Naturschutzbund Deutschland

Naturschutzbund Deutschland
NABU Logo
Gründer Lina Hähnle
Typ eingetragener Verein
Gründung 1899
Sitz Berlin, Charitéstr. 3, 10117 Berlin
Ursprung Bund für Vogelschutz (BfV)
Personen

Olaf Tschimpke (Präsident)

Schwerpunkt Umwelt- und Naturschutz
Mitglieder 502.000 (2011)
Motto Für Mensch und Natur
Website www.nabu.de

Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) ist eine deutsche nichtstaatliche Organisation, die sich vor allem konkreten Zielen des Naturschutzes im In- und Ausland zuwendet, etwa dem Schutz von Flüssen, von Wäldern oder einzelner Tierarten.

Er wurde 1899 gegründet und setzt sich als einer der großen, anerkannten Naturschutzverbände in Deutschland für Mensch und Natur ein. Der NABU führt konkrete Naturschutzprojekte durch, unterhält eigene Forschungsinstitute, betreibt Umweltbildung und informiert Massenmedien und Bürger über wichtige Themen im Umwelt- und Naturschutz. Vom Staat ist der Verein als Umwelt- und Naturschutzverband (im Rahmen des Bundesnaturschutzgesetzes) anerkannt[1] und muss daher bei Eingriffen in den Naturhaushalt angehört werden. Außerdem verfügt er aus dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz über ein Verbandsklage-Recht.

Der NABU hat über 502.000 Mitglieder und Förderer (Stand: 2011)[2]. Sie sind in ganz Deutschland in etwa 2.000 lokalen Gruppen organisiert. Der NABU ist die nationale Partnerorganisation von BirdLife International.

Präsident des NABU ist seit dem 21. Juni 2003 Olaf Tschimpke.

Aufgaben und Ziele

Zu den Aufgaben des NABU gehört die überparteiliche politische Arbeit. Leitbild ist dabei eine lebenswerte Umwelt. Der NABU mischt sich auf gesetzlicher Grundlage ein, wird an behördlichen Naturschutzverfahren beteiligt und begutachtet Eingriffe in die Natur. Dabei geht es vor allem darum, Umweltschäden zu vermeiden und hierfür konstruktive, praktikable Lösungen vorzuschlagen.

Zu den Zielen des NABU gehört es, Bewusstsein für die Natur zu schaffen und über sie zu informieren. Über den Erhalt einzelner Schutzgebiete hinaus sind auch langfristige Lösungen und ein konsequentes Umdenken gefragt. Deshalb bringt der NABU die Umwelt in die Medien – zum Beispiel mit Kampagnen für naturnahe Waldwirtschaft, ökologische Landwirtschaft oder für eine ökologische Steuerreform. Verteilt über ganz Deutschland bieten außerdem rund hundert NABU-Naturschutzzentren Information und Umweltbildung an. Oft wird dort gleichzeitig praktische Naturschutzarbeit geleistet, indem ein bestimmtes Gebiet geschützt und gepflegt wird. Die Mitglieder des NABU betreiben vielfach praktischen Naturschutz vor Ort: Sie pflanzen Hecken, stellen Krötenzäune (Amphibienschutz) auf und schützen so bedrohte Tierarten. Darüber hinaus betreuen sie mehr als 5000 Schutzgebiete. Der NABU ist auch international aktiv und hilft beispielsweise, das Weltnaturerbe Russlands zu retten oder in Kirgisistan die letzten Schneeleoparden vor dem Aussterben zu bewahren.

Die NABU-eigenen Forschungsinstitute, wissenschaftlichen Fachausschüsse und Arbeitskreise leisten dabei Grundlagenarbeit. Sie erarbeiten Konzepte und geben Fachpublikationen heraus. Die Arbeitsgebiete reichen von naturwissenschaftlichen Spezialthemen über Verkehr- und Energiepolitik bis hin zu ökologischer Land- und Forstwirtschaft.

