Overo-Lethal-White-Gen

Fuchs mit Overo-Scheckung
Navajojunge auf einem Braunen mit schwach ausgeprägter Frame Overo-Scheckung – man beachte den Fleck am Hals

Das Overo-Lethal-White-Gen ist ein Gen, welches bei der Vererbung der Fellfarbe bei Pferden beteiligt ist. Es vererbt sich unvollständig dominant und verursacht durch eine Mutation des Endothelin-Rezeptor-B-Locus Leuzismus. Ein Pferd, welches dieses Gen nur einmal erhält, zeigt gewöhnlich eine Frame-Overo-Scheckung und ist gesund. Wird das Lethal-White-Gen von beiden Elterntieren vererbt (liegt also homozygot vor), führt es zum OLWS (Overo-Lethal-White-Syndrom).[1][2]

Rassen und Farben bei denen das Gen auftreten kann

Blackfoothäuptling auf einem Frame-Overo

Weit über 90 % der Frame-Overos, Highly-White-Calico-Overos und Frame-Blend-Overos tragen das Gen.[3]

Hat ein Pferd zusätzlich das Tobiano-Gen, zeigt es gewöhnlich eine Tobiano-Scheckung und keine Overo-Scheckung.[4]

Auch bei diversen anderen Scheckungsmustern und sogar bei einfarbigen Tieren kann ausnahmsweise ein Frame-Overo-Gen vorliegen, ohne dass sich die Scheckung eindeutig identifizierbar ausprägt. Bei den Mustern Sabino, Minimally-White-Calico-Overo, Splashed White Overo, Nonframe-Blend-Overo und bei ungescheckten Pferden der Rassen, in denen die Overoscheckung vorkommt, liegt der Anteil der Gen-Träger unter 20 %. In Rassen ohne Scheckungsmuster kommt das Gen nicht vor.[4][3]

Deshalb ist es ratsam, alle Pferde von Rassen in denen Frame-Overos vorkommen auf dieses Gen zu testen, um sicherzugehen, dass man nicht, ohne es zu wissen, zwei Träger dieses Gens kreuzt.[4][3]

Lethal White Foal Syndrom

Wird das Lethal-White-Gen von beiden Elterntieren vererbt (liegt also homozygot vor), führt es zum OLWS (Overo-Lethal-White-Syndrom). Solche Fohlen sind komplett weiß. Da die Nervenzellen nicht korrekt aus dem Neuralrohr ausgewandert sind, ist der Magen-Darmtrakt nicht ausreichend mit Nervenzellen versorgt. Sie fehlen am Ende des Dünndarms (Ileumendstück), im Blinddarm und dem gesamten Dickdarm. Das führt zu einem Darmverschluss, weswegen der Dickdarm sich ausdehnt (Megacolon), und der schließlich zum Tod des Fohlens durch eine Kolik führt. Das Lethal-White-Foal-Syndrom entspricht der Hirschsprungschen Krankheit beim Menschen. Innerhalb der ersten Lebenstage sterben die Fohlen daran. 2 [2][5][3][6][7]

Frame Overo

Frame Overo

Die Bezeichnung Frame-Overo (Fr und fr) von „Frame“ das auf englisch „Rahmen“ heißt, stammt daher, dass sich der weiße Anteil der Scheckung an der Seite des Pferdekörpers und Halses befindet und durch die dunklen Stellen wie eingerahmt wirkt. Keine weiße Stelle kreuzt die Rückenlinie, nur am Hals kreuzen die weißen Flecken manchmal den Mähnenkamm. Mindestens ein Bein, oft aber alle vier sind dunkel. Das Gesicht hat oft sehr ausgeprägte Abzeichen wie eine Laterne. Die Flecken sind gewöhnlich unregelmäßig begrenzt, wie ausgefranst.[8]

Andere Overo-Scheckungen

Neben dem Frame-Overo-Gen gibt es noch andere Gene, die eine Overo-Scheckung hervorrufen können. Beispielsweise wird auch der Splashed-White dem Formenkreis der Overoscheckung zugeordnet, obwohl er eine andere genetische Ursache hat. Ebenso wurden Sabinoschecken dem Overo-Formenkreis zugeordnet. Umgekehrt hat auch nicht jedes Pferd mit dem Frame-Overo-Gen eine Frame-Overo-Scheckung.[4]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. G. C. Yang, D. Croaker, A. L. Zhang, P. Manglick, T. Cartmill and D. Cass: A dinucleotide mutation in the endothelin-B receptor gene is associated with lethal white foal syndrome (LWFS); a horse variant of Hirschsprung disease (HSCR). In: Human Molecular Genetics. 1998, Bd. 7, Nr. 6, S. 1047–1052. doi: 10.1093/hmg/7.6.1047
  2. 2,0 2,1 D. L. Metallinos, A. T. Bowling, J. Rine: A missense mutation in the endothelin-B receptor gene is associated with Lethal White Foal Syndrome: an equine version of Hirschsprung disease. In: Mammalian genome. Band 9, Nummer 6, Juni 1998, S. 426–431, ISSN 0938-8990. PMID 9585428.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 T. Lightbody: Foal with Overo lethal white syndrome born to a registered quarter horse mare. In: The Canadian veterinary journal. La revue vétérinaire canadienne. Band 43, Nummer 9, September 2002, S. 715–717, ISSN 0008-5286. PMID 12240532. PMC 339559.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 E. M. Santschi, P. D. Vrotsos, A. K. Purdy, J. R. Mickelson: Incidence of the endothelin receptor B mutation that causes lethal white foal syndrome in white-patterned horses. In: American journal of veterinary research. Band 62, Nummer 1, Januar 2001, S. 97–103, ISSN 0002-9645. PMID 11197568.
  5. E. M. Santschi, A. K. Purdy, S. J. Valberg, P. D. Vrotsos, H. Kaese, J. R. Mickelson: Endothelin receptor B polymorphism associated with lethal white foal syndrome in horses. In: Mammalian genome. Band 9, Nummer 4, April 1998, S. 306–309, ISSN 0938-8990. PMID 9530628.
  6. B. D. Hultgren: Ileocolonic aganglionosis in white progeny of overo spotted horses. In: Journal of the American Veterinary Medical Association. Band 180, Nummer 3, Februar 1982, S. 289–292, ISSN 0003-1488. PMID 7056678.
  7. L. McCabe, L. D. Griffin, A. Kinzer, M. Chandler, J. B. Beckwith, E. R. McCabe: Overo lethal white foal syndrome: equine model of aganglionic megacolon (Hirschsprung disease). In: American journal of medical genetics. Band 36, Nummer 3, Juli 1990, S. 336–340, ISSN 0148-7299. doi:10.1002/ajmg.1320360319. PMID 2363434.
  8. Laurie Fio, The Horse Report Vol 12, Nr. 2. Oktober 1994.

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