Ludwig Kohl-Larsen

Ludwig Kohl-Larsen (* 5. April 1884, Landau in der Pfalz; † 12. November 1969 in Sigmarszell) war ein deutscher Arzt, Paläontologe und Forschungsreisender.

Leben

Er besuchte die Schule in Landau in der Pfalz, studierte Medizin in München und wurde 1903 Mitglied des rheinpfälzischen Corps Transrhenania.[1] 1911 reiste er als Schiffsarzt Ludwig Kohl auf der Deutschland mit Wilhelm Filchner in die Antarktis, konnte aber nach einer sogenannten Blinddarmoperation nicht an der eigentlichen Expedition ins Wedellmeer teilnehmen. Auf Südgeorgien kurierte er sich aus und lernte dabei seine spätere Frau, die Tochter Carl Anton Larsens, des Gründers von Grytviken kennen. Nach der Hochzeit nannte er sich Kohl-Larsen. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs war er als Regierungsarzt in Mikronesien tätig. 1928 besuchte er Südgeorgien gemeinsam mit seiner Frau und dem Kameramann Albert Benitz und führte dort die erste wissenschaftliche Expedition zur Erkundung der Insel durch. Nach ihm ist das Kohl-Larsen-Plateau benannt.[2][3]

Bereits 1931 wurde er Mitglied der NSDAP, später unternahm er, teils im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zahlreiche Expeditionen, zum Beispiel nach Ostafrika zum Volk der Hadzabe und in polare Gegenden.

Kohl-Larsen begab sich 1934 im einstmaligen Deutsch-Ostafrika auf die Suche nach dem Urmenschen. 1938/39 entdeckte er in Laetoli in Tansania die ersten Knochenfunde des Australopithecus afarensis (u. a. das Fragment eines Oberkiefers, das sogenannte Garusi-Fragment, heute meist Garusi 1 genannt)[4], ohne sich über deren Bedeutung im Klaren zu sein. Mit ein paar Teilen eines Kieferknochens versuchte er, wieder zurück in Deutschland, bei vielen Organisationen Geld für seine Forschungsarbeit in Ostafrika zu erbitten. Kohl-Larsen, bekennender Nationalsozialist und Kolonial-Revisionist, versuchte den Beweis anzutreten, dass alle Menschen einen gemeinsamen Ursprung hätten, jedoch die afrikanischen Völker auf dem Stand des Urmenschen zurückgeblieben wären, während sich die „arischen“ Völker weiterentwickelt hätten.

1939 wurde Kohl-Larsen Professor für Völkerkunde an der Universität Tübingen. Im Zuge der Entnazifizierung verlor er seine Professur, arbeitete aber ab 1949 wieder am Institut für Ur- und Frühgeschichte in Tübingen.

Werke

  • Die Issansu, Ackerbauer und Viehzüchter im abflußlosen Gebiet Deutsch-Ostafrikas. Medizin und Kult. Veröffentlichung der Reichsstelle für den Unterrichtsfilm. Reichsstelle für den Unterrichtsfilm, 1941
  • Auf den Spuren des Vormenschen. Strecker und Schröder, Stuttgart. 1943
  • Ludwig Kohl-Larsen: Das Elefantenspiel. Mythen, Riesen und Stammessagen. Volkserzählungen der Tindiga. Eisenach • Kassel: Erich Röth-Verlag 1956. Eine Sammlung von Mythen der Hadzabe: Riesen, Origin der Ordnung in der Welt, Stammessagen, anekdotische Märchen.
  • Der große Zug nach Mitternacht. Eine Wanderung mit den Lappen zum Nördlichen Eismeer. Kassel 1958

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kösener Corpslisten 1960, 115, 194
  2. Kohl-Larsen-Plateau (geographic.org)
  3. Robert K. Headland: The Island of South Georgia. Cambridge 1984, ISBN 0521252741
  4. Pierre-François Puecha, François Cianfaranic and Helga Roth: Reconstruction of the maxillary dental arcade of Garusi Hominid 1. Journal of Human Evolution 15/5, July 1986, S. 325-332,doi:10.1016/S0047-2484(86)80015-X

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