Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte

Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte
Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (* 24. Mai 1803 in Paris; † 29. Juli 1857 ebenda) war ein italienischer Ornithologe und Politiker. Er war der Sohn von Lucien Bonaparte (1775–1840) und der Neffe von Kaiser Napoléon Bonaparte (1769–1821).

Leben

Prinz Charles Bonaparte wuchs in Italien auf. Nachdem er seine Cousine, Prinzessin Zénaïde Laetitia Julie Bonaparte, am 29. Juni 1822 in Brüssel geheiratet hatte, zog er in die Vereinigten Staaten. Auf der Reise sammelte Bonaparte Exemplare einer bis dahin unbekannten Sturmschwalbe (Hydrobatidae). In den USA angekommen, präsentierte er ein Referat über diesen neuen Vogel, den er nach Alexander Wilson benannte: im Englischen „Wilson’s storm-petrel“, zu Deutsch Buntfuß-Sturmschwalbe (Oceanites oceanicus).

Dann korrigierte und vervollständigte Bonaparte Wilsons American Ornithology und publizierte diese Arbeit 1825–1833. Im Jahr 1824 versuchte er, den bis dahin unbekannten John James Audubon an die Academy of Natural Sciences zu bringen, doch der Ornithologe George Ord lehnte seinen Aufnahmeantrag ab.

Bonaparte kehrte mit seiner Familie 1826 nach Europa zurück, wo er sich 1828 in Rom niederließ. 1828 nahm er die Mitgliedschaft an der Universität von Uppsala an und 1843 die Mitgliedschaft an der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Von 1832 bis 1841 publizierte er ein Werk über die Fauna Italiens, Iconografia della Fauna Italica.

Im Jahre 1840 erbte er nach dem Tode seines Vaters den Titel Prinz von Canino und Musignano. Canino war der Besitz seines Vaters in der heutigen Provinz Viterbo in Italien und die Burg Musignano seine bevorzugte Residenz in der Nähe des Dorfes.[1] Er schloss sich 1848 einer radikalen Partei an, der Pro-Nationalistischen Bewegung, und wurde 1849 Abgeordneter der Provinz Viterbo. Im selben Jahr nahm er das Amt des Vizepräsidenten des Parlaments an. Nach dem Scheitern des italienischen Aufstandes im Juli 1849 ging er wegen seiner politischen Mitgliedschaft in der Pro-Nationalistischen Bewegung ins Exil.

Bonaparte ließ sich 1850 in Paris nieder. Nach dem Tod seiner Frau heiratete er Donna Marie Said