Der NABU ist ein nach §§ 58, 59 BNatSchG a.F.Vorlage:§/Wartung/buzer anerkannter Verein. Die Anerkennung gilt nach § 5 Abs. 2 UmweltrechtsbehelfsgesetzVorlage:§§/Wartung/buzer fort. Der NABU wirkt nach § 63 BNatSchGVorlage:§§/Wartung/juris-seite im Bund und in den Ländern bei der Vorbereitung von Verordnungen zum Naturschutz und zur Landschaftspflege, in Planfeststellungsverfahren, die mit Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden sind und bei Plangenehmigungen mit, für die eine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen ist.[3]

Geschichte

Bund für Vogelschutz

Am 1. Februar 1899 gründete Lina Hähnle in Stuttgart den „Bund für Vogelschutz“ (BfV). Zweck des Bundes war der Schutz der einheimischen Vogelwelt, durch Schaffung von Nisthilfen, Fütterung im Winter und Aufklärung der Bevölkerung, beispielsweise durch ein Verbot der damaligen Vogelfeder-Hutmode. Lina Hähnle selbst strebte einen breiter angelegten Naturschutz an und stimmte dem Namen und Vereinszweck unter der Bedingung zu, dass unter der Flagge des Vogelschutzes für die gesamte Natur Sorge getragen würde. Bis 1938 war sie Vorsitzende und gewann mit ihrem Konzept eines besonders niedrigen Jahresbeitrags von 50 Pfennigen für Erwachsene und 10 Pfennigen für Kinder bis über 41.000 Mitglieder. Das erste betreute Schutzgebiet war die Vogelinsel bei Giengen an der Brenz.

Der Naturschutzverband in der Zeit des Nationalsozialismus

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Auf Anordnung des Reichsforstamts erfolgte 1935 eine Umbenennung in „Reichsbund für Vogelschutz (RfV)” und die Gleichschaltung bis 1945. Durch einen Erlass des Reichsforstmeisters Hermann Göring vom 24. September 1938 waren neben diesem Einheitsverband keine anderen Vogelschutz-Vereine mehr zulässig.

Der Naturschutzverband nach 1945

Nach 1945 änderte sich die Ausgangslage des nationalen Naturschutzvereins auf dem Gebiet der BRD noch einmal gravierend. Die Geschäftsstellen des Vogelschutzbundes in Stuttgart, München und Berlin waren völlig zerstört. Ab 1946 erfolgte unter der Präsidentschaft Hermann Hähnles der Wiederaufbau des Vereins und unter dem alten Namen „Bund für Vogelschutz“ wurden wieder die ersten Gruppen vor Ort aktiv. Im Laufe des Jahres 1946 ließen die Besatzungsmächte auch wieder regionale Vereinigungen zu.

Im Juli 1946 erteilte die Militärregierung dem Bund für Vogelschutz für die amerikanisch besetzte Zone Nordwürttemberg/Nordbaden die Genehmigung zum Aufbau einer Verbandsarbeit. Der Verbandssitz blieb Stuttgart bzw. Giengen, jedoch blieb die Zusammenarbeit mit Aktivitäten in anderen Zonen informell. Am 6. November 1948 wurde der Bund für Vogelschutz wieder offiziell als Rechtsnachfolger des Reichsbundes für Vogelschutz zugelassen und Hermann Hähnle offiziell als Vorsitzender gewählt.

Erich Ficker führte die „Geschäftsstelle für die sowjetische Besatzungszone“ und hielt Kontakt zur Verbandszentrale in Giengen. Mit der Entstehung der beiden deutschen Staaten brach die organisatorische und praktische Arbeit zwischen Ost und West auseinander. Die Naturschutzgruppen im Osten gingen in der Abteilung Natur- und Heimatfreunde des im Juli 1945 gegründeten Kulturbundes auf. Erst 1980 entsteht innerhalb des Kulturbundes die Gesellschaft für Natur und Umwelt (GNU), die bis zu 50.000 Mitglieder hatte mit 4900 Aktiven in 280 Vogelschutz-Fachgruppen.

Um 1950 hatte sich der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) selbständig gemacht. Allerdings wurde der LBV noch 1962 als DBV Landesgruppe gelistet und ab 1971 war der LBV kurzzeitig wieder Mitglied im Dachverband DBV. Verbindlich war die Eigenständigkeit des bayrischen LBV erst ab 1974, wonach alle Versuche ihn wieder in den DBV/NABU zu integrieren scheiterten.

In Westdeutschland wurde 1966 der BfV in „Deutscher Bund für Vogelschutz“ (DBV) umbenannt und in Landesverbände untergliedert. Der Weißstorch wurde zum Wappenvogel. 1971 wurde der Wanderfalke zum ersten „Vogel des Jahres“ gekürt, seither wird dieser Titel jedes Jahr vergeben. 1982 wurde die eigenständig arbeitende Jugendabteilung „DBV-Jugend“ gegründet und später in „Naturschutzjugend“ (NAJU) umbenannt.

