Arteriovenöse Anastomose

Eine arteriovenöse Anastomose ist eine direkte Querverbindung (→Anastomose) innerhalb des Blutkreislaufs zwischen einer kleineren Arterie und ihrer Begleitvene. Arteriovenöse Anastomosen sind für die Aufrechterhaltung des Blutdrucks, für die Steuerung der Organdurchblutung und in der Haut auch für die Wärmeregulation von entscheidender Bedeutung. Anatomische arteriovenöse Anastomosen sind verschließbar. Die Steuerung der Öffnung dieser Querverbindungen erfolgt vorwiegend lokalchemisch über gefäßwirksame Substanzen.

Da die in einem Organismus vorhandene Blutmenge nicht ausreicht, um das Gesamtnetz der Blutgefäße auszufüllen, müssen bestimmte Gefäßabschnitte kurzgeschlossen werden, damit der normale Blutdruck aufrechterhalten werden kann. Daher werden im Zuflussgebiet wenig beanspruchter Organe diese Querverbindungen geöffnet. Da der Strömungswiderstand im Kapillargebiet höher als in den Anastomosen ist, fließt das Blut nun direkt – unter Umgehung des Kapillargebiets – von der Arterie in die Vene und von dort zurück zum Herz. Wird ein Organ stärker beansprucht, verschließen sich die Anastomosen und das Organ wird wieder stärker durchblutet. Würden sich alle arteriovenösen Anastomosen gleichzeitig öffnen, käme es zu einem rapiden Blutdruckabfall – einem Schock.

Arteriovenöse Anastomosen spielen auch eine wichtige Rolle bei der Wärmeregulation. Durch Öffnung dieser Querverbindungen sinkt der Strömungswiderstand in den Hautgefäßen. Die resultierende stärkere Durchblutung fördert die Wärmeabgabe, da diese im Hinblick auf den Wärmetransport vollwertige Austauschgefäße sind. [1]

Literatur

  • Uwe Gille: Herz-Kreislauf- und Abwehrsystem, Angiologia. In: F.-V. Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke-Verlag, Stuttgart 2004, S. 404-463. ISBN 3-8304-1007-7

Einzelnachweise

  1. Schmidt, Lang: Physiologie des Menschen, Springer Verlag, 30. Auflage 2007, S. 664

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