Schopfkasarka

Schopfkasarka
Schopfkasarka

Schopfkasarka

Systematik
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Halbgänse (Tadorninae)
Tribus: Eigentliche Halbgänse (Tadornini)
Gattung: Kasarkas (Tadorna)
Art: Schopfkasarka
Wissenschaftlicher Name
Tadorna cristata
(Kuroda, 1917)
Gebiet, in denen Schopfkasarkas beobachtet wurden

Die Schopfkasarka (Tadorna cristata), auch als Korea-Brandente oder Hauben-Brandente bezeichnet, ist eine vermutlich ausgestorbene Halbgans aus der Gattung der Kasarkas. Ihre ursprüngliche Heimat war die Amurregion, das nordöstliche China, Nord- und Südkorea, möglicherweise auch die japanische Insel Hokkaido. Darstellungen der Schopfkasarka in der japanischen und chinesischen Malerei lassen darauf schließen, dass die Art früher häufiger war und höchstwahrscheinlich auch in menschlicher Obhut gehalten wurde. Sie wird auch in einem alten japanischen Werk über Ornithologie erwähnt. Ab 1877 wurde sie auch in der westlichen Welt bekannt und einige Wissenschaftler wie z. B. Philip Lutley Sclater nahmen an, dass es sich um eine Hybride aus Rostgans und Sichelente handeln könnte. Diese Theorie wurde bereits 1917 in der wissenschaftlichen Erstbeschreibung vom japanischen Ornithologen Nagamichi Kuroda verworfen; allerdings ging man ihr auch nie ernsthaft durch Versuchskreuzungen nach.

Merkmale

Illustration von Joseph Smit aus dem Jahre 1890

Die Länge betrug 58 cm, die Flügelspannweite 35 cm. Der Schwanz war ca. 11,7 cm lang. Von den anderen Kasarka-Arten waren sie vor allem durch ihre Scheitelhaube zu unterscheiden. Das Männchen hatte im mutmaßlichen Prachtkleid eine grüne Haube mit einem grauen Gesicht und einem schwarzen maskenartigen Augenstreif, das Weibchen eine schwarze Haube mit einem weißen Gesicht und einem schwarzen Unteraugenband. Das Gefieder war metallisch-grün mit weißen Unterschwingen und schwarzen Handschwingen. Der Rücken des Männchens war grau, der des Weibchens graubraun. Die Unterschwanzdecken zeigten einen ockergelben Ton. Der Bauch war dunkelbraun mit feinen hellbraunen diagonal verlaufenden Linien. Der Schnabel und die Beine waren fleischrot gefärbt. Über den Mauserverlauf bei dieser Kasarkaart ist nichts bekannt.

Nestbau, Eier und Gelege sind bislang nicht wissenschaftlich beschrieben. Vermutlich brütete die Schopfkasarka aber in Baumhöhlen wie dies auch andere Kasarkaarten tun. Ihr Lebensraum waren Bergwälder. Sie hielt sich dort vermutlich entlang von Flüssen und Strömen, möglicherweise auch Seen auf. Während der Winterhalbzeit wurde sie in der Nähe der Flussmündungen und in Küstengebieten beobachtet, so dass offenbar Wanderungsbewegungen bei dieser Art stattfanden.

Aussterben

Vermutlich war die Schopfkasarka bereits während der letzten 300 Jahre selten. Zwischen 1716 und 1736 wurden einige dieser Kasarkas von Korea nach Japan importiert, um sie dort zu züchten. Weitere Vögel sind zu diesem Zweck mindestens bis 1854 nach Japan eingeführt worden. Aus diesen in Gefangenschaft gehaltenen Schopfkasarkas sind jedoch keine Nachkommen mehr vorhanden.[1]

In den Jahren 1877, 1913 und 1916 wurden die Schopfkasarkas insgesamt dreimal geschossen. Diese Exemplare (zwei Weibchen und ein Männchen) befinden sich heute in den Museumskollektionen von Kopenhagen und Tokio. Am 16. Mai 1964 fanden russische Studenten drei Exemplare (ein Männchen und zwei Weibchen) in der Region Primorje (auf der Insel Bolshoi Pelis in der Bucht Peter des Großen im Japanischen Meer in der Nähe von Wladiwostok) und skizzierten sie. Ab den 1970er Jahren gab es nur noch vereinzelte unbestätigte Berichte über Sichtungen (zuletzt 1985). In den 1980er Jahren setzte der chinesische Forstminister einen Preis für denjenigen aus, der einen Beweis für die weitere Existenz dieser Vogelart erbringen konnte. Diese Aktion ist bislang ohne Erfolg geblieben. Sofern die Art überlebt hat, finden sich Restbestände von Populationen vermutlich in der unzugänglichen Grenzregion an der nordkoreanisch/chinesischen Grenze. [2] Von der IUCN wird sie als „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) gelistet. Als Ursachen des Rückgangs gelten die Zerstörung ihrer Lebensräume sowie eine Subsistenzjagd.

