Flügelfruchtgewächse

Flügelfruchtgewächse
Dipterocarpus retusus, Illustration

Dipterocarpus retusus, Illustration

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Flügelfruchtgewächse
Wissenschaftlicher Name
Dipterocarpaceae
Blume
Shorea roxburghii

Die Flügelfruchtgewächse (Dipterocarpaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Malvenartigen (Malvales). Fossilfunde sind mindestens seit dem Tertiär vorhanden: Zum Beispiel Anisopteroxylon und Dryobalanoxylon aus Fundstätten in den zentralen Ebenen von Myanmar in Birma (Mittleres Miozän). Nachdem im Norden Indiens (Provinz Gujarat) rund 50 Millionen Jahre alter Bernstein gefunden wurde, der auf Harz von Flügelfruchtgewächsten zurückgeführt wird, muss davon ausgegangen werden, dass zumindest im Norden Indiens ausgedehnte Flächens bereits im Eozän mit Bäumen aus dieser Familie bedeckt gewesen sind[1].

Beschreibung

Es sind meist immergrüne Bäume, manche Arten werfen während der Trockenzeit einen Teil ihrer Blätter ab. Manche Arten sind sehr harzhaltig. Es gibt kleine Bäume, aber einige Arten sind in den asiatischen Tieflandregenwäldern die größten Bäume. Typisch für die meisten Arten ist ihr hoher gerader, (mindestens bis 10 m Höhe) unverzweigter Stamm. Oft ist die Rinde rissig. Nebenblätter (Stipeln) sind vorhanden (bei manchen Arten schnell abfallend). Die wechselständigen, gestielten Laubblätter sind einfach, ganzrandig und ledrig.

Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind fünfzählig; sie sind meistens groß. Pro Blüte gibt es je fünf Kelch- und Kronblätter, meistens 15 (5 bis 110) Staubblätter und zwei bis drei verwachsene (synkarpe) Fruchtblätter. Der Fruchtknoten ist oberständig, jedes Fruchtknotenfach enthält zwei bis vier Samenanlagen. Es werden einsamige Schließfrüchte mit holzigem Perikarp (Nüsse) ausgebildet. Die Kelchblätter bleiben bis zur Fruchtreife erhalten, oft vergrößern sich zwei bis alle fünf während der Reife. Die Früchte sind von den zumeist zwei bis fünf vergrößerten Kelchblättern umhüllt, sie sind die typischen langen Flügel (Namen der ganzen Familie!).

Die Bäume bilden die typischen Brettwurzeln, wie sie bei vielen Tropenbäumen zu finden sind. Manche Arten bilden die oberste Etage der Regenwälder, der untere Teil der Stämme hat selten Zweige, an ihrer Spitze bilden sie meist nur eine spärliche Krone aus. Die Bestäubung erfolgt meist durch Insekten.

Nutzung

Arten dieser Familie dominieren die ursprünglichen asiatischen Regenwälder. Sie bilden Hartholz (auch bekannt als Keruing). Diese Arten sind der Hauptgrund für den Raubbau in den Indo-Malayischen Urwäldern. Ihr Holz macht zum Beispiel 85 % des indonesischen Holzexports aus. Man ist bemüht mit diesen Arten wieder aufzuforsten.

Nutzung des oft reichlich produzierten Harzes (in Borneo wird es als „damar“ bezeichnet). Es dient zum Beispiel zum Färben bei Batik und als Bindemittel für wasserlösliche Farben. Dammaharz aus der südasiasischen Art Vateria indica liefert Rohstoff für Bindemittel in Lacken und Firnissen, Einbettungsmittel für mikroskopische Präparate und für Pflaster.

Gurjunbalsam und Gurjunbalsamöl wird gewonnen aus Flügelfruchtbaum-Arten (Dipterocarpus), andere Namen für die Produkte sind: Gardjan- oder Gardschan-Balsam, Ostindischer Kopaivabalsam, Balsamum Gurjunae, Balsamum Copaivae ostindicum, Balsamum Capivi, Balsamum Dipterocarpi, Balsamum Garnae. Man erzeugt eine Höhlung im Stamm des Baumes und zündet darin ein Feuer an. Hierdurch wird das Ausfließen von Gurjunbalsam angeregt. Es ist ein Rohstoff für Parfüm.

Ökologie

Dipterocarpaceen- Wälder auf Borneo (F) weichen Ölpalmenpflanzungen (G) mit irreversiblen Folgen (H).

