Jean Baptiste Alphonse Dechauffour de Boisduval

Jean-Baptiste Alphonse Dechauffour de Boisduval, 1874.

Jean Baptiste Alphonse Dechauffour de Boisduval (* 17. Juni 1799 in Ticheville; † 30. Dezember 1879 ebenda) war ein französischer Insektenforscher, Botaniker und Arzt. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Boisd.“.

Leben

1828 erhielt Boisduval seinen Doktor in Medizin. Er beschrieb viele neue Arten von Insekten. Als einer der herausragenden Schmetterlingsforscher Frankreichs war er auch Mitbegründer der Société entomologique de France. Am Beginn seiner Karriere beschäftigte er sich auch mit Coleoptera und arbeitete zusammen mit Lacordaire and Latreille. Er war Kurator der Pierre François Marie Auguste Dejean-Sammlung in Paris und beschrieb viele neue Arten von Käfern und Schmetterlingen, die von den Expeditionen der Forschungsschiffe „Astrolabe“ des Jean-François de Galaup, Baron de La Pérouse und der „Coquille“ des Louis Isidore Duperrey gesammelt worden waren.

Sammlungsmaterial

Das beschriebene Material blieb jedoch größtenteils nicht in Paris. So sind die von Boisduval beschriebenen Elateridae heute im Natural History Museum in London und die Typen der Curculionidae im Naturhistorischen Museum in Brüssel. Die Schmetterlinge wurden an Charles Oberthür (1845–1924) verkauft. Die Sphingidae sind heute im Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh, Pennsylvania.

Wissenschaftliche Werke

Boisduval publizierte, zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Forschern, weit über 30 bedeutende wissenschaftliche Werke.

Wenig bekannt ist, dass sich seine ersten Arbeiten mit Pflanzen beschäftigten. 1827 bis 1828 erschienen die drei Bände Manuel complet de botanique bei Roret in Paris.

1829 folgte das Werk „Europaeorum lepidopterorum index methodicus (tableau méthodique des lépidoptères d’Europe). La même année, il commence la publication de l’Iconographie et histoire naturelle des coléoptères d'Europe“.

Zusammen mit John Eatton Le Conte publizierte er von 1829 bis 1837 in Paris das Werk Histoire général et iconographie des lepidoptérès et des chenilles de l’Amerique septentrionale (in Englisch General history and illustrations of the Lepidoptera and caterpillars of Northern America). Das Gesamtwerk war nicht vor 1837 vollendet. Die ersten Arbeiten beschäftigten sich auch mit Käfern, die er zusammen mit Pierre François Marie Auguste Dejean in der Iconographie et histoire naturelle des Coléoptères d'Europe veröffentlichte. Das Werk erschien 1832 bis 1837 in Brüssel in mehreren Lieferungen.

Ein Klassiker wurde der Band über die Insekten, die von der Forschungsexpedition mit der „Astrolabe“ gesammelt wurden (Jules Dumont d'Urville (Hrsg.) Voyage de l'Astrolabe. 'Faune entomologique de l'Océanie par le Dr Boisduval. Tome 1: Lepidoptères (1832); Tome 2 Coléoptères, Hémiptères, Orthoptères Névroptères, Hyménoptères et Diptères (1835). Zusammen mit Adolphe de Graslin und Jules Pièrre Rambur publizierte er 1832 die „Collection iconographique et historique des chenilles d’Europe“, eine wichtige Arbeit über die Schildläuse. Aus der auf Disteln und Feigenkakteen (Opuntien) lebenden Cochenilleschildlaus (Dactylopius coccus Costa oder Coccus cacti Linnaeus) wurde (neben anderen Arten) damals der rote Farbstoff Karmesin gewonnen. Die Schildlauszucht war in einigen Teilen Europas ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Die „Icônes historique des lépidoptères nouveaux ou peu connus. Collection… des papillons d'Europe nouvellement découverts… “ erscheinen von 1832 bis 1834 bei Roret in Paris.

