Alexander Wetmore

Alexander Wetmore (* 18. Juni 1886 in North Freedom, Wisconsin als Frank Alexander Wetmore; † 7. Dezember 1978 in Glen Echo, Maryland) war ein US-amerikanischer Ornithologe und Paläontologe.

Er war der Sohn von Nelson Franklin und Emma Amelia (geborene Woodworth) Wetmore. Sein Vater war Landarzt. 1912 erlangte er seinen Bachelor of Arts an der University of Kansas, 1916 seinen Master of Science an der George Washington University und 1920 schließlich seinen Doktorgrad in Zoologie. 1912 heiratete er Fay Holloway. Von 1905 bis 1908 war er Assistent im Naturhistorischen Museum der University of Kansas und im Jahre 1909 Assistent am Denver Museum of Natural History. Ab 1910 arbeitete er in der Abteilung für biologische Forschungsarbeit im Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten, bevor er 1925 den Posten des Assistenzsekretärs bei der Smithsonian Institution erhielt. Von 1945 bis 1952 war er Sekretär der Smithsonian Institution. 1930 erschien sein Standardwerk A Systematic Classification for the Birds of the World, dessen Reihenfolge der Vogelfamilien als „Wetmore Order“ bekannt wurde und unter den Ornithologen des 20. Jahrhunderts weite Akzeptanz fand. Überarbeitete Auflagen erschienen in den Jahren 1951 und 1960. Weitere bedeutsame Werke waren Birds of Haiti and the Dominican Republic (1931) und The Birds of the Republic of Panamá (1965).

Forschungsarbeit

Wetmores erste Forschungsreise führte ihn 1911 nach Puerto Rico, wo er die Vogelwelt studierte. 1918 beschrieb er die Überreste der ausgestorbenen Ralle Nesotrochis debooyi, die 1916 von Theodoor de Booy entdeckt wurden. 1920 schrieb Wetmore seine Doktorarbeit mit Titel „The Birds of Porto Rico“. Zwischen 1920 und 1921 erforschte er in Südamerika die Vogelwanderungen zwischen den Kontinenten.

Wetmore ist der Erstbeschreiber von über 189 Vogeltaxa. Mehr als 50 Tier- und Pflanzenarten wurden nach ihm benannt, darunter die fossilen Gattungen Alexornis und Presbyornis sowie die Wetmoreralle (Rallus wetmorei), Veilchenschulter-Tangare (Wetmorethraupis sterrhopteron) und die Wetmore-Tangare (Buthraupis wetmorei).

Auszeichnungen

1927 wurde Wetmore mit der Isidore-Geoffroy-Saint-Hilaire-Medaille der französischen Naturschutzvereinigung Société nationale de protection de la nature ausgezeichnet, 1931 erhält er die Otto-Herman-Medaille der französischen Ornithologen-Vereinigung Société hongroise d’ornithologie, 1959 erhielt er die William-Brewster-Medaille der American Ornithologists’ Union (AOU), dessen Leiter er von 1926 bis 1929 war. Das Komitee gab hierfür folgenden Begründung:

Für die vergangene Generation war Dr. Wetmore der führende Fachmann für fossile Vögel in Nordamerika. Die große Anzahl seiner Arbeiten sind zusammengefasst in "A check-list of the fossil and prehistoric birds of North America and the West Indies", was wir hier besonders erwähnen möchten. Dr. Wetmores Beitrag zu unserer Wissenschaft beschränkt sich nicht nur auf die Paläontologie der Vögel. Die Bandbreite seiner Interessen und das Ausmaß seiner Bemühungen manifestiert sich in den Büchern und Schriften, die er Jahr für Jahr als Resultat seiner Forschung publizierte. Unter den Büchern befinden sich Wälzer wie "Birds of Puerto Rico and the Virgin Islands", "The migration of birds", "Observations on the birds of Argentina, Paraguay, Uruguay, and Chile", "The birds of Haiti and the Dominican republic" und nicht zuletzt die fünfte Ausgabe der A.O.U Publikation "Check-list of North American birds: according to the canons of nomenclature of the American Ornithologists' Union", die unter seiner Federführung erstellt wurde. Mit Alexander Wetmore preisen wir einen Biologen, der während seiner nun 50-jährigen Karriere, als einer der Architekten der amerikanischen Ornithologie genannt werden muss.[1]

1972 erhielt er mit der Elliott-Coues-Medaille eine weitere Würdigung der AOU. 1946 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der University of Wisconsin verliehen. 1961 wurde er Ehrenmitglied der Society of Vertebrate Paleontology.