1990 wurde der Naturschutzbund der DDR aus Teilen der vormaligen Gesellschaft für Natur und Umwelt gegründet. Im selben Jahr fand der Zusammenschluss mit den in der DDR neu gegründeten Landesverbänden und die Umbenennung zu „Naturschutzbund Deutschland e.V.“ (NABU) statt. Der damalige NABU-Vizepräsident Prof. Dr. Michael Succow setzte sich stark für das damalige DDR-Nationalparkprogramm ein. Aus dem „DDR-NABU“ wurde die heutige Fachausschussstruktur übernommen, die zusätzlich zur "vertikalen Gliederung" des Verbandes intensive Projektarbeit ermöglicht.

Mit der Präsidentschaft von Jochen Flasbarth nahmen die intensiven Beteiligungen des NABU an Gesetzgebungsverfahren auf nationaler und europäischer Ebene stark zu. Durch intensive Lobbyarbeit wurde 1992 die Aufnahme eines „Staatsziels Umweltschutz“ in das Grundgesetz erreicht. Im selben Jahr nahm der NABU an der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung teil und machte die Umsetzung der Rio-Beschlüsse (Klimakonvention, Konvention zur Artenvielfalt und Agenda 21) zu zentralen Bestandteilen seiner Verbandsarbeit.[4]

Sitz der Bundesgeschäftsstelle war bis Oktober 2007 Bonn. Mit diesem Datum zog die gesamte Bundesgeschäftsstelle in die Charitéstraße nach Berlin.[5]

DBV/NABU-Präsidenten

Organisatorische Gliederung

Infostand des NABU auf einer Anti-Gentechnik-Demo in Karlsruhe im Juni 2007
Meeresschutzaktion Habitat Mare der NAJU auf der Ostsee im Juli 2007

Der NABU ist ein föderal organisierter Verband mit Landesverbänden in 15 deutschen Bundesländern. In Bayern ist der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (kurz LBV) der Partnerverband. Die Organisationsstruktur des NABU reicht bis zu Ortsgruppen in den einzelnen Gemeinden.

Die Jugendorganisation des NABU, die Naturschutzjugend NAJU, arbeitet ebenfalls auf allen Ebenen des Bundes mit und zählt zu den mitgliederstärksten Kinder- und Jugendorganisationen in Deutschland. Eine schon seit den 80er Jahren jährlich durchgeführte Aktion der NAJU ist der „Erlebte Frühling“.

Im NABU-Bundesverband arbeiten über 30 ehrenamtlich tätige Bundesfachausschüsse und Bundesarbeitsgruppen an speziellen Themen. Die Palette reicht von einzelnen Artengruppen wie Insekten und Vögeln über Landnutzungsthematiken wie „Wald und Wild“ oder „Streuobst“ bis zu umweltpolitischen Themen wie „Verkehr“ oder „Abfall“, „Energie“ und „Chemie“. Im Bundesfachausschuss „Internationales“ gibt es darüber hinaus zahlreiche Aktivitäten speziell in Mittelasien, im Kaukasus und in Afrika sowie im Zugvogelschutz, z. B. für ziehende Greifvögel an der Straße von Messina in Süditalien. Spezielle Fachzeitschriften und teilweise auch umfangreiche Serviceleistungen existieren für die Bereiche Fledermausschutz, Streuobst, Entomologie und Mykologie.

Die gemeinnützige NABU-Stiftung Nationales Naturerbe kauft in ganz Deutschland Naturschutzflächen, die von herausragender Bedeutung für die heimische Artenvielfalt sind und kümmert sich auch um die fachgerechte Betreuung, Verwaltung und Pflege von Naturschutzgrundstücken des NABU.

Wirtschaftliche Lage

Zum Jahresende 2009 hatte der Verband über 460.000 Mitglieder und Förderer. Die Einnahmen werden in erster Linie aus Beiträgen, Spenden, Erbschaften, Zuschüssen und Bußgeldern bezogen und beliefen sich für den NABU-Bundesverbandes – also ohne die Landes-, Kreis- und Ortsverbände – im Jahr 2009 auf 20.946.962 Euro.[6]

Aktionen

Dinosaurier des Jahres

Seit 1993 wird der Dinosaurier des Jahres als Negativpreis an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vergeben, die nach Ansicht der Naturschützer veraltete Umweltstandards vertreten bzw. „sich sowohl durch herausragende Einzelleistungen als auch durch die Summe ihres Gesamtwerkes in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert erwiesen haben.“[7]

Bird Watch

Seit Ende der 1990er Jahre beteiligt sich der NABU mit Aktionen an der Internationalen Zugvogelbeobachtung "European Bird Watch" bzw. "International Bird Watch". Dabei werden jeweils am ersten Oktoberwochenende Veranstaltungen zum Thema Vogelzug angeboten, um auf den Schutz von Zugvögeln, Rast- und Überwinterungsgebieten aufmerksam zu machen und Begeisterung für die Vogelbeobachtung zu wecken.

