Ökologischer Fußabdruck

Unter dem Ökologischen Fußabdruck (oder Ecological Footprint)[1][2] wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter Fortführung heutiger Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion seiner Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, aber z. B. auch zur Entsorgung oder Recyclings des von ihm erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden. Die Werte werden in Hektar pro Person und Jahr angegeben.

Das Konzept wurde 1994 von Mathis Wackernagel und William Rees entwickelt. 2003 wurde von Wackernagel das Global Footprint Network gegründet, das u. a. von der Nobelpreisträgerin Wangari Maathai, dem Gründer des Worldwatch Institute Lester R. Brown und Ernst Ulrich von Weizsäcker unterstützt wird.

Das Konzept des ökologischen Fußabdrucks wird häufig verwendet, um im Zusammenhang mit dem Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung auf gesellschaftliche und individuelle Nachhaltigkeitsdefizite hinzuweisen.

Daten von Kontinenten und Staaten

Ökologischer Fußabdruck
(Daten von 2007, veröffentlicht am 13. Oktober 2010)[3]
  •  5,4 - 10,7
  •  4,7 - 5,4
  •  4,0 - 4,7
  •  3,2 - 4,0
  •  2,5 - 3,2
  •  1,8 - 2,5
  •  1,1 - 1,8
  •  0,4 - 1,1
  •  keine Daten
  • Biokapazität
    (Daten von 2007, veröffentlicht am 13. Oktober 2010)[3]
  •  5,5 - 29,2
  •  4,7 - 5,5
  •  3,9 - 4,7
  •  3,0 - 3,9
  •  2,2 - 3,0
  •  1,4 - 2,2
  •  0,6 - 1,4
  •  0 - 0,6
  •  keine Daten
  • Ökologisches Defizit (kleiner als 0) oder Reserve (größer als 0)
    (Daten von 2007, veröffentlicht am 13. Oktober 2010)[3]
  •  2 bis 27,9
  •  1 bis 2
  •  0 bis 1
  •  -1 bis 0
  •  -2 bis -1
  •  -3 bis -2
  •  -4 bis -3
  •  -9,8 bis -4
  •  keine Daten
  • Ökologischer Fußabdruck und Biokapazität (2012)[4]
    Region Bevölkerung* Ökologischer
    Fußabdruck**
    Biokapazität** Ökologisches Defizit
    oder Reserve**
    Welt 6.739,6 2,7 1,8

    0,7

    Afrika 938,4 1,4 1,5

    1,1

    Mittlerer Osten
    und Zentralasien
    382,6 2,5 0,9

    0,4

    Asien-Pazifik 3.725,2 1,6 0,9

    0,6

    Südamerika 390,1 2,7 7,4

    2,7

    Zentralamerika
    und Karibik
    66,8 1,7 1,0

    0,6

    Nordamerika 448,9 6,2 4,1

    0,7

    EU 495,1 4,7 2,2

    0,5

    Europa (ohne EU) 238,1 4,0 4,9

    1,2

    Land Bevölkerung* Ökologischer
    Fußabdruck**
    Biokapazität** Ökologisches Defizit
    oder Reserve**
    Amerika
    Brasilien 191,5 2,9 9,6

    6,7

    Kanada 33,3 6,4 14,9

    8,5

    USA 305,0 7,2 3,9

    3,3

    Asien
    VR China 1.358,8 2,1 0,9

    1,3

    Indien 1.190,9 0,9 0,5

    0,4

    Israel 7,1 4,0 0,3

    3,7

    Japan 126,5 4,2 0,6

    3,6

    Katar 1,4 11,7 2,1

    9,6

    Europa
    Belgien 10,6 7,1 1,3

    5,8

    Dänemark 5,5 8,3 4,8

    3,4

    Deutschland 82,5 4,6 2,0

    2,6

    Finnland 5,3 6,2 12,2

    6,0

    Frankreich 62,1 4,9 3,0

    1,9

    Norwegen 4,8 4,8 5,4

    0,6

    Schweden 9,2 5,7 9,5

    3,8

    Schweiz 7,6 5,0 1,2

    3,8

    UK 61,5 4,7 1,3

    3,4

    * Millionen

    ** ha/Person und Jahr

    Die weltweite Inanspruchnahme zur Erfüllung menschlicher Bedürfnisse überschreitet nach Daten des Global Footprint Network und der European Environment Agency derzeit also die Kapazität der verfügbaren Flächen um insgesamt 50 %. Danach werden gegenwärtig pro Person 2,7 ha (Hektar) verbraucht, es stehen allerdings lediglich 1,8 ha zur Verfügung. Dabei verteilt sich die Inanspruchnahme der Fläche sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Regionen: Europa (EU25) beispielsweise benötigt 4,7 ha pro Person, kann aber nur 2,2 ha selber zur Verfügung stellen. Dies bedeutet eine Überbeanspruchung der europäischen Biokapazität um über 100 %. Frankreich beansprucht dabei annähernd das Doppelte, Deutschland knapp das Zweieinhalbfache und Großbritannien mehr als das Dreifache seiner jeweils vorhandenen Biokapazität. Ähnliche Ungleichgewichte finden sich auch zwischen Stadt und Land.

    Ecological Debt Day

    Anhand des ökologischen Fußbadrucks lässt sich der "Ecological Debt Day" bzw. “Earth Overshoot Day" berechnen, der im Deutschen auch als "Ökoschuldentag" oder "Welterschöpfungstag" bezeichnet wird. Dieser gibt den Kalendertag jeden Jahres an, ab welchem die von der Menschheit konsumierten Ressourcen die Kapazität der Erde übersteigen, diese zu generieren. Berechnet wird der Ecological Debt Day durch Division der weltweiten Biokapazität, also der während eines Jahres von der Erde produzierten natürlichen Ressourcen, durch den ökologischen Fußbabdruck der Menschheit multipliziert mit der Zahl 365, der Anzahl von Tagen im Gregorianischen Kalender. Im Jahr 2012 lag er am 22. August. Der jährliche Trend zeigt eine Vorverlegung zu einem früheren Datum, wobei es jedoch aufgrund der Methodik sowie neuer Erkenntnisse zu einer gewissen Schwankungsbreite kommt.[5][6]

    Siehe auch

    Veröffentlichungen

    Weblinks

    Online-Rechner zur Bestimmung des ökologischen Fußabdrucks des eigenen Lebensstils
    Sonstiges

    Unterrichtsmaterial

    Literatur

    Filme

    • Nick Watts, Michael Dörfler: So viel lebst du, Summen menschlichen Lebens, Untertitel: Ein Deutscher lebt im Durchschnitt 2.495.840.256 Sekunden, trinkt während dieser Zeit 6.920,5 Liter Milch, verbraucht 3.651 Rollen Toilettenpapier und gibt bis..., Dokumentation, Deutschland, 75 Min., 2008, 3sat.de: So viel lebst du.

    Einzelnachweise

    1. Wackernagel, Mathis; Beyers, Bert (2010): Der Ecological Footprint. Die Welt neu vermessen. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, ISBN 978-3-931705-32-9
    2. http://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/page/basics_introduction/
    3. 3,0 3,1 3,2 Footprintnetwork Excel-Datei
    4. Bericht des Footprintnetworks in aktualisierter Fassung vom 7. Mai 2012 als Excel-Datei
    5. "Welterschöpfungstag" fällt heuer auf den 22. August. In: Der Standard, 21. August 2012. Abgerufen am 25. August 2012.
    6. Earth Overshoot Day. Ab heute geht es an die Substanz. In: TAZ, 23. August 2012. Abgerufen am 25. August 2012.

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