John Marrack

John Richardson Marrack (* 26. November 1886 in Clevedon, Grafschaft Somerset; † 13. Juni 1976 in Houston) war ein britischer Immunologe. Er wirkte als Dozent für chemische Pathologie an der University of Cambridge sowie am London Hospital, und untersuchte insbesondere die chemisch-physikalischen Grundlagen der Wechselwirkungen zwischen Antikörpern und Antigenen. Darüber hinaus erkannte er, dass Antikörper zwei Bindungsstellen für Antigene aufweisen.

Leben

John Marrack wurde 1886 in Clevedon geboren und absolvierte nach dem Besuch der Blundell's School in Tiverton ein Studium der Medizin am St John’s College der University of Cambridge und am London Hospital Medical College, das er 1908 abschloss. Anschließend widmete er sich am Cambridge Research Hospital zunächst der Forschung zu rheumatoider Arthritis. Während des Ersten Weltkrieges leistete er Militärdienst im Royal Army Medical Corps, dem ärztlichen Zweig des Sanitätsdienstes der Britischen Armee, und erhielt für seinen Einsatz den Distinguished Service Order. Nach dem Krieg wurde er an der University of Cambridge und am London Hospital Dozent beziehungsweise Professor für chemische Pathologie.

Während des Spanischen Bürgerkrieges war er von 1936 bis 1939 für das Spanish Medical Aid Committee tätig und besuchte in diesem Rahmen die Internationalen Brigaden und die Armee der republikanischen Regierung. Im Zweiten Weltkrieg fungierte er als Berater des britischen Ernährungsministeriums. Nach dem Krieg war er erneut in der Forschung tätig. Er wurde 1952 emeritiert und fungierte in der Folgezeit bis 1961 als erster Editor-in-Chief der von der British Society of Immunology neu herausgegebenen Fachzeitschrift Immunology. Von 1963 bis 1966 war er Gastprofessor am M.D. Anderson Hospital der University of Texas.

John Marrack galt als passionierter Sportler und hatte an der London University sieben Jahre lang den Titel eines Hochschulmeisters im Boxen im Weltergewicht inne. Er war zweimal verheiratet und Vater eines Sohnes aus seiner ersten sowie von drei Söhnen aus seiner zweiten Ehe. Im Alter von 89 Jahren starb er 1976 in Houston. Seine Nichte ist die Immunologin Philippa Marrack, welche sich mit den molekularen Grundlagen der Antigen-Erkennung durch T-Lymphozyten beschäftigt.

Wissenschaftliches Wirken

John Marrack widmete sich, ausgehend von der Bindung von Calcium an Proteine im Blutserum, der Erforschung der chemisch-physikalischen Grundlagen der Interaktionen zwischen Antikörpern und Antigenen. Diesbezüglich untersuchte er ab dem Beginn der 1930er Jahre insbesondere die Wechselwirkungen zwischen dem Diphtherietoxin von Corynebacterium diphtheriae und den an das Diphtherietoxin bindenden Serumbestandteilen, die als „Diphtherie-Antitoxin“ bezeichnet wurden. Für diese Serumbestandteile, deren genaue Natur zur damaligen Zeit unbekannt war, vermutete er, dass es sich um eindeutig definierbare Proteine handeln würde.

In der 1934 von ihm veröffentlichten Monografie „The Chemistry of Antigens and Antibodies“ schlug er außerdem vor, dass der spezifischen Affinität von Antikörpern für Antigene die gleichen Faktoren zugrunde liegen wie der Ausbildung der Struktur von Proteinen, nämlich die Form der Moleküle sowie die räumliche Verteilung und Stärke von polaren Kräften. Diese Erklärung der Antigen-Antikörper-Wechselwirkungen wurde in der Folgezeit als Lattice Hypothesis (Gitter-Hypothese) bekannt. Unter dem Einfluss dieser Veröffentlichung wandten sich verstärkt Chemiker und Biochemiker der immunologischen Forschung zu, die zuvor überwiegend von Mikrobiologen und Medizinern geprägt war. Darüber hinaus konnte er zeigen, dass Antikörper bivalent sind, also zwei Bindungsstellen für Antigene besitzen.

