Millennium Ecosystem Assessment

Beim Millennium Ecosystem Assessment (MA) handelt es sich um eine groß angelegte und von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Studie, mit der ein systematischer Überblick über den globalen Zustand von 24 Schlüssel-Ökosystemdienstleistungen erstellt wurde. UN-Generalsekretär Kofi Annan gab im Jahr 2001 den Auftrag zu seiner Durchführung. Die Gesamtkosten betrugen 24 Millionen US-Dollar.

Die Resultate des MA wurden im Laufe des Jahres 2005 veröffentlicht. Darin wurde deutlich, dass sich die Erde in einem Zustand der Degradation befindet. 60 % oder 15 von 24 untersuchten Ökosystemdienstleistungen befanden sich in einem Zustand fortgeschrittener und/oder anhaltender Zerstörung.

Zusätzlich zum "Ecosystems & Human Wellbeing: Synthesis" genannten zusammenfassenden Report wurden noch weitere Reports für separate Themen erstellt, darunter eine "Desertification-", eine "Biodiversity", sowie eine "Wetlands & Water-Synthesis", die sich an die entsprechenden internationalen Konventionen als Adressaten richten. Zusätzlich wurden Berichte für Bereiche "Health" sowie "Business and Industry" erstellt.

Prozess

Das Assessment erfolgte durch die Sichtung einer großen Menge an wissenschaftlicher Literatur. Nach einem sehr grob vergleichbaren, auch beim Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zur Anwendung kommenden Peer-Review-Verfahren arbeiteten über 1.300 Autor/-innen aus 95 Ländern an der Erstellung der Reports mit. Zudem wurden neben einem globalen über 20 subglobale Assessments verfasst, die das Konzept der Ökosystemdienstleistungen auf andere Regionen übertragen und untersuchen.

Ein Board leitete den Forschungsprozess, welches sich aus Repräsentant/-innen von UN-Organen, wissenschaftlichen Organisationen, aus dem privaten Sektor, aus der Zivilgesellschaft und von indigenen Organisationen zusammensetzte. Die Koordinierungsfunktion eines zusätzlichen 15-köpfigen Assessment Panels sowie eines Review Boards ist vom United Nations Environment Programme übernommen worden.

Ergebnisse

Vier Ergebnisse hebt das MA besonders hervor:

  • In den vergangenen 50 Jahren sind die Ökosysteme und ihre Dienstleistungen größeren Gefahren und größeren Belastungen ausgesetzt gewesen als je zuvor in der menschlichen Geschichte. Dieser Prozess hat sich mit fortschreitender Zeit beschleunigt, da die menschlichen Bedürfnisse nach Ressourcen exponentiell ansteigen.
  • Während bestimmte für die Entwicklung benötigte Ökosystemdienstleistungen ausgeweitet werden konnten, wurden andere gleichzeitig ernsthaft beschädigt. Diese Schäden werden weitere schwere Auswirkungen in der Zukunft nach sich ziehen.
  • Die beobachteten Degradationen sind ein Hindernis bei der Einhaltung der UN-Millennium-Entwicklungsziele. Die Pläne zur Abschaffung des Hungers und von Seuchen auf der ganzen Welt können mit solch ausgeprägten Umweltschäden nicht erreicht werden.
  • Es bestehen Möglichkeiten, mit denen viele dieser Probleme gelöst und gleichzeitig die Entwicklung der ärmsten Länder voranschreiten könnte, aber hierfür fehlen die institutionellen sowie finanziellen Voraussetzungen.

Siehe auch

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