Koniotomie

(1) Schildknorpel
(2) Ligamentum cricothyroideum
(3) Ringknorpel
(4) Luftröhre
(A) Lokalisation der Koniotomie
(B) Lokalisation der Tracheotomie

Unter einer Koniotomie (synonym: „Konikotomie“ oder „Krikothyreotomie“ - von griech. κωνος = Kegel / κρίκος = Ring / θυρεός = Schild / τομή= Schnitt, umgangssprachlich fälschlicherweise auch Luftröhrenschnitt genannt) versteht man das Eröffnen der Atemwege in Höhe des Kehlkopfes bei akuter Erstickungsgefahr. Sie ist eine ärztliche lebensrettende Notfallmaßnahme, die nur selten und nur als letztes Mittel zum Einsatz kommt.

In der Notfallmedizin wird sie im Rahmen des Airway-Managements durchgeführt, wenn die Atemwege oberhalb des Kehlkopfes verlegt sind und die Atmung anders (z. B. durch Intubation oder Beatmung) nicht gesichert werden kann und dadurch der Erstickungstod droht. Sie ist ein ärztlicher Notfalleingriff und auf keinen Fall eine Maßnahme des Laien im Rahmen der Ersten Hilfe. Sie stellt das Mittel der ersten Wahl bei einer cannot-intubate-cannot-ventilate-Situation dar, also weder eine Beatmung mit einer Maske (im weitesten Sinne also auch Larynxmaske o. ä.) noch eine Intubation ist möglich.

Die Koniotomie stellt nur ein provisorisches Verfahren zur vorübergehenden Oxygenierung des Blutes dar, um den Tod durch Sauerstoffmangel zu verhindern. Um Komplikationen zu verhindern, wird der Patient nach einer Koniotomie schnellstmöglich intubiert oder tracheotomiert.

Verfahren

Punktionsset mit Skalpell (unten), Punktionsspritze (rechts), Dilatator (links), Führungsdraht (rund) und eigentlicher Kanüle (Mitte)

Der Zugang zu dem Atemtrakt wird in Höhe des Kehlkopfes hergestellt. Dabei wird die Membran (Ligamentum conicum, die freie Stelle des Ligamentum cricothyroideum) zwischen Ringknorpel und Schildknorpel eröffnet.

Bei der chirurgischen Koniotomie wird die Haut über der Membrana cricothyroidea mit dem spitzen Skalpell etwa 3 cm längs inzisiert (siehe Abbildung blinkende rote Linie). Hiernach wird die eigentliche Membran mittels Skalpell (ein Skalpell mit spitzer Klinge Nr. 11) horizontal durchtrennt, zuvor digitale Identifikation und in diese Öffnung wird dann ein Endotrachealtubus (etwa der Größe Charrière (Ch.) 20, also einen Außendurchmesser von 6,9 mm und einen Innendurchmesser von 5,0 mm) vorsichtig vorgeschoben, über den eine Beatmung möglich ist. Der Tubus wird am besten auf einen Führungsdraht geschoben, dabei zuvor Gleitgel nicht vergessen. Es empfiehlt sich vor dem Eingriff den Kopf bzw. Nacken zu reklinieren, also nach hinten zu beugen. Der Tubus wird dabei kleiner als bei der Intubation gewählt.

Meist werden jedoch Punktionsverfahren angewandt. Dabei wird mittels einer Metall-Kanüle mit einem Durchmesser von etwa 4 mm das Ligamentum conicum punktiert. Eventuell wird dabei ein Trokar eingesetzt oder die Seldinger-Technik angewandt, wobei die Membran mit einer dünnen Kanüle punktiert wird, über die dann ein Führungsdraht eingeführt wird. Nach Entfernung der Kanüle kann über den Führungsdraht der Beatmungsschlauch eingeschoben werden, über den der Patient dann beatmet werden kann. Hierfür existieren auch fertige Systeme, wie beispielsweise das Quicktrach-Koniotomieset.

Bei der Koniotomie oder auch Cricothyrotomie, wird der Hautschnitt etwa 3 cm längs ausgeführt. Die eigentliche Inzision durch die Membrana cricothyroidea also zwischen dem Schildknorpel Cartilago thyroidea und dem Ringknorpel Cartilago cricoidea hingegen quer, also horizontal.[1]

Literatur

  • Mutzbauer, Keul, Bernhard, Völkl und Gries. Invasive Techniken in der Notfallmedizin - IV. Koniotomie im Notarztdienst
    Der Anaesthesist 54(2), S.145 - 154 (2005)
  • Tighe SQ. Surgical Cricothyroidotomy. Difficult Airway Society Annual Meeting, Glasgow 4-5 Dezember 2003, proceedings
  • Vanner R. Large Cannula techniques for emergency cricothyrotomy. Annual Meeting Difficult Airway Society, Glasgow 4-5 Dezember 2003, Proceedings

Einzelnachweise

  1. Marek Humpich, Christian Byhahn: Atemwegsmanagement – Invasives Atemwegsmanagement Update 2011 Invasive airway management update 2011. AINS - Anästhesiologie · Intensivmedizin · Notfallmedizin · Schmerztherapie; Ausgabe 09 (2011), S. 608-616
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