Beim First International Congress of Immunology erhielt John Marrack 1971 als einer von fünf Wissenschaftlern den Distinguished Service Award „für seine revolutionären Ideen, die noch zu seinen Lebzeiten allgemeine Verbreitung fanden, und für seine bahnbrechenden Arbeiten zur physikochemischen Interpretation von Antigen-Antikörper-Wechselwirkungen“.

Werke (Auswahl)

  • The Chemistry of Antigens and Antibodies. London 1934 (erweiterte Neuauflage 1938)
  • Food and Planning. London 1943
  • Clinical Pathology. Zweite Auflage, London 1927. (dritte bis fünfte Auflage London 1934, 1939, 1945; sechste Auflage unter dem Titel Panton and Marrack´s Clinical Pathology, London 1951)

Literatur

  • John Herbert Humphrey: Obituary: John Richardson Marrack. In: Nature. Jahrgang 263. Ausgabe vom 7. Oktober 1976, S. 535
  • Obituary: John Richardson Marrack. In: The Lancet. Band 308. Ausgabe 7981 vom 14. August 1976, S. 378
  • Obituary. Professor J. R. Marrack. In: The Times. Ausgabe vom 27. Juli 1976, S. 14

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

26.02.2021
Ökologie | Paläontologie
Student entwickelt ein neues Verfahren, um Millionen Jahre alte Ökosysteme zu rekonstruieren
Niklas Hohmann, Masterstudent der Geowissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), hat einen neuen Algorithmus entwickelt, mit dem sich die Abfolge von Ökosystemen durch die Erdgeschichte besser rekonstruieren lässt.
26.02.2021
Klimawandel | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Unterirdische Biodiversität im Wandel
Durch den globalen Wandel wird die Vielfalt der Bakterien auf lokaler Ebene voraussichtlich zunehmen, während deren Zusammensetzung sich auf globaler Ebene immer ähnlicher wird.
25.02.2021
Botanik | Ökologie | Klimawandel
Wald im Trockenstress: Schäden weiten sich weiter aus
Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020 zeigen: Die anhaltenden Dürrejahre fordern Tribut.
24.02.2021
Physiologie | Primatologie
Geophagie: Der Schlüssel zum Schutz der Lemuren?
Kürzlich wurde eine transdisziplinäre Forschung über die Interaktionen zwischen Böden und Darm-Mykobiom (Pilze und Hefen) der Indri-Indri-Lemuren veröffentlicht.
24.02.2021
Mikrobiologie | Evolution
Vom Beginn einer evolutionären Erfolgsstory
Unser Planet war bereits lange von Mikroorganismen besiedelt, bevor komplexere Lebewesen erstmals entstanden und sich nach und nach zur heute lebenden Tier- und Pflanzenwelt entwickelten.
24.02.2021
Genetik
Cre-Controlled CRISPR: konditionale Gen-Inaktivierung wird einfacher
Die Fähigkeit, ein Gen nur in einem bestimmten Zelltyp auszuschalten, ist für die modernen Lebenswissenschaften wesentlich.
24.02.2021
Land-, Forst- und Viehwirtschaft | Fischkunde
Bald nur noch ängstliche Fische übrig?
Über die Fischerei werden vor allem größere und aktivere Fische aus Populationen herausgefangen.
23.02.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Placebos wirken auch bei bewusster Einnahme
Freiburger Forschende zeigen: Scheinmedikamente funktionieren auch ohne Täuschung. Probanden waren über Placebo-Effekt vorab informiert.
23.02.2021
Botanik | Klimawandel
Auswirkungen des Klimas auf Pflanzen mitunter erst nach Jahren sichtbar
Die Auswirkungen von Klimaelementen wie Temperatur und Niederschlag auf die Pflanzenwelt werden möglicherweise erst Jahre später sichtbar.
23.02.2021
Ökologie | Klimawandel
Biologische Bodenkrusten bremsen Erosion
Forschungsteam untersucht, wie natürliche „Teppiche“ Böden gegen das Wegschwemmen durch Regen schützen.
