landnutzung auf die Vogel- und Amphibienwelt des Atlantischen Regenwalds im südöstlichen Brasilien untersucht.