Nicolas-Claude Fabri de Peiresc

Peirescius ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum Mondkrater siehe Peirescius (Mondkrater).
Nicholas-Claude Fabri de Peiresc.jpg

Nicolas Claude Fabri de Peiresc (latinisiert Peirescius; * 1580 in Belgentier; † 1637 in Aix-en-Provence) war ein französischer Gelehrter, Sammler, Antiquar und Mäzen.

Leben

Peirescs Interessen als Gelehrter waren weit gestreut. Er sammelte antike Gemmen und Münzen, er förderte junge Künstler, indem er ihnen Aufträge verschaffte. Er bestellte bei ihnen unter anderem Abzeichnungen und Abgüsse von Antiken, bei denen er sorgfältige Genauigkeit verlangte, so dass später die eine oder andere Kopie als Original gehandelt werden konnte. Er besaß eine Sammlung von Werken zeitgenössischer Künstler, wie Simon Vouet, Claude Mellan (* 1596 oder 1598; † 1688) und Adrian de Vries.

Von gleicher Bedeutung war sein Interesse an den Naturwissenschaften. So wurde ihm 1916 von Guillaume Bigourdan[1] die Entdeckung des Orionnebels im November 1610 zugeschrieben.[2] Zudem interessierte er sich für die Entzifferung der Hieroglyphen. Teile seiner ägyptischen Sammlung schenkte er dem Jesuiten Athanasius Kircher und legte damit den Grundstein zum berühmten Museum Kircherianum am Collegium Romanum in Rom.

Peiresc pflegte einen ausgedehnten Briefwechsel mit Gelehrten, Künstlern und hohen Würdenträgern in ganz Europa, unter anderem mit Kardinal Francesco Barberini, Galileo Galilei, Giovanni Battista della Porta, Cassiano dal Pozzo, Peter Paul Rubens, Francis Bacon, William Camden, dem befreundeten Dichter und Antiquar Girolamo Aleandro und dem Sekretät der apostolischen Bibliothek in Rom, Lucas Holsten. Er war auch mit dem Philosophen und Astronomen Pierre Gassendi befreundet, der 1641 seine Biografie unter dem Titel Viri illustris Nicolai Claudii Fabricii de Peiresc, senatoris aquisextiensis vita herausgab.

Ehrungen

Charles Plumier benannte ihm zu Ehren die Gattung Pereskia[3] der Pflanzenfamilie der Kakteengewächse (Cactaceae). Carl von Linné übernahm diesen Namen nicht, sondern verwandte den Gattungsnamen Cactus.[4] Philip Miller griff den Namen wieder auf.[5]

Auch Peirescius, ein Krater des Erdmondes, und der Asteroid (19226) Peiresc wurden nach ihm benannt.

Literatur

  • Jacqueline Helling: Nicolas-Claude Fabri de Peiresc: 1580–1637. R. Lielens, Brüssel 1980.
  • Jean-François Lhote, Danielle Joyal (Hrsg.): Correspondance de Peiresc et Aleandro. 2 Bände, Adosa, Clermont-Ferrand 1995.
  • Philippe Tamizey de Larroque (Hrsg.): Lettres de Peiresc à Guillemin, Holstenius et à Menestrier. 1610–1637. 7 Bände, Paris 1888–1898.
    • Band 1: Aux frères Dupuy: Décembre 1617 – Décembre 1628. 1888, (online).
    • Band 2: Aux frères Dupuy: Janvier 1629 – Décembre 1633. 1890, (online).
    • Band 3: Aux frères Dupuy: Janvier 1634 – Juin 1637. 1892, (online).
    • Band 4: Lettres de Peiresc à Borrilly, à Bouchard et à Gassendi. Lettres de Gassendi à Peiresc. 1626–1637. 1893, (online).
    • Band 5: Lettres de Peiresc à Guillemin, à Holsteinius et à Menestrier. Lettres de Menestrier à Peiresc. 1610–1637. 1894, (online).
    • Band 6: Lettres de Peiresc à sa famille et principalement à son frère. 1602–1637. 1894, (online).
    • Band 7: Lettres de Peiresc à divers. 1602–1637. 1898.
  • Harald Siebert: Peirescs Nebel im Sternbild Orion – eine neue Textgrundlage für die Geschichte von M42. In: Annals of Science. Band 66, Nummer 2, 2009, S. 231–246, DOI:10.1080/00033790801968857.

Einzelnachweise

  1. Guillaume Bigourdan: La de´couverte de la ne´buleuse d’Orion par Peiresc. In: Comptes rendus de l’Académie des Sciences. Band 162, 1916,S. 489–490.
  2. Harald Siebert: Die Entdeckung des Orionnebels. Historische Aufzeichnungen aus dem Jahr 1610 neu gesichtet. In: Sterne und Weltraum. Nr. 11, 2010, S. 32–42.
  3. Charles Plumier: Nova Plantarum Americanarum Genera. Leiden 1703, S. 35
  4. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 210
  5. Philip Miller: The Gardeners Dictionary. London 1768, 8. Auflage

Weblinks

 Commons: Nicolas-Claude Fabri de Peiresc – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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