Zunehmende Ausbreitung nicht-einheimischer Pflanzen auf Meeresinseln



Bio-News vom 27.04.2023

Eine globale Studie zeigt mit einer zuvor unerreichten Differenziertheit, in welchem Ausmaß sich nicht-einheimische Pflanzen in den letzten 5.000 Jahren auf Meeresinseln ausgebreitet haben. Forscherinnen und Forscher an der Universität Bayreuth sowie an Universitäten und Forschungsinstituten in Großbritannien, Norwegen, Österreich, Spanien, Australien und Neuseeland haben einen Datensatz zusammengetragen, der sich auf die Vegetation von 29 Inseln bezieht. Grundlage hierfür waren Analysen fossiler Pollen sowie der aktuelle Forschungsstand zur Einordnung der Pflanzen als einheimisch oder nicht-einheimisch.

Die Forschungsarbeiten haben ergeben, dass der Anteil nicht-einheimischer Pflanzen während der letzten tausend Jahre kontinuierlich gestiegen ist. Dieser Trend ist bis heute ungebrochen. Im Einzelnen zeigen sich allerdings signifikante Unterschiede zwischen den untersuchten 29 Inseln, die sich auf verschiedene klimatische Regionen des pazifischen und des atlantischen Ozeans und die Karibik verteilen: Die Vegetationsdynamik der Inseln hängt stark von ihrer Besiedlung durch den Menschen ab, die zu verschiedenen historischen Zeitpunkten begonnen und sich in Abhängigkeit von spezifischen geografischen, ökonomischen und politischen Faktoren entwickelt hat.


Vegetationsdynamik auf dem Galapagos-Archipel: Einheimische Scalesia-Bäume wurden zunehmend durch nicht-einheimische Guaven, aber auch durch heimische Schwertfarne verdrängt.

Publikation:


Anna Walentowitz et al.
Long-term trajectories of non-native vegetation on islands globally

Ecological Letters (2023)

DOI: 10.1111/ele.14196



Insgesamt aber gilt: Menschen haben die Vegetation der Inseln vor allem dadurch verändert, dass sie bei ihrer Ankunft und im Verlauf der weiteren Besiedlung nicht-einheimische Arten unwissentlich oder planvoll eingeführt haben.

Anna Walentowitz, Erstautorin der neuen Studie, bei Forschungsarbeiten zur Biodiversität auf dem Galapagos-Archipel.

„In unserer Studie konnten wir diese Zusammenhänge über einen sehr langen Zeitraum von mehreren tausend Jahren rekonstruieren. Auch über den Anstieg nicht-einheimischer Arten, der auf einigen Inseln kurz vor der Besiedlung durch den Menschen eingetreten ist, war bisher in der Forschung nur wenig bekannt. Mithilfe von Analysen fossiler Pollen konnten wir diese Lücke jedoch schließen. Diese Pollen waren in Sedimenten enthalten, deren Alter sich durch Radiokarbondatierung in Verbindung mit Alterstiefenmodellen zuverlässig bestimmen lässt“, sagt die Erstautorin der Studie, Anna Walentowitz von der Universität Bayreuth.

Den Autorinnen und Autoren der Studie ist es erstmals gelungen, Veränderungen in der Vegetationsdynamik nicht-heimischer Pflanzenarten in den letzten 5.000 Jahren zu quantifizieren: Im Durchschnitt betrug der Anteil der Pollen dieser Pflanzen auf den erforschten Inseln vor ihrer dauerhaften Besiedlung durch den Menschen zwischen einem und sechs Prozent, danach lag er zwischen fünf und 16 Prozent.

Auf allen Inseln sind diese prozentualen Anteile bis zur Gegenwart angestiegen, sie erreichen heute Durchschnittswerte von acht bis 25 Prozent. Die vielfältigen Daten, die in der neuen Studie zusammengeführt wurden, um Erkenntnisse über paläoökologische Trends in den letzten Jahrtausenden zu gewinnen, ergänzen in zahlreichen Einzelfällen frühere überlieferte Zählungen und Dokumentationen. Die Ergebnisse machen deutlich, dass über das Ausmaß und die Folgen von anthropogenen Biodiversitätsveränderungen auf Meeresinseln bislang weniger bekannt war, als in der ökologischen Forschung angenommen wurde.

„Meeresinseln sind Mikrokosmen, in denen wir exemplarisch die Veränderungen der Artenvielfalt im Anthropozän mit hoher Genauigkeit über lange Zeiträume hinweg beobachten können. Deshalb sollte die Forschung in diesem Bereich künftig intensiviert werden. Die Ergebnisse können uns dabei helfen, nachhaltige Strategien zum Umgang mit diesen Veränderungen – und möglicherweise auch zu ihrer gezielten Beeinflussung – zu entwickeln“, sagt Anna Walentowitz, Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Biogeografie der Universität Bayreuth.


Diese Newsmeldung wurde mit Material der Universität Bayreuth via Informationsdienst Wissenschaft erstellt.

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