European Bat Night

Ende August finden europaweit Veranstaltungen zum Thema Fledermäuse statt, so in Deutschland die „Europäische Fledermausnacht“ (engl. European Bat Night) unter der Regie des NABU. Angeboten werden z. B. Exkursionen, Vorträge oder Spiele-Aktionen.

Stunde der Gartenvögel und Stunde der Wintervögel

Die Stunde der Gartenvögel ist die derzeit deutschlandweit größte Aktion zur Vogelbeobachtung. Sie wird vom Naturschutzbund Deutschland seit 2005 jährlich im Mai veranstaltet. Als Pendant zu der Aktion, bei der die Beteiligung sinkt, wurde im Jahr 2011 erstmals bundesweit die Stunde der Wintervögel veranstaltet. Die Beteiligung von Naturfreunden daran war so stark, dass der für die Datenannahme programmierte Server zeitweise überfordert war. Die "Stunde der Wintervögel" gab es bereits in Vorjahren auf Landesebene, so z. B. in Bayern, getragen durch den LBV. Vorbild für diese Aktionen ist der bereits seit Jahrzehnten in Großbritannien erfolgreiche "Big Garden Bird Watch". Bei diesem Public Science-Projekt werden Daten zur Vogelwelt nach einer einheitlichen Vorgabe erhoben. Durch die Menge von tausenden von Daten fallen z. B. einzelne Bestimmungsfehler nicht ins Gewicht und es können regionale Unterschiede und Trendaussagen zu den Beständen der häufigen Arten gemacht werden.

Vogel des Jahres

Seit 1971 kürt der NABU regelmäßig den Vogel des Jahres, um auf die Gefährdung der Tiere und deren Lebensräume aufmerksam zu machen.

Willkommen Wolf!

Der NABU begleitete von Anfang an die Rückkehr und Wiederansiedelung des Wolfes in Deutschland. Er wirbt für Konzepte für den Umgang mit dieser Tierart in den „Wolfsregionen“ und versucht durch verschiedene Aktionen die Bevölkerung über Wölfe aufzuklären und dabei mit Ammenmärchen aufzuräumen.

Politische Arbeit

Während der Verband sich zu Zeiten des Deutschen Bundes für Vogelschutz fast ausschließlich für den Naturschutz engagierte, erfuhr seine Arbeit unter der Präsidentschaft von Jochen Flasbarth eine zunehmende Ausdehnung auf Umweltthemen im weiteren Sinne und das Engagement in gesellschaftlichen und politischen Debatten. Als größter deutscher Naturschutzverband sieht sich der NABU in Berlin auch als "Lobbyist für die Natur".

Der Verband besetzt zunehmend weitere Politikfelder, wie den Klimaschutz, die Internationale Meerespolitik, den Ökologischen Landbau u.a.

Zudem startet der NABU eigene Kampagnen, die teilweise langen Atem erfordern. Seit mehreren Jahren ist er der größte Akteur in der Kampagne gegen die geplante feste Beltquerung mittels einer 19 km langen Hängeseilbrücke von Fehmarn nach Dänemark.

Erneuerbare Energien

Seit einigen Jahren engagiert sich der NABU dafür, bei Streitfällen um Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien vor Ort zu vermitteln und gemeinsam konstruktive Lösungen zur Umwelt- und Naturverträglichkeit zu erarbeiten. Schwerpunkte waren dabei bisher Konflikte um Vogelschutz und Windenergie an Land sowie Anforderungen an die Errichtung von Solarparks auf Freiflächen.

