Material-Input pro Serviceeinheit

Material-Input pro Serviceeinheit (MIPS) stellt ein grundlegendes Maß zur Abschätzung der Umweltbelastung durch ein Produkt dar. Das Konzept wurde federführend von Prof. Dr. Friedrich Schmidt-Bleek am Wuppertal-Institut ab 1992 entwickelt.

Konzept

Beim MIPS-Konzept werden jegliche Energie- und Materialströme erfasst, welche innerhalb des Lebenszyklus eines Produktes oder einer Dienstleistung verwendet werden. MIPS ist ein quantitatives Maß für den Natureinsatz eines Produktes oder einer Dienstleistung. Der Materialeinsatz (Material Input) wird dabei in SI-konformen Einheiten, wie z.B. kg ausgewiesen und auf die Dienstleistungseinheit (Service Unit), wie z.B. ein Kubikmeter umbauter Raum, bezogen.

Der Materialinput pro Serviceeinheit (MIPS) ist ein einfacher und handhabbarer Ansatz zur Bewertung der Umweltbelastungsintensität. Da von einem Produkt oder Prozess ausgehende Outputströme, wie Emissionen und Produktionsabfälle oft nur sehr schwer zu erfassen sind, wird vereinfachend angenommen, dass durch eine Reduktion des Materialinputs auch die Umweltbelastung verringert werden kann.

Als Materialinput wird hierbei der Gesamtinput zur Herstellung eines Gutes abzüglich der Eigenmasse des Gutes betrachtet. Bezieht sich der Materialinput auf eine Einheit des jeweiligen Gutes, so spricht man von der Materialintensität. Der Materialinput pro Serviceeinheit ergibt sich durch den Bezug der Materialintensität auf eine Serviceeinheit, die dem gewünschten Nutzen oder der erwarteten Dienstleistung entspricht. Die ermittelten Materialinputs werden bei dieser Methode nach den fünf Kategorien getrennt ausgewiesen:

  1. Abiotisches Material,
  2. Biotisches Material,
  3. Bodenbewegung in der Land- und Forstwirtschaft,
  4. Wasser und
  5. Luft

Eine Aggregation der ermittelten Werte wird auf Grund der Unterschiedlichkeit der Kategorien und damit zusammenhängenden Problemen bei der Gewichtung gezielt vermieden. Zur einfacheren Darstellung der Ergebnisse können jedoch abiotisches Material, biotisches Material und Bodenbewegungen in der Land- und Forstwirtschaft als Total Material Requirement (TMR) zusammengefasst werden.

MIPS-Haus

Mipshaus ist ein häufig gebrauchter Begriff für ein nach dem MIPS-Konzept ressourcenoptimiertes Gebäude. Er beschreibt einen Ressourcenstandard eines Gebäudes und ist damit die Weiterentwicklung der für Gebäude bereits bestehenden Energiestandards wie dem Niedrigenergiehaus oder dem Passivhaus. Im Gegensatz zu diesen Standards wird eine Bewertung nicht allein nach dem Energieverbrauch in der Nutzungsphase vorgenommen, sondern erweitert um die Herstellungsphase und den späteren Rückbau. Somit wird die Betrachtung auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes erweitert. Grundlage der Bewertung ist dabei nicht nur der Energieverbrauch sondern der komplette Naturverbrauch. Ausgehend von der These, dass die bei einem Herstellungsprozess entstehenden Stoffe sehr vielfältig und in Ihrer Auswirkung und Wechselwirkung kaum überschaubar sind wird beim Mipshausstandard daher eine Bewertung nach der Menge der eingesetzten Stoffe vorgenommen. (Inputbetrachtung statt Outputbetrachtung). Die eingesetzten Stoffe werden dabei in die fünf oben genannten Kategorien eingeteilt.

„Ressourceneffizient“ ist ein Gebäude dann, wenn durch Bau, Instandhaltung, Nutzung und Entsorgung möglichst wenig Natur genutzt wird. Ein Ansatz die Ressourceneffizienz zu erhöhen kann z. B. auch darin bestehen, durch gut ausgeführte Wärmedämmmaßnahmen an der gebäudeumfassenden Hülle Heizenergie einzusparen. Auch zur Energiebereitstellung wird bei der Gewinnung der Energieträger in die natürlichen Kreisläufe eingegriffen. So „kostet“ auch die Herstellung der Dämmstoffe Natur. Hier ist zu berücksichtigen, ob durch eine Maßnahme in der Summe Natur eingespart werden konnte (vgl. Ökobilanzierung). Nur selten ist unmittelbar, d. h. ohne eine genauere Analyse, zu erkennen, wie viel Material zur Herstellung eines bestimmten Produktes direkt und indirekt in Anspruch genommen wurde - dem Produkt ist es nicht anzusehen.

Wichtigste Anforderung an ein „Mipshaus“ ist deshalb die Berücksichtigung der lebenszyklusweiten Ressourceneffizienz von der „von der Wiege bis zur Bahre“ bereits während der Planungsphase.

mipsHAUS-Institut

Das mipsHAUS-Institut (mHI) ist ein gemeinnütziges Forschungsinstitut in Wuppertal zur Förderung ressourceneffizienten Bauens. 2004 wurde das Institut von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Architekten, Sicherheits- und Bauingenieuren sowie Wissenschaftlern gegründet, der Sitz ist im Kolkmannhaus in der Wuppertaler Hofaue.

Es entwickelt auf Basis MIPS-Konzeptes Strategien, Bewertungsmaßstäbe und Instrumente zur Übertragung dieses Bewertungsmaßstabes auf den Bereich des Bauens, es versteht sich als Plattform für alle am Bauprozess beteiligten wie Bauherren, Handwerkern, Baustoffindustrie und den Normen- und Gesetzgebern. Es führt sowohl durch öffentliche Institutionen geförderte Auftragsforschung durch als auch über allgemeine Spenden finanzierte eigene Weiterentwicklung der Anpassung des MIPS-Konzeptes auf den Bausektor.

Siehe auch

Literatur

  • Friedrich Schmidt-Bleek: Wieviel Umwelt braucht der Mensch? Faktor 10 - Das Maß für ökologisches Wirtschaften. Birkhäuser, 1993; DTV, München 1997, ISBN 3-423-30580-0
  • Friedrich Schmidt-Bleek; unter Mitarb. von Willy Bierter: Das MIPS-Konzept: weniger Naturverbrauch - mehr Lebensqualität durch Faktor 10. Droemer, München 1998, ISBN 3-426-26982-1
  • Friedrich Schmidt-Bleek: MAIA : Einführung in die Material-Intensitäts-Analyse nach dem MIPS-Konzept. Birkhäuser, Berlin 1998, ISBN 3-7643-5949-8
  • Friedrich Schmidt-Bleek (Hrsg.): Das Wuppertal-Haus: Bauen und Wohnen nach dem MIPS-Konzept. Birkhäuser, Basel 1999, ISBN 3-7643-6017-8

Weblinks


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