Für die Schmetterlingsforschung das sicherlich wichtigste Werk war die (zusammen mit Guenée publizierte) Histoire Naturelle Des Insectes, die von 1852 bis 1874 in mehreren Lieferungen erschien. Aber auch die praktische Verwertung seiner wissenschaftliche Ergebnisse seiner entomologischen Forschungen für den Gartenbau interessierte ihn. 1867 publizierte er das Werk „Essai sur l’entomologie horticole, comprenant l'histoire des insectes nuisibles à l’horticulture avec l’indication des moyens propres à les éloigner ou à les détruire et l’histoire des insectes et autres animaux utiles aux cultures.“, das in der Librairie d'Horticulture des E. Donnaud in Paris erschien.

Patronyme

Als einer der führenden Schmetterlingsforscher der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde er von vielen späteren Kollegen durch die Benennung von Schmetterlingsarten geehrt. Koçak & Koçak (2008) listen 20 Patronyme auf, die sich hauptsächlich auf verschiedene Gruppen der Tagschmetterlinge verteilen[1].

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Muhabbet Kemal Koçak und Ahmet Omer Koçak: First attempt for a list of the patronyms in the Lepidopterology based upon the Info-System of the Cesa. Center of Entomological Studies Ankara, Priamus Supplement, 12: 1-89, 2008 Online bei archive.org

Literatur

  • Jean Lhoste: Les Entomologistes français. 1750-1950. 351 S. INRA Éditions 1987
  • Anonymous: Obituary. Boisduval. Entomologist's Monthly Magazine 16" 235–236 1880.
  • Anonymous: Obituary. Boisduval. Entomologist, 13: 119 1880.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

