Michael Linden

Michael Linden im Juni 2010

Michael Linden (* 30. Juli 1948 in Simmern/Hunsrück in Rheinland-Pfalz) ist ein deutscher Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Psychologischer Psychotherapeut.

Leben

Michael Linden ist 1948 im rheinlandpfälzischen Simmern/Hunsrück als Sohn des Arztes Franz Linden geboren. 1967 legte er am Staatlichen Gymnasium am Kurfürstlichen Schloss in Mainz sein Abitur ab. Er studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und an der Freien Universität Berlin sowohl Humanmedizin als auch Psychologie. Er promovierte über das Thema Das autogene Training: eine lerntheoretische Darstellung auf der Grundlage von Experimenten zum Verhalten des Kreislaufs und der Atmung[1]. Später erwarb er den Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie den Facharzt für Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin. Außerdem erhielt er die Approbation als Psychologischer Psychotherapeut. Seine Habilitation erfolgte 1986 im Fach Psychiatrie an der Freien Universität mit der Habilitationsschrift Phase-IV-Forschung in Nervenarztpraxen. Untersuchungen zur Therapie mit Antidepressiva. Am 7. März 1994 wurde er zum Professor für Psychiatrie an der Freien Universität Berlin ernannt.

1982 wurde er Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der Freien Universität Berlin und war von 1997 bis 1998 leitender Oberarzt der Klinik. Seit 1998 ist er Leiter der Abteilung Verhaltenstherapie und Psychosomatik und ist als Arzt im Rehabilitationszentrums Seehof an der BfA-Klinik Seehof in Teltow bei Berlin tätig. Momentan ist er Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Charité Universitätsmedizin Berlin.[2]

Michael Linden ist der Erstbeschreiber der posttraumatischen Verbitterungsstörung. [3][4][5]Nach dem zur Zeit aktuellen Diagnoseschlüssel, der ICD 10, handelt es sich allerdings nicht um eine anerkannte Diagnose. Als Psychotherapie der Verbitterung entwickelte er die Weisheitstherapie.[6][7].

Er ist seit 1981 mit Evelyn Linden verheiratet und Vater von zwei Söhnen und einer Tochter. Er ist römisch-katholisch und seit 2009 Stiftungsrat der Stiftung Mater Dolorosa Berlin-Lankwitz.[8]

Mitgliedschaften

Michael Linden ist Mitglied, Gründungspräsident und langjähriger Vorsitzender des Deutschen Fachverbandes für Verhaltenstherapie. Er ist beratendes Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie der Bundesregierung.

Er ist Sprecher des Referats Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde und ärztlicher Vorsitzender des Ausschusses der Ausbildungsinstitute des Deutschen Fachverbandes für Verhaltenstherapie.

Auszeichnungen

  • 1997: Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie
  • 1997: Research Award in Psychogeriatrics of the International Psychogeriatric Association
  • 2001: Preis der Arbeitsgemeinschaft für Neuropharmakologie und Pharmakopsychiatrie
  • 2002: Forschungspreis Depression und Angst, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Münster
  • 2002: Posterpreis beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie
  • 2004: Forschungspreis Psychotherapie in der Medizin durch die Akademie für Psychotherapie, Würzburg
  • 2006: Boxberger-Preis Bad Kissingen
  • 2007 Psychotherapiepreis der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Embitterment: Societal, psychological, and clinical perspectives, Linden/Maercker (Herausgeber), Wien: Springer, 2010, ISBN 978-3-21199-740-6
  • Salutotherapie in Prävention und Rehabilitation, Linden/Weig (Herausgeber), Deutscher Ärzte-Verlag, 2009, ISBN 978-3-7691-0555-1
  • Weisheitskompetenzen und Weisheitstherapie: die Bewältigung von Lebensbelastungen und Anpassungsstörungen, mit Kai Baumann, Verlag Lengerich, 2008, ISBN 978-3-89967-490-3
  • Verhaltenstherapiemanual, Linden/Hautzinger (Herausgeber), Springer-Verlag, 2008, ISBN 978-3-540-75739-9
  • Rehabilitations-Psychopharmakotherapie: Arzneimittelbehandlung chronifizierender und chronifizierter psychischer Syndrome, Linden/Müller (Herausgeber), Deutscher Ärzte-Verlag, 2005, ISBN 3-7691-0473-0
  • Pharmakotherapie, Linden (Gastherausgeber), Karger-Verlag, 2001, ISBN 3-8055-7283-2
  • Phase-IV-Forschung: Antidepressiva in der Nervenarztpraxis, Springer-Verlag, 1987, ISBN 3-540-18216-0
  • The Posttraumatic Embitterment Disorder, Linden, M., Rotter, M., Baumann, K., Lieberei, B. (Herausgeber), Hogrefe & Huber-Verlag, 2007. ISBN 978-0-88937-344-0
  • Herausgeber der Zeitschrift Verhaltenstherapie und Mitherausgeber weiterer Zeitschriften, wie zum Beispiel Der Nervenarzt, Münchener Medizinische Wochenschrift, Psychopharmakotherapie, Pharmacopsychiatry, The Journal of Cognitive Psychotherapy, Primary Care Psychiatry, Rehabilitation, sowie Rezensent mehrerer weiterer Zeitschriften.

Einzelnachweise

  1. Dissertation im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  2. Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation
  3. Linden, M. (2003). Posttraumatic Embitterment Disorder. Psychotherapy and Psychosomatics, 72, 195 – 202.
  4. Linden, M., Schippan, B., Baumann, K., Spielberg, R.(2004). Die posttraumatische Verbitterungsstörung (PTED). Abgrenzung einer spezifischen Form der Anpassungsstörungen. Der Nervenarzt, 75, 51–57.
  5. Linden, M., Rotter, M., Baumann, K., Lieberei, B. (2007). The Posttraumatic Embitterment Disorder. Toronto: Hogrefe & Huber.
  6. Baumann/Linden: Weisheitstherapie, Springer Verlag
  7. Michael Linden: Weisheitstherapie
  8. Mitglieder des Stiftungsrats

Weblinks


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