23.02.2021
Mikrobiologie | Meeresbiologie
Süße Algenpartikel widerstehen hungrigen Bakterien
Eher süß als salzig: Mikroalgen im Meer produzieren jede Menge Zucker während der Algenblüten.
21.02.2021
Evolution | Biochemie
Treibstoff frühesten Lebens – organische Moleküle in 3,5 Milliarden Jahre alten Gesteinen nachgewiesen
Erstmalig konnten biologisch wichtige organische Moleküle in archaischen Fluideinschlüssen nachgewiesen werden. Sie dienten sehr wahrscheinlich als Nährstoffe frühen Lebens auf der Erde.
21.02.2021
Evolution | Biochemie
Origin of Life - Begann die Darwin’sche Evolution schon, bevor es Leben gab?
Ehe Leben auf der Erde entstand, gab es vor allem eines: Chaos.
21.02.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Kommunikationsfähigkeit von Menschen im REM-Schlaf
Mit schlafenden Versuchspersonen lassen sich komplexe Nachrichten austauschen. Das haben Wissenschaftler jetzt in Studien gezeigt.
21.02.2021
Paläontologie | Insektenkunde
Fossile Larven - Zeitzeugen in Bernstein
Eine ungewöhnliche Schmetterlingslarve und eine große Vielfalt an Fliegenlarven. LMU-Zoologen haben in Bernstein fossile Bewohner Jahrmillionen alter Wälder entdeckt.
21.02.2021
Ethologie | Ökologie
Wölfe in der Mongolei fressen lieber Wild- als Weidetiere
Wenn das Angebot vorhanden ist, ernähren sich Wölfe in der Mongolei lieber von Wildtieren als von Weidevieh.
21.02.2021
Meeresbiologie
Neuer Wohnort im Plastikmüll: Biodiversität in der Tiefsee
Ein internationales Forscherteam findet einen neuen Hotspot der Biodiversität – und zwar ausgerechnet im Plastikmüll, der sich seit Jahrzehnten in den Tiefseegräben der Erde ansammelt.
19.02.2021
Meeresbiologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Durch Aquakultur gelangt vom Menschen produzierter Stickstoff in die Nahrungskette
Ausgedehnte Aquakulturflächen entlang der Küsten sind in Südostasien sehr verbreitet.
19.02.2021
Anthropologie | Paläontologie
Das Aussterben der größten Tiere Nordamerikas wurde wahrscheinlich vom Klimawandel verursacht
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Überjagung durch den Menschen nicht für das Verschwinden von Mammuts, Riesenfaultieren und anderen nordamerikanischen Großtieren verantwortlich war.
18.02.2021
Anthropologie | Virologie
Neandertaler-Gene und Covid-19 Verläufe
Letztes Jahr entdeckten Forscher, dass wir den wichtigsten genetischen Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Krankheit Covid-19 vom Neandertaler geerbt haben.
18.02.2021
Taxonomie | Fischkunde
Wüstenfische „under cover“ – neu entdeckte Vielfalt auf der arabischen Halbinsel
Das Landschaftsbild des Oman ist geprägt durch ausgedehnte Wüstenlandschaften und karge, trockene Hochgebirgsketten.
18.02.2021
Genetik | Immunologie | Biochemie
Rätsel des pflanzlichen Immunsystems gelöst
Wie bauen Pflanzen eine Resilienz auf? Ein internationales Forschungsteam hat die molekularen Mechanismen des pflanzlichen Immunsystems untersucht.
17.02.2021
Bionik und Biotechnologie
Gut gestützt und maximal beweglich
Kieler Forschungsteam entwickelt Gelenkschiene für Sport und Medizin nach dem Vorbild von Libellenflügeln.
15.02.2021
Zytologie | Biochemie
Unterschätzte Helfer: Membranbausteine steuern Zellwachstum entscheidend mit
Lipide sind die Bausteine für die Hülle von Zellen, die Zellmembran.
15.02.2021
Ökologie | Virologie
Wasser kann Säugetierviren übertragen
Wasser ist Voraussetzung für alles Leben, aber seine Verfügbarkeit kann begrenzt sein.