George Evelyn Hutchinson

George Evelyn Hutchinson (* 30. Januar 1903 in Cambridge; † 17. Mai 1991 in England) war ein englischer Limnologe und Ökologe.

Er lebte und arbeitete bis kurz vor seinem Tod in den USA. Er gilt im englischsprachigen Raum als der „Vater der modernen Limnologie“ und auch als „Vater der Ökologie“.

Hutchinson besuchte die Gresham's School in Norfolk.

Er begann seine wissenschaftliche Laufbahn mit einer Untersuchung von Wasserinsekten, entwickelte sich dabei aber zunächst zu einem Physiologen. Mit einem Rockefeller-Stipendium ging er 1925 nach Neapel in Italien und untersuchte Hormonwirkungen auf die Entwicklung von Fröschen. Im gleichen Jahr nahm er einen Lehrauftrag für Zoologie in Witwatersrand an. Dort arbeitete er über die Systematik von Schnabelkerfen, kam mit anthropologischen Arbeiten in Afrika in Berührung und beteiligte sich schließlich an einer ökologisch orientierten Studie über dortige Seen und Pfannen. 1928 erhielt er eine postdoctoral fellowship an der Yale University, der er von nun an bis zu seinem Tod angehörte. Er beschäftigte sich seit dieser Zeit intensiv mit der Literatur über Binnengewässer und über die Ökologie von Tieren sowie mit den damaligen Ideen über die funktionelle Struktur von Organismengemeinschaften. Er selbst sah sich von da an als einen Limnologen. 1931/32 nahm er an der großen Indien-Expedition der Yale-University teil.

Von nun an widmete sich Hutchinson allen Aspekten der Gewässer und vereinigte die Sichtweise der verschiedenen Naturwissenschaften auf die Betrachtung dieses Gegenstandes. Seine Arbeiten konzentrierten sich zunächst auf die physikalischen und chemischen Aspekte der Seen und nahmen dann zunehmend biologische Aspekte mit herein, die Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und den chemischen Verhältnissen im Gewässer, und schließlich Aspekte der evolutionären Ökologie. In diesem Zusammenhang entwickelte Hutchinson das Konzept der ökologischen Nische, das heute zu den Grundkonzepten der Ökologie gehört und auch in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist.

Hutchinson erstellte ab 1957 ein umfassendes Lehrwerk der Limnologie, den „Treatise on Limnology“, dessen letzter Band noch postum 1993 erschien. In seiner Themenfolge bildet sich der wissenschaftliche Weg des Autors ab.

Auf Hutchinson geht ein reichhaltiger Stammbaum von bekannten Ökologen und Limnologen weltweit zurück, die bei ihm promovierten bzw. bei einem seiner Schüler. Zu seinen unmittelbaren Schülern gehören W.T.Edmondson, Raymond Laurel Lindeman, E.S.Deevey, J.Shapiro, E.A. McLaren (mit seinem Schüler Heinz Löffler in Wien), Howard T. Odum, L.B.Slobodkin, J.R.Vallentyne, F.E.Smith und P.H.Klopfer, J.L.Brooks (mit seinem Schüler Jürgen Jacobs in München), um nur die bekanntesten zu nennen.

Schriften

  • A treatise on limnology. Wiley, New York.
Bd. 1: Geography, Physics and Chemistry. 1957.
Bd. 2: Introduction to lake biology and the limnoplankton. 1967.
Bd. 3: Limnological Botany. 1975.
Bd. 4: The Zoobenthos. 1993.
  • Homage to Santa Rosalia, or why are there so many kinds of animals? In: American Naturalist. Bd. 93, 1959, S. 245–249.
  • The paradox of the plankton. In: American Naturalist. Bd. 95, 1961, S. 137–145.
  • The Kindly Fruits of the Earth: Recollections of an Embryo Ecologist. Yale University Press, New Haven 1979, ISBN 0-300-02272-7.

Auszeichnungen

  • Kyoto-Preis 1986

Weblinks


Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

22.10.2021
Physiologie | Toxikologie | Insektenkunde
Summ-Summ-Summ, Pestizide schwirr´n herum
Was Rapsfelder und Obstplantagen schützt, bedeutet für manche Organismen den Tod: Insektizide und Fungizide werden in der Landwirtschaft gegen Schädlinge und Pilze eingesetzt.
21.10.2021
Mikrobiologie | Genetik | Virologie
Kampf gegen Viren mit austauschbaren Verteidigungsgenen
Bakterien verändern mobile Teile ihres Erbgutes sehr schnell, um Resistenzen gegen Viren zu entwickeln.
21.10.2021
Genetik | Säugetierkunde
Endlich geklärt: Die Herkunft der heutigen Hauspferde
Pferde wurden zuerst in der pontisch-kaspischen Steppe im Nordkaukasus domestiziert, bevor sie innerhalb weniger Jahrhunderte den Rest Eurasiens eroberten.
21.10.2021
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Entwicklungsbiologie | Säugetierkunde
Eizellenentnahme bei einem von zwei Nördlichen Breitmaulnashörnern eingestellt
Nach einer speziellen, umfassenden ethischen Risikobewertung hat das Team nun beschlossen, das ältere der beiden verbleibenden Weibchen – die 32-jährige Najin –, als Spenderin von Eizellen (Oozyten) in den Ruhestand zu schicken.
20.10.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Verheerende Auswirkungen von Insektenvernichtungsmittel
Neonicotinoide beeinflussen menschliche Neurone und schädigen potentiell somit nicht nur Insektenzellen, sie sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die zur Bekämpfung von Insekten eingesetzt werden.
20.10.2021
Ethologie | Neurobiologie | Säugetierkunde
Findet Rico - „den ganz besonderen Hund“
Zwei Forscherinnen sind auf der Suche nach „dem einen ganz besonderen Hund“.