Michael Succow

Michael Succow 1991 während einer Exkursion in einem Moor in Brandenburg

Michael Succow (* 21. April 1941 in Lüdersdorf bei Bad Freienwalde) ist ein deutscher Biologe und Agrarwissenschaftler. In zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen hat er sich insbesondere als Moor-Ökologe auch international profiliert. Vor allem seine ökologisch-hydrologische Moortypisierung gilt heute als Standardwerk der Moorkunde. Seit 1997 ist er Träger des Right Livelihood Award in Anerkennung seiner Verdienste um die Einrichtung vieler Naturschutz-Großreservate in Ostdeutschland, Osteuropa und Asien.

Beruflicher Werdegang

1960 bis 1965 studierte Succow Biologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, wo er bei Franz Fukarek promoviert wurde. Danach war er vier Jahre lang Wissenschaftlicher Assistent am Botanischen Institut dieser Hochschule. Nachdem er offen mit den Reformprozessen des Prager Frühlings sympathisierte, musste er 1969 seine universitäre Laufbahn auf Druck des DDR-Regimes zunächst aufgeben. Succow arbeitete nun als bodenkundlicher Standorterkunder und wurde später Brigadeleiter eines sogenannten Meliorationskombinats. Nach seiner Promotion 1970 mit einem moorvegetationskundlichen Thema arbeitete er mehrere Monate in der Mongolei, bevor er langjähriger Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bodenkundlichen Institut der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR wurde. 1987 wurde Succow zum Professor der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR ernannt, nachdem er sich wiederum mit einem moorkundlichen Thema habilitiert hatte.

1990 war Succow als kurzzeitiger Stellvertreter des Ministers für Natur-, Umweltschutz und Wasserwirtschaft der DDR für Ressourcenschutz und Landnutzungsplanung verantwortlich. Am 12. September 1990 wurde auf Betreiben Succows im Ministerrat der DDR – auf dessen letzter Sitzung vor seiner Auflösung – das Nationalpark-Programm beschlossen, mit dem sieben Prozent der Fläche der DDR als Nationalpark oder Biosphärenreservat unter strengen Naturschutz gestellt wurden.

Nach der „Wende“ 1990 nahm Michael Succow zunächst eine Gastprofessur an der Technischen Universität Berlin am Institut für Ökologie an. Nach verschiedenen beratenden Tätigkeiten für das Land Brandenburg und auf internationaler Ebene – beispielsweise in Georgien mit der Initiierung von sieben Nationalparks – kam 1992 eine Berufung zum Universitätsprofessor für Geobotanik und Landschaftsökologie und Direktor des Botanischen Institutes und Botanischen Gartens der Universität Greifswald als Nachfolger seines Doktorvaters Franz Fukarek. In den Folgejahren baute er einen eigenen Studiengang „Landschaftsökologie und Naturschutz“ auf.

Daneben arbeitete Succow seit 1990 in verschiedenen Ländern des ehemaligen Warschauer Paktes sowie in Zentral- und Ostasien, um dort Naturschutzgroßprojekte zu initiieren: UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiete in Kamtschatka, im Lena-Delta und in Karelien, Biosphärenreservate der UNESCO in Kirgisistan, Kasachstan und Usbekistan sowie Nationalparke in der Mongolei, in Georgien, in Russland und Weißrussland. Nach Gründung der „Michael-Succow-Stiftung zum Schutz der Natur“, die mit dem Preisgeld für den Alternativen Nobelpreis aufgebaut wurde, unterstützte er vor allem die Republik Aserbaidschan bei der Umsetzung eines Nationalparkprogramms mit bis zu acht Reservaten.

Michael Succow bekleidet neben seiner beruflichen Arbeit zahlreiche Ehrenämter und wissenschaftliche Beiratsfunktionen in Naturschutzorganisationen und -institutionen.

Auszeichnungen

  • 1990 Lina Hähnle-Medaille des Naturschutzbundes Deutschland
  • 1990 Deutscher Kulturpreis für das Nationalparkprojekt „Unteres Odertal“ (Deutsch-Polnischer Nationalpark)
  • 1991 Hans-Klose-Preis
  • 1992 Bruno-H.-Schubert-Preis
  • 1992 Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz in Vaduz
  • 1997 Right Livelihood Award in Stockholm
  • 2000 URANIA-Medaille für besondere Leistungen in der wissenschaftlichen Volksbildung
  • 2001 Goldener Baum – Umweltpreis der Stiftung für Ökologie und Demokratie e. V.
  • 2001 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • 2005 Verdienstorden des Landes Brandenburg
  • 2006 Rubenow-Medaille der Stadt Greifswald
  • 2011 Tourismuspreis Mecklenburg-Vorpommern

Literatur

Weblinks

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