28.02.2021
Anthropologie | Genetik
64 menschliche Genome als neue Referenz für die globale genetische Vielfalt
Eine internationale Forschungsgruppe hat 64 menschliche Genome hochauflösend sequenziert.
28.02.2021
Neurobiologie | Insektenkunde
Wie Insekten Farben sehen
Insekten und ihre hochentwickelte Fähigkeit Farben zu sehen und zum Beispiel Blüten unterscheiden zu können, sind von zentraler Bedeutung für die Funktion vieler Ökosysteme.
28.02.2021
Genetik | Virologie
Retroviren schreiben das Koala-Genom um
Koalas sind mit zahlreichen Umwelt- und Gesundheitsproblemen konfrontiert, die ihr Überleben bedrohen.
26.02.2021
Ökologie | Paläontologie
Student entwickelt ein neues Verfahren, um Millionen Jahre alte Ökosysteme zu rekonstruieren
Niklas Hohmann, Masterstudent der Geowissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), hat einen neuen Algorithmus entwickelt, mit dem sich die Abfolge von Ökosystemen durch die Erdgeschichte besser rekonstruieren lässt.
26.02.2021
Klimawandel | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Unterirdische Biodiversität im Wandel
Durch den globalen Wandel wird die Vielfalt der Bakterien auf lokaler Ebene voraussichtlich zunehmen, während deren Zusammensetzung sich auf globaler Ebene immer ähnlicher wird.
25.02.2021
Botanik | Ökologie | Klimawandel | Video
Wald im Trockenstress: Schäden weiten sich weiter aus
Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020 zeigen: Die anhaltenden Dürrejahre fordern Tribut.
24.02.2021
Physiologie | Primatologie
Geophagie: Der Schlüssel zum Schutz der Lemuren?
Kürzlich wurde eine transdisziplinäre Forschung über die Interaktionen zwischen Böden und Darm-Mykobiom (Pilze und Hefen) der Indri-Indri-Lemuren veröffentlicht.
24.02.2021
Mikrobiologie | Evolution
Vom Beginn einer evolutionären Erfolgsstory
Unser Planet war bereits lange von Mikroorganismen besiedelt, bevor komplexere Lebewesen erstmals entstanden und sich nach und nach zur heute lebenden Tier- und Pflanzenwelt entwickelten.
24.02.2021
Genetik
Cre-Controlled CRISPR: konditionale Gen-Inaktivierung wird einfacher
Die Fähigkeit, ein Gen nur in einem bestimmten Zelltyp auszuschalten, ist für die modernen Lebenswissenschaften wesentlich.
24.02.2021
Land-, Forst- und Viehwirtschaft | Fischkunde
Bald nur noch ängstliche Fische übrig?
Über die Fischerei werden vor allem größere und aktivere Fische aus Populationen herausgefangen.
23.02.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Placebos wirken auch bei bewusster Einnahme
Freiburger Forschende zeigen: Scheinmedikamente funktionieren auch ohne Täuschung. Probanden waren über Placebo-Effekt vorab informiert.
23.02.2021
Botanik | Klimawandel
Auswirkungen des Klimas auf Pflanzen mitunter erst nach Jahren sichtbar
Die Auswirkungen von Klimaelementen wie Temperatur und Niederschlag auf die Pflanzenwelt werden möglicherweise erst Jahre später sichtbar.
23.02.2021
Ökologie | Klimawandel
Biologische Bodenkrusten bremsen Erosion
Forschungsteam untersucht, wie natürliche „Teppiche“ Böden gegen das Wegschwemmen durch Regen schützen.
23.02.2021
Mikrobiologie | Meeresbiologie
Süße Algenpartikel widerstehen hungrigen Bakterien
Eher süß als salzig: Mikroalgen im Meer produzieren jede Menge Zucker während der Algenblüten.
21.02.2021
Evolution | Biochemie
Treibstoff frühesten Lebens – organische Moleküle in 3,5 Milliarden Jahre alten Gesteinen nachgewiesen
Erstmalig konnten biologisch wichtige organische Moleküle in archaischen Fluideinschlüssen nachgewiesen werden. Sie dienten sehr wahrscheinlich als Nährstoffe frühen Lebens auf der Erde.
21.02.2021
Evolution | Biochemie
Origin of Life - Begann die Darwin’sche Evolution schon, bevor es Leben gab?
Ehe Leben auf der Erde entstand, gab es vor allem eines: Chaos.
21.02.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Kommunikationsfähigkeit von Menschen im REM-Schlaf
Mit schlafenden Versuchspersonen lassen sich komplexe Nachrichten austauschen. Das haben Wissenschaftler jetzt in Studien gezeigt.
21.02.2021
Paläontologie | Insektenkunde
Fossile Larven - Zeitzeugen in Bernstein
Eine ungewöhnliche Schmetterlingslarve und eine große Vielfalt an Fliegenlarven. LMU-Zoologen haben in Bernstein fossile Bewohner Jahrmillionen alter Wälder entdeckt.
21.02.2021
Ethologie | Ökologie
Wölfe in der Mongolei fressen lieber Wild- als Weidetiere
Wenn das Angebot vorhanden ist, ernähren sich Wölfe in der Mongolei lieber von Wildtieren als von Weidevieh.
21.02.2021
Meeresbiologie
Neuer Wohnort im Plastikmüll: Biodiversität in der Tiefsee
Ein internationales Forscherteam findet einen neuen Hotspot der Biodiversität – und zwar ausgerechnet im Plastikmüll, der sich seit Jahrzehnten in den Tiefseegräben der Erde ansammelt.
19.02.2021
Meeresbiologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Durch Aquakultur gelangt vom Menschen produzierter Stickstoff in die Nahrungskette
Ausgedehnte Aquakulturflächen entlang der Küsten sind in Südostasien sehr verbreitet.
19.02.2021
Anthropologie | Paläontologie
Das Aussterben der größten Tiere Nordamerikas wurde wahrscheinlich vom Klimawandel verursacht
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Überjagung durch den Menschen nicht für das Verschwinden von Mammuts, Riesenfaultieren und anderen nordamerikanischen Großtieren verantwortlich war.
18.02.2021
Anthropologie | Virologie
Neandertaler-Gene und Covid-19 Verläufe
Letztes Jahr entdeckten Forscher, dass wir den wichtigsten genetischen Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Krankheit Covid-19 vom Neandertaler geerbt haben.
18.02.2021
Taxonomie | Fischkunde
Wüstenfische „under cover“ – neu entdeckte Vielfalt auf der arabischen Halbinsel
Das Landschaftsbild des Oman ist geprägt durch ausgedehnte Wüstenlandschaften und karge, trockene Hochgebirgsketten.
18.02.2021
Genetik | Immunologie | Biochemie
Rätsel des pflanzlichen Immunsystems gelöst
Wie bauen Pflanzen eine Resilienz auf? Ein internationales Forschungsteam hat die molekularen Mechanismen des pflanzlichen Immunsystems untersucht.