Literatur

  • David Day: The Doomsday Book of Animals. A unique Natural History of three Hundred vanished Species. Ebury Press, London 1981, ISBN 0-85223-183-0.
  • Errol Fuller: Extinct Birds. Oxford University Press, Oxford u. a. 2000, ISBN 0-19-850837-9.
  • Janet Kear (Hrsg): Ducks, Geese and Swans (= Bird Families of the World. Bd. 16, 1–2). Band 1: General Chapters. Species Accounts (Anhima to Salvadorina). Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 0-19-861008-4.

Belege

Einzelnachweise

  1. Kear: Ducks, Geese and Swans. Band 1. 2005, S. 441.
  2. Kear: Ducks, Geese and Swans. Band 1. 2005, S. 440.

Weblinks

 Commons: Tadorna cristata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

20.06.2021
Physiologie | Paläontologie
Kleiner Elefant hörte tiefe Töne
Der ausgestorbene Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis von der griechischen Insel Tilos besaß offenbar ein ähnliches Hörspektrum wie seine großen, heute lebenden Verwandten.
20.06.2021
Biodiversität | Insektenkunde
In Deutschland Gewinner und Verlierer: Libellen
In den letzten 35 Jahres hat sich die Verteilung der Libellenarten in Deutschland stark verändert.
18.06.2021
Ethologie | Insektenkunde
Die komplexe Organisation einer Ameisenkolonie
Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie über räuberische Ameisen erklärt, wie kleine Unterschiede zwischen Einzeltieren die kollektive Organisation der Kolonie verändern.
18.06.2021
Ethologie | Primatologie
Schimpansen-Waisen erholen sich vom Verlust der Mutter
Chronischer Stress könnte ein Grund dafür sein, warum manche Tierwaisen eine kürzere Lebenserwartung haben und weniger Nachkommen bekommen.
18.06.2021
Ökologie | Insektenkunde
Stickstoffüberschuss gefährdet Schmetterlinge
Stickstoff aus Landwirtschaft, Verkehrsabgasen und Industrie bringt Schmetterlinge in der Schweiz in Bedrängnis.
18.06.2021
Insektenkunde | Entwicklungsbiologie
Steinfliegen: Jugend beeinflusst Erwachsenenleben
Die Metamorphose führt bei Insekten meist zu völlig verschieden aussehenden Larven- und Erwachsenenstadien: Schmetterlinge unterscheiden sich etwa drastisch von ihren Jungstadien, den Raupen.
18.06.2021
Ökologie | Vogelkunde
Dramatische Veränderung der Brutvogelgemeinschaft
Im Bonner Stadtteil Dottendorf hat die Zahl der Brutvogelarten in den vergangenen 50 Jahren deutlich abgenommen.
16.06.2021
Genetik
Genome aus ihren Puzzleteilen wieder zusammensetzen
Ein Forscherteam des Friedrich-Miescher-Labors für biologische Arbeitsgruppen hat eine neue Methode zur DNA-Sequenzierung entwickelt, die schnelles und effizientes Aufspüren von genetischer Information ermöglicht.
16.06.2021
Ökologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Kleingewässer in Agrarlandschaften stark mit Pestiziden belastet
Pestizide sichern die Erträge in der Landwirtschaft, indem sie schädliche Insekten, Pilze und Unkräuter bekämpfen.
13.06.2021
Anthropologie | Virologie | Immunologie
Wie Viren Immunzellen zu Trojanischen Pferden machen
Zytomegalieviren programmieren Fresszellen der Lunge so um, dass sie selbst Viren produzieren und diese in der Lunge verbreiten.
13.06.2021
Bionik und Biotechnologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Zuckerhirse: Süßes Versprechen für die Umwelt
Zuckerhirse lässt sich zur Herstellung von Biogas, Biokraftstoffen und neuen Polymeren nutzen, zudem kann sie dazu beitragen, Phosphatdünger zu ersetzen.
13.06.2021
Botanik | Physiologie
Todesduft der Pfeifenwinde lockt Sargfliegen in die Blüten
Ein internationales Pflanzenforscherteam hat in einer neuen Studie eine ungewöhnliche und bisher unbekannte Fortpflanzungsstrategie bei Pflanzen entdeckt.