Publikationen (Auswahl)

  • "The Book of Birds" (1932)
  • "A check-list of the fossil birds of North America" (1940), Washington
  • "A Checklist of the Fossil and Prehistoric Birds of North America and the West Indies" (1940, 1956)
  • "Song and Garden Birds of North America" (1964)
  • "Water Prey and Game Birds of North America" (1965)
  • "The Birds of Panama" 4 Bände (1968)

Literatur über Alexander Wetmore

  • Bo Beolens & Michael Watkins (2003). Whose Bird ? Common Bird Names and the People They Commemorate. Yale University Press (New Haven & London).
  • Allen G. Debus (dir.) (1968). World Who’s Who in Science. A Biographical Dictionary of Notable Scientists from Antiquity to the Present. Marquis-Who’s Who (Chicago)

Einzelnachweise

  1. The Auk, Vol 77, No. 1, 1960 The Seventy-Seventh Stated Meeting of the American Ornithologists' Union (engl.) Originalartikel

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

28.07.2021
Physiologie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Spurensuche im Kurzzeitgedächtnis des Auges
Was wir sehen, hinterlässt Spuren: Mit schnellen Bewegungen, sogenannten Sakkaden, springt unser Blick zwischen verschiedenen Orten hin und her, um möglichst scharf abzubilden, was sich vor unseren Augen abspielt.
27.07.2021
Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Neue Möglichkeiten: Topologie in der biologischen Forschung
Ein aus Quantensystemen bekanntes Phänomen wurde nun auch im Zusammenhang mit biologischen Systemen beschrieben: In einer neuen Studie zeigen Forscher dass der Begriff des topologischen Schutzes auch für biochemische Netzwerke gelten kann.
27.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Viel mehr als Gehen
Jahrzehntelang dachte man, dass ein Schlüsselbereich des Gehirns lediglich das Gehen reguliert.
26.07.2021
Ökologie | Paläontologie
Uralte Haizähne geben Hinweis auf eine globale Klimakrise
Die stete Drift der Kontinente formt nicht nur Gebirgszüge, sondern hat auch großen Einfluss auf die Tierwelt im Meer.
26.07.2021
Anatomie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Bioinformatik
Wie tierische Sprinter enorme Spitzengeschwindigkeiten erreichen
Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe hat ein physikalisches Modell entwickelt, um zu erforschen, von welchen Eigenschaften die maximale Laufgeschwindigkeit bei Tieren abhängig ist.
26.07.2021
Anthropologie | Zoologie | Ethologie
Hunde als „Gedankenleser“
Dass Hunde vielfach als der „beste Freund des Menschen“ bezeichnet werden, ist bekannt.
26.07.2021
Mikrobiologie | Genetik | Biochemie
RNA kontrolliert die Schutzhülle von Bakterien
Der Magenkeim Helicobacter pylori weiß, wie er sich gegen Angriffe des Immunsystems oder durch Antibiotika schützen kann.
22.07.2021
Mikrobiologie | Meeresbiologie
Alles ausgebucht am Meeresgrund
Ob Sommer oder Winter, ob Mitternachtssonne oder Polarnacht – auf dem Sand des Meeresbodens wohnen stets die gleichen Bakterien.
22.07.2021
Mykologie | Genetik | Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Das Genom der Flechten ist verräterisch
Flechten können in unterschiedlichen Klimazonen verschiedene Naturstoffe produzieren die gebildeten Stoffe sind vor allem als Mittel gegen Krebs und andere Krankheiten bekannt.
21.07.2021
Ökologie
Mikroplastik in der Arktis
Rund um die Inselgruppe Svalbard (norwegisch für Spitzbergen) im arktischen Ozean stellen sogenannte Rhodolithe, aufgebaut aus kalkabscheidenden Rotalgen, ökologische Nischen für eine Vielzahl von Organismen zur Verfügung.
21.07.2021
Ethologie | Primatologie
Tödlicher Angriff von Schimpansen auf Gorillas beobachtet
Schimpansen sind in Ost- und Zentralafrika verbreitet und leben in einigen Gebieten, wie dem Loango-Nationalpark in Gabun, mit Gorillas gemeinsam im gleichen Habitat.
21.07.2021
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Insektenkunde
Wüstenameise wird Vorbild für Laufroboter
Barbara Schlögl hat im Westfälischen Institut für Bionik der Hochschulabteilung Bocholt eine Doktorarbeit geschrieben, in der sie der Wüstenameise Cataglyphis deren Fähigkeit abgekuckt hat, sich im Raum zu orientieren.
21.07.2021
Biodiversität | Neobiota
Italienische Höhlensalamander in Deutschland?
Nicht-einheimische Arten zählen zu den Hauptproblemen für den Verlust der Artenvielfalt.
21.07.2021
Zoologie | Genetik | Ökologie
Wolf-Hund-Mischlinge sicher erkennen
Forschende haben eine neue Methode vorgestellt, die es erlaubt, Wolf-Hund-Hybriden anhand von Umweltproben, wie Kot, Haaren oder Speichelresten sicher zu erkennen.
21.07.2021
Anthropologie | Primatologie
Gebrauch von Steinwerkzeugen: Schimpansen leben vor der Steinzeit
Anders als frühe Menschenarten scheinen Schimpansen nicht in der Lage zu sein, spontan scharfe Steinwerkzeuge herzustellen und zu nutzen.
21.07.2021
Ökologie | Klimawandel | Video
Vermehrte Regenfälle im Sommer verändern den Kohlenstoffkreislauf in der Arktis
Arktische Flüsse transportieren durch dem Klimawandel mehr Nährstoffe und Kohlenstoff. das hat potenzielle Auswirkungen auf Wasserqualität, Nahrungsketten und freiwerdende Klimagase.
21.07.2021
Anthropologie | Genetik | Paläontologie
25.000 Jahre altes menschliches Umweltgenom wiederhergestellt
Uralte Sedimente aus Höhlen können DNA über Jahrtausende konservieren, aber deren Analyse wird dadurch erschwert, dass meist nur wenige Sequenzen aus den Sedimenten gewonnen werden können.