Soom-Schiefer

Soom-Schiefer, Hauptfundstelle (Südafrika)
Soom-Schiefer, Hauptfundstelle
Soom-Schiefer, Hauptfundstelle

Der Soom-Schiefer, in der Fachliteratur häufig auch Soom Shale genannt, ist eine der wenigen Fossillagerstätten des Ordovizium. Die Lagerstätte findet sich in der westlichen Kapregion von Südafrika. Die Lagerstätte ist einzigartig, da sie sich in 32° südlicher Breite befindet, aber in einer kühlen, glazial geprägten, marinen Umgebung entstand. 1967 wurden hier Brachiopoden und Trilobiten bekannt, die die erste unterpaläozoische Fauna waren, die aus Südafrika beschrieben wurde.[1] Berühmt ist der Soom-Schiefer jedoch für seine außergewöhnliche Erhaltung von Conodonten.[2]

Entdeckungsgeschichte

In der Landschaft der westlichen Kapregion, die überwiegend aus Sandsteinhängen und -plateaus besteht, fiel die Schicht des Soom-Schiefers schon länger auf. Allerdings ging man davon aus, dass die Schicht ähnlich fossilarm wie diese Sandsteine waren. Spurenfossilien entdeckte man erstmals 1958. 1983 fand man hier auch Conodonten mit weichem Gewebe. Diese Fossilien kannte man überwiegend aus kleinen, phosphatischen Zahnreihen. Da man bei dem Conodonten Promissum pulchrum auch knorpelgestütze Augen nachweisen konnte, wurde damit geklärt, dass diese Gruppe zu den frühen Fischen gehörte.[1] 1995 fand man hier sogar Conodonten mit Muskelgewebe. Zu den bemerkenswerten Funden aus dem Soom-Schiefer gehören auch Einzelheiten der Muskulatur und der Eingeweide des Eurypteriden Onychopterella.

Merkmale des Soom-Schiefers

Der Soom-Schiefer erreicht eine maximale Dicke von 10 Metern und ist fein von gelbbraun bis hell- und dunkelgrau gebändert. Darüber liegt eine bis zu 130 Meter mächtige Disa-Siltstone-Subformation. Gemeinsam bilden sie die Cedarberg-Formation.[1] Die Hauptfundstelle liegt in der Nähe der Keurbos-Farm, etwa 13 Kilometer südlich von Clanwilliam.

Im Soom-Schiefer finden sich keine Spurenfossilien. Vermutlich konnten die Tiere im Sediment und direkt auf dem Meeresboden nicht existieren. Aus der Form der Fossilienfunde hat man geschlossen, dass das Wasser kalt, flach oder wenigstens nicht allzu tief war und keine nennenswerte Strömung aufwies.[3] Die Bodenwässer waren vermutlich anoxisch, d.h. sie wiesen keinen Sauerstoff auf oder waren in irgendeiner Form giftig. In der Wassersäule darüber gab es jedoch viele schwimmende Lebewesen. Neben den Euryptiden, Conodonten waren die dort zu findenden Cephalopoden (Kopffüßer) vermutlich Aasfresser und/oder Räuber. Zu den Filtrierern zählten die Brachiopoden und Cornulitiden.[4]

Belege

Literatur

  • Paul Selden, John Nudds: Fenster zur Evolution – Berühmte Fossilfundstellen der Welt (übersetzt von Jens Seeling), Elsevier Spektrum Akademischer Verlag, München 2007, ISBN 978-3-8274-1771-8

Einzelbelege

  1. 1,0 1,1 1,2 Selden et al., S. 29
  2. Selden et al., S. 34
  3. Selden et al., S. 31
  4. Selden et al., S. 36

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.06.2021
Anthropologie | Virologie | Immunologie
Wie Viren Immunzellen zu Trojanischen Pferden machen
Zytomegalieviren programmieren Fresszellen der Lunge so um, dass sie selbst Viren produzieren und diese in der Lunge verbreiten.
13.06.2021
Bionik und Biotechnologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Zuckerhirse: Süßes Versprechen für die Umwelt
Zuckerhirse lässt sich zur Herstellung von Biogas, Biokraftstoffen und neuen Polymeren nutzen, zudem kann sie dazu beitragen, Phosphatdünger zu ersetzen.
13.06.2021
Botanik | Physiologie
Todesduft der Pfeifenwinde lockt Sargfliegen in die Blüten
Ein internationales Pflanzenforscherteam hat in einer neuen Studie eine ungewöhnliche und bisher unbekannte Fortpflanzungsstrategie bei Pflanzen entdeckt.
11.06.2021
Ökologie | Biodiversität | Meeresbiologie
Untermieter auf Manganknollen: Schwämme sorgen für Artenreichtum
Tief auf dem Meeresgrund lagern wertvolle Rohstoffe – beispielsweise Knollen aus Mangan, Eisen, Kobalt und Kupfer.
11.06.2021
Morphologie
Das Metallgebiss des Borstenwurms
Metallatome sind für die bemerkenswerte Stabilität von Borstenwurm-Kiefern verantwortlich, zeigen Experimente der TU Wien.
11.06.2021
Paläontologie | Entwicklungsbiologie
Versteinert: 99 Millionen Jahre alte Geburt
Einem Forschungsteam ein außergewöhnlicher Fund gelungen: Sie fanden eine fossile weibliche Landschnecke, die gemeinsam mit ihren fünf Jungtieren in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein eingeschlossen wurde.
09.06.2021
Genetik | Neurobiologie
Menschen-Gen macht Mäuse schlauer
Ein Gen, das nur beim Menschen vorkommt, führt bei Mäusen zu einem größeren Gehirn, erhöhter Flexibilität des Gedächtnisses und weniger Ängstlichkeit.
09.06.2021
Taxonomie
„Zombie-Frosch“ entdeckt
Senckenberg-Wissenschaftlerinnen haben mit einem internationalen Team drei neue Froscharten aus dem nördlichen Amazonasgebiet beschrieben.
09.06.2021
Klimawandel | Primatologie
Kein Platz für Menschenaffen
Der Klimawandel wird das Verbreitungsgebiet afrikanischer Menschenaffen in den nächsten 30 Jahren drastisch verkleinern.
07.06.2021
Ökologie | Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Art der Waldnutzung beeinflusst Lebensrhythmus der Wildpflanzen
Durch die Klimaerwärmung verschieben sich bei vielen Pflanzen die jahreszeitlichen Rhythmen, zum Beispiel die Blütezeit.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Junge Seeadler bleiben länger im elterlichen Revier
Seeadler reagieren sensibel auf Störungen durch den Menschen, weshalb in unmittelbarer Umgebung der Horste forst- und landwirtschaftliche Nutzungen beschränkt sind.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Vertrauen bei Rabenvögeln
Rabenvögel benutzen soziale Informationen, um sich vor Täuschung durch Artgenossen aus Nachbarterritorien zu schützen.