Mastjahre sind ein Phänomen, das bei Arten dieser Familie, allerdings auch in anderen Baum-Familien auftritt. Bäume einer Art blühen gleichzeitig und produzieren über einige Monate Früchte. Das hat weitreichende Folgen für das Ökosystem, denn zu dieser Zeit vermehren sich auch die bestäubenden Insekten rasant, die ihrerseits die Nahrungsquelle für andere Tiere bilden. Auch die Früchtefresser vermehren sich. In den folgenden Jahren werden keine oder nur sehr wenige Früchte gebildet. Der Vorteil für die Pflanzen ist, dass zwar die Früchtefresser sich sättigen aber trotzdem durch die hohe Zahl genug Samen und Sämlinge übrig bleiben, die das Überleben der Art sichern. Es ist bekannt, dass dieses Phänomen durch die ENSO-Ereignisse (El Niño / Southern Oscillation) ausgelöst wird. Durch das Abholzen der alten fruchtenden Bäume ist dieser Teil des Ökosystems nicht mehr intakt.

Zum Beispiel sind in Höhenlagen von 0 bis etwa 750 Meter die Tiefland-Dipterocarpaceen-Mischwälder die artenreichsten und ökologisch komplexesten Wälder Bruneis, 13 bis 24 % der Bäume sind darin Dipterocarpaceen-Arten. [2]

Verbreitung

Sie haben eine überwiegend paläotropische Verbreitung, seltener kommen sie in der Neotropis vor. Einen Schwerpunkt der Artenvielfalt haben sie im indo-malaysischen Raum.

Systematik

Die Familie der Dipterocarpaceae wurde 1825 durch Carl Ludwig Blume in Bijdragen tot de flora van Nederlandsch Indië, S. 222 aufgestellt. Ein Synonym für Dipterocarpaceae Blume ist Monotaceae Kosterm. [3].

Die Familie der Flügelfruchtgewächse (Dipterocarpaceae) wird gegliedert in drei Unterfamilien und 17 Gattungen mit 680 Arten [4]:

  • Unterfamilie Dipterocarpoideae Burnett: Mit 13 Gattungen und etwa 650 Arten im indo-malaysischen Raum:
    • Anisoptera Korth.: Mit etwa zehn Arten. Von einigen Arten wird das Holz unter dem Handelsnamen Krabak genutzt.
    • Cotylelobium Pierre: Mit sechs Arten.
    • Zweiflügelfruchtbäume, Flügelfruchtbäume (Dipterocarpus C.F.Gaertn.): Mit etwa 70 Arten in Südostasien.
    • Dryobalanops C.F.Gaertn.: Mit sieben Arten.
    • Hopea Roxb.: Mit etwa 105 Arten.
    • Neobalanocarpus P.S.Ashton: Ist eine monotypische Gattung auf der Malaiischen Halbinsel:
      • Neobalanocarpus heimii (King) P.S.Ashton
    • Parashorea Kurz: Mit etwa 15 Arten.
    • Shorea Roxb. ex C.F.Gaertn.: Mit etwa 200 bis 360 Arten.
    • Stemonoporus Thwaites
    • Upuna Symington: Ist eine monotypische Gattung auf Borneo.
    • Vateria L.
    • Vateriopsis F.Heim
    • Vatica L.: Mit etwa 60 Arten.
Blüten von Monotes kerstingii.
  • Unterfamilie Monotoideae Gilg: Mit drei Gattungen und etwa 30 Arten, in Afrika, Madagaskar und Südamerika:
    • Monotes A.DC.: Mit etwa 26 Arten.
    • Marquesia Gilg
    • Pseudomonotes A.C.Londoño, E.Alvarez & Forero: Ist eine monotypische Gattung im kolumbischen Amazonastiefland.
  • Unterfamilie Pakaraimoideae Maguire, Ashton & de Zeeuw: Es ist ein monotypisches Taxon mit nur der einen Art:
    • Pakaraimaea Maguire & P.S.Ashton:
      • Pakaraimaea roraimae: Heimat ist das Guyana-Hochland in Südamerika.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Beitrag in scinexx über Bernstein aus Gujarat
  2. Ludwig Kammesheidt: Die Dipterocarpaceen-Wälder Südostasiens. Ökologie, Nutzung und Zukunft eines einzigartigen Naturerbes. Naturwissenschaftliche Rundschau, 60(6), 2007, S. 285-292. ISSN 0028-1050
  3. Eintrag bei GRIN.
  4. Eintrag bei GRIN.

Weblinks

 Commons: Flügelfruchtgewächse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

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