Rydel-und-Seiffer-Vibrationsgabel

Stimmgabel nach Rydel-Seiffer mit abnehmbaren Gewichten

Die Rydel-Seiffer-Stimmgabel (benannt nach Adam Rydel und Friedrich Wilhelm Seiffer) ist ein medizinisches Instrument, mit dem man Beeinträchtigungen des peripheren Nervensystems oder auch orientierend die Hörfähigkeit untersuchen kann.

Diagnostik bei Nervenschäden

Bei der Untersuchung im Falle eines vermuteten Nervenschadens erlaubt die Rydel-Seiffer-Stimmgabel eine Früherkennung sogenannter Polyneuropathie-Schäden. Man nutzt hierbei die Tatsache, dass das Vibrationsempfinden peripherer Nerven als erstes beeinträchtigt wird (Pallästhesie).

Die Rydel-Seiffer-Stimmgabel hat zwei skalierte Gewichte auf den Backen der Stimmgabel, dies reduziert die 128 Hz-Stimmgabel auf 64 Hz und erlaubt dadurch eine Quantifizierung eventueller Nervenausfälle. Zur Überprüfung des Vibrationsempfindens setzt man die angeschlagene und schwingende Stimmgabel auf das Zwischenzehengelenk der großen Zehe. Der Patient gibt den Zeitpunkt an, an dem er die Schwingungen nicht mehr spürt. Der Untersucher liest diesen Zeitpunkt auf der Skala ab.

Normalwert bei jüngeren Menschen ist „8“ (keine Nervenschäden). Bei zunehmendem Alter gelten Vibrationswerte über 6/8 noch als normal. Kleinere Werte sollten medizinisch abgeklärt werden, da es sich um eine Frühform ernst zu nehmender Nervenschäden handeln kann. Schädigungen der peripheren Nerven treten häufig im Zuge einer Diabetes-Erkrankung auf. Andere Ursachen sind Vitamin-B-12-Mangel, meist bei Alkoholismus, und bakterielle Nervenentzündungen.

Diagnostik bei Gehörschäden

Mit der Rydel-Seiffer-Stimmgabel lassen sich einfach und treffsicher Mittelohr- und Innenohrschwerhörigkeit unterscheiden. Die Gewichte werden abgenommen. Die Stimmgabel hat dann 128 Hz. In der Originalbeschreibung wird allerdings eine 440 Hz-Stimmgabel angewandt. Dann setzt beim sogenannten Weber-Test die schwingende Stimmgabel in der Mitte des Kopfes auf: Normalerweise empfindet der Untersuchte den Ton auf beiden Ohren gleich laut. Bei einer ungleichen Lautempfindung (sogenannte „Lateralisation“) handelt es sich entweder um eine Mittelohrschwerhörigkeit auf der Seite, die den Ton lauter empfindet, oder um eine Innenohrschwerhörigkeit auf der Gegenseite.

Um diese beiden Möglichkeiten auseinander zu halten, erfolgt ein weiterer Test (Rinne-Test): Man setzt die schwingende Stimmgabel auf den Knochen hinter das Ohr (Mastoid). Wenn der Untersuchte angibt, den Ton nicht mehr zu hören, wird die Stimmgabel, ohne erneut angeschlagen zu werden, vor das Ohr geführt. Bei einer Innenohrschwerhörigkeit wird der Ton nun wieder gehört, im Fall einer Mittelohrschwerhörigkeit ist der Ton weiterhin kaum oder nicht mehr hörbar. Eine Innenohrschwerhörigkeit kann etwa im Alter auftreten, nach einem Hörsturz, nach Infektionen, nach Vergiftungen und auch nach manchen Arzneimitteln - eine Mittelohrschwerhörigkeit kommt oft mit einer Mittelohrentzündung vor.

Literatur

  • A. Rydel und F. W. Seiffer: Untersuchungen über das Vibrationsgefühl oder die sog. „Knochensensibilität“ (Pallästhesie). In: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten, 37 (1903), S. 487-536.
  • Rinne A. Beitrage zur Physiologie des Menschlichen Ohres. Vierteljahrschrift für die Praktische Heilkunde, herausgeben von der medicinischen Facultät in Prag. Halla J. and Hanser JV. editors, Volume 45, 1855, Karl Andre publishers, Prague.
  • ↑ Ernst Heinrich Weber: De utilitate cochleae in organo auditus. In: Ders.: De pulsu, resorptione, auditu et tactu. Annotationes Anatomicae et Physiologicae. Köhler, Leipzig 1834, S. 25–44.

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