Grundsätzlich spricht sich der NABU für den Bau von Windkraftanlagen aus, da die Windenergie die bedeutendste und wirtschaftlichste Art der regenerativen Stromerzeugung sei. Großes Potential habe das Repowering, jedoch werden auch Offshore-Windparks als wichtig angesehen. Allerdings wird betont, dass die Standorte für Windparks sehr sorgfältig ausgewählt werden müssten und ökologisch besonders wertvolle Gebebiete frei von der Windenergienutzung bleiben sollten. Jedoch sei "ein Großteil der Windkraftanlagen bzw. Windparks aus naturschutzfachlicher Sicht unproblematisch".[8] Auch dürfe der Naturschutz nicht als Argument benutzt werden, um die Windkraft grundsätzlich zu verhindern.[9]

Künftig wird vor allem das Thema "Regionale Biomassenutzung" an Bedeutung gewinnen. Für den Ausbau und die Nutzung aller erneuerbaren Energien müssen aus Sicht des NABU Rahmenbedingungen definiert und eingehalten werden. Entsprechendes vertritt das NABU-Referat für Landnutzung und Gentechnik, das die Artenvielfalt (Biodiversität) sowohl durch Monokulturenanbau für Biotreibstoffe als auch durch Agro-Gentechnik bedroht sieht.

Neben einer transparenten Planung und der Einbindung des Sachverstands aus den Umwelt- und Naturschutzgruppen vor Ort kann Mediation einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Umgang der Beteiligten mit Konflikten zu verbessern und vor Ort akzeptierte Lösungen für erneuerbare Energien zu entwickeln. Über eine Projektförderung des Umweltbundesamts hatte der NABU die Möglichkeit, im Jahr 2007 beispielhaft Erfahrungen mit der Durchführung von Mediationsverfahren zu sammeln und auszuwerten.

Der NABU ist Mitglied des Grüner Strom Label e.V., der das gleichnamige Gütesiegel für Ökostrom-Angebote vergibt.

Klimaschutz

2012 forderte der NABU zusammen mit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) eine verlässliche Förderung des KfW-Programms zur energetischen Gebäudesanierung. Da die Förderung von den Einnahmen der Klimazertifikate marktabhängig ist, forderten die beiden Organisationen eine Umstellung der Zuschüsse für das KfW-Gebäudesanierungsprogramm. Diese sollten stattdessen als Zuschüsse im Haushalt fest einplant werden.[10]

Kritik

In der NDR Fernsehsendung “Menschen und Schlagzeilen“ vom 23. August 2011 sowie in der Sendung Panorama: „Geld statt Widerstand – wie sich Umweltverbände kaufen lassen“, die das Erste am 15. März 2012 ausstrahlte, wurde kritisiert, dass sich die NABU auch immer öfter zum Gehilfen der Industrie machen lässt, durch den Verzicht von Klagen gegen Geld für die Stiftung, so z.B. auch beim Flughafen Lübeck und den geplanten Windpark Nordergründe, für dessen Klageverzicht die Stifung 810.000 Euro kassierte.[11]

Dabei bezeichnete der Bund selber diese Gebiete vorher als erheblich ungeeignet auf Grund des Vogelschlags.[12]

So hatte auch der NABU-Hessen hatte vor dem Verwaltungsgerichtshof Hessen gegen die Inbetriebnahme von Windkraftanlagen in einem EU-Vogelschutzgebiet bereits weitgehend Recht bekommen. Wegen der Einhaltung des Artenschutzes musste der Betrieb von 5 WKA eingestellt werden, die durch Vogelschlag besonders den Rotmilan gefährdeten.[13] Nach dem die Windkraftbetreiber dem NABU eine Zahlung von 500.000 € für einen “Fond” gegen einen Klageverzicht anboten, ist jedoch auch diese Klage hinfällig geworden.[14]

Internationale Arbeit

Die NABU International-Arbeit ist als Fachbereich der Bundesgeschäftsstelle in Berlin angesiedelt und umfasst ein vielfältiges Tätigkeitsfeld auf internationaler Ebene. Unter NABU International werden auch die internationalen Aktivitäten der Ehrenamtler im NABU zusammengefasst. Beispiele für internationale Projektarbeit im NABU sind:

  • Unterstützung zahlreicher Naturschutz- und Artenschutzprojekte z.B. in Kenia, im Kaukasus, in Kirgisistan
  • Teilnahme an internationalen Konferenzen oder Durchführung solcher (CITES, CBD, Großschutzgebiete, Meeresschutz, Wald)
  • Politische Präsenz auf EU-Ebene durch das Brüsseler NABU-Büro
  • Ständiger enger Kontakt zu den internationalen Partnern im Netzwerk BirdLife International
  • Beteiligung an Internationalen Aktionen (Zugvogelschutz Migration Unlimited in Süditalien und Malta)

Im November 2009 hat der NABU die NABU International Naturschutzstiftung für die Internationale Arbeit gegründet. Die Stiftung hat ihren Sitz in München.[15]

Kooperationen

Der NABU kooperiert mit politischen Interessengruppen und kommerziellen Unternehmen zur Förderung einzelner Projekte oder zur politischen Durchsetzung von naturschutzpolitischen Forderungen. Neben den Kooperationen mit einzelnen Unternehmen hat der NABU Anfang des Jahres 2007 die NABU-Unternehmerinitiative gegründet. Innerhalb und außerhalb des Naturschutzverbandes sind einige Unternehmenskooperationen umstritten.

