Israel Aharoni

Israel Aharoni (* 1882 als Israel Aharonowitsch, in Widse nahe der russisch-polnischen Grenze, heute Vidzy in Weißrussland nahe der Grenze zu Litauen; † 9. Oktober 1946) war ein jüdischer Zoologe. Er entdeckte dreißig unbekannte Tierarten (wieder), denen er hebräische Namen zuwies. Heute ist er vor allem bekannt für seine Expedition auf die Hochebene von Aleppo (Syrien). Dort gelang ihm der Wildfang eines Wurfs von Goldhamstern, von denen so gut wie alle heute lebenden Exemplare abstammen, die weltweit als Labor- oder Heimtiere gehalten werden.

Leben

Aharoni entstammte einer Familie von Rabbinern und genoss eine traditionelle Erziehung. Bereits im Alter von 13 Jahren ging er nach Prag, um am dortigen, von Armand Kaminka gegründeten, Rabbinerseminar zu studieren. Am Gymnasium gründete er zusammen mit Egon Erwin Kisch eine nationaljüdische Jugendzeitung in deutscher Sprache. Später engagierte er sich in zionistischen Jugendorganisationen. Nach dem Abschluss studierte Aharoni an der Prager Universität Zoologie und semitische Sprachen.

1901 emigrierte Aharoni nach Palästina, das damals noch unter osmanischer Herrschaft stand. Hier erlangte er Bekanntheit als „der erste hebräische Zoologe“. Seine ersten Expeditionen standen noch unter dem Schutz des Sultans, für den er Schmetterlingssammlungen anlegte. Viele der von ihm gesammelten Exemplare können noch heute in der Hebräischen Universität Jerusalem besichtigt werden.

Leistungen

1930 brach Aharoni zu einer Expedition nach Syrien auf, um dort nach einheimischen Hamsterarten zu suchen. Sein Kollege, der Parasitologe Saul Adler, versprach sich davon einen praktikablen Ersatz für den Chinesischen Streifenhamster, den er bei seinen Forschungen über die Leishmaniose als Testobjekt verwendete.[1] Zusammen mit einem syrischen Führer namens Georgius Khalil Tah'an gelang es Aharoni auf der Hochebene von Aleppo ein Nest mit einem Goldhamster-Weibchen und elf Jungtieren ausfindig zu machen und auszugraben (angeblich befand sich das Nest in einer Tiefe von zweieinhalb Metern!). Die Erstbeschreibung dieser Art hatte George Robert Waterhouse 1839 unternommen, anhand von Fellteilen eines einzigen Tieres, die er im British Museum aufgefunden hatte. Danach waren sie nie mehr wieder beobachtet worden. Als das Muttertier begann ihren Nachwuchs zu töten, sah sich Aharoni gezwungen es selbst zu töten, und die Jungtiere auf dem Rückweg mit der Hand aufzuziehen. Dennoch kamen weitere von ihnen ums Leben, oder entwischten. Nur drei Männchen und ein Weibchen überlebten den Transport nach Jerusalem. Diese wurden jedoch sehr erfolgreich verpaart und weitergezüchtet. Bereits nach einem Jahr hatten sie sich auf 150 Tiere vermehrt und wurden danach ausgiebig als Labortiere eingesetzt. Erst in den 1940er Jahren kamen sie auch auf den Heimtiermarkt, in Deutschland etwa ein Jahrzehnt später.[2]

Weblinks

Einzelnachweise

  1.  J. Derrell Clark: Historical perspectives and taxonomy. In: G. L. Van Hoosier junior, Charles W. McPherson (Hrsg.): Laboratory Hamsters. Academic Press, Orlando u. a. 1987, ISBN 0-12-714165-0, S. 3–7 (S. 6).
  2. Claudia Toll: ‘’Mein Hamster’’, S. 7-8; Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2008; ISBN 978-3-440-11050-8.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.05.2021
Botanik | Klimawandel | Biodiversität | Bioinformatik
Mit Smartphones den ökologischen Wandel erfassen
Smartphone-Apps zur Pflanzenbestimmung wie „Flora Incognita“ können nicht nur Pflanzenarten erkennen, sie erfassen auch großräumige ökologische Muster.
13.05.2021
Genetik | Evolution | Immunologie
Neue Erkenntnisse über die Evolution des Immunsystems
Der menschliche Körper verfügt, wie alle anderen Lebewesen auch, über ein sogenanntes angeborenes Immunsystem.
13.05.2021
Toxikologie | Biochemie | Insektenkunde
Meerrettich-Erdfloh: Geschützt mit den Waffen seiner Nahrungspflanze
Wenn Meerrettich-Erdflöhe an ihren Wirtspflanzen fressen, nehmen sie nicht nur Nährstoffe, sondern auch Senfölglykoside, die charakteristischen Abwehrstoffe des Meerrettichs und anderer Kreuzblütengewächse, auf.
13.05.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Die Achillesferse eines Käfers: Glyphosat
Der Getreideplattkäfer lebt in enger Gemeinschaft mit symbiotischen Bakterien.
13.05.2021
Zoologie | Ökologie
Globaler Atlas soll große Tierwanderungen bewahren
Wildtiere soweit das Auge reicht: Millionen von Gnus ziehen gemeinsam mit Zebras, Gazellen und Antilopen durch das grüne Gras weiter Ebenen in Ostafrika.
11.05.2021
Zytologie | Physiologie | Bioinformatik
Wie man als Einzeller ans Ziel gelangt
Wie ist es ohne Gehirn und Nervensystem möglich, sich gezielt in die gewünschte Richtung zu bewegen? Einzellern gelingt dieses Kunststück offenbar problemlos.
11.05.2021
Ökologie
Studie zur Funktionsweise aquatischer Ökosysteme
Die Funktionen wassergeprägter Ökosysteme können durch hydrologische Schwankungen erheblich beeinflusst und verändert werden.
11.05.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Mit Bakterien gegen die Korallenbleiche
Korallen sind das Rückgrat mariner Ökosysteme der Tropen.
11.05.2021
Zoologie | Ökologie
Afrikanische Wildhunde als Botschafter für das weltweit grösste Naturschutzgebiet
Das weltweit grösste Landschutzgebiet liegt im Süden Afrikas und umfasst 52039000 Quadratkilometer in fünf Ländern.
10.05.2021
Physiologie
Orientierungssinn von Fledermäusen
Säugetiere sehen mit den Augen, hören mit den Ohren und riechen mit der Nase.