Bereits seit 1996 betreiben NABU und WWF mit Förderung durch die Lufthansa das Kranichinformationszentrum[16] in Groß Mohrdorf (Mecklenburg-Vorpommern).

NABU und Volkswagen arbeiten im Rahmen einer langfristig angelegten Kooperation seit 2009 eng zusammen. Ziel ist es, "zur Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung eigene konstruktive Beiträge zu leisten".[17] Konkret soll das durch bundesweit gemeinsame Spritspar-Aktionstage mit NABU-Ortsgruppen und Volkswagen-Händlern umgsetzt werden. Darüber hinaus findet regelmäßig die Lobby-Veranstaltungsreihe "Mobil im Dialog" zu verschiedenen umwelt- und verkehrspolitischen Themen statt. VW fördert im Gegenzug die Wolfs-Kampagne des NABU.

Mit naturgucker.de bestehen Kooperationen mit einzelnen Landesverbänden seit 2009[18], mit dem Bundesverband seit 2012[19].

Weblinks

 Commons: Naturschutzbund Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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Einzelnachweise

  1. Bundesministerium für Umwelt: Vom Bund nach dem Bundesnaturschutzgesetz anerkannte Vereine, Stand 26. August 2009
  2. Jahresbericht 2011. Naturschutzbund Deutschland e.V., 9. August 2012, abgerufen am 23. August 2012.
  3. Vom Bund nach dem Bundesnaturschutzgesetz anerkannte Vereine. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 31. Juli 2007, abgerufen am 1. Februar 2009.
  4. http://www.nabu.de/nabu/portrait/geschichte/00349.html#2
  5. http://www.nabu.de/nabu/portrait/bundesgeschaeftsstelle/
  6. NABU-Jahresbericht 2009, online
  7. Air-Berlin-Chef erhält den Dino 2007; Tschimpke: Joachim Hunold ist ein Umweltsünder ohne schlechtes Gewissen. In: Naturschutzbund Deutschland (NABU). Naturschutzbund Deutschland (NABU), 28. Dezember 2008, abgerufen am 25. Juni 2008.
  8. Grundsatzprogramm Energie. NABU. Abgerufen am 8. März 2012.
  9. "Grundsätzlich" erlaubte Räder. In: TAZ, 7. März 2012. Abgerufen am 7. März 2012.
  10. NABU Presseerklärung NR. 12-01-20
  11. Geld statt Widerstand: Wie sich Umweltverbände kaufen lassen in: Panorama vom 15. März 2012
  12. http://www.wattenrat.de/2012/03/nebeltopfe-bund-reaktion-auf-panorama-sendung-„geld-statt-widerstand“/
  13. http://www.fr-online.de/rhein-main/vogelsberg-nabu-erzwingt-abschaltung-von--windraedern,1472796,16302454.html
  14. http://www.wattenrat.de/2012/12/nabu-hessen-windiger-kompromiss-im-eu-vogelschutzgebiet-geschaftsmodell-klageverzicht-gegen-bares/
  15. NABU International Naturschutzstiftung auf NABU.de – Abgerufen am 14. Juni 2012
  16. Kranichschutz Deutschland: Kranich-Informationszentrum
  17. http://www.nabu.de/themen/verkehr/nabuvolkswagenimdialog/
  18. Naturgucken macht Spaß! NABU Naturbeobachter im Internet. Hessen natürlich – Ausgabe 2/09, hessischer Regionalteil von Naturschutz heute, dem Mitgliedermagazin des Naturschutzbundes Deutschland (NABU).
  19. Natur beobachten macht Spaß! Sammeln Sie Ihre Beobachtungsdaten beim Internetportal Naturgucker. http://www.nabu.de/naturerleben/naturgucker/

52.52313613.378625Koordinaten: 52° 31′ 23″ N, 13° 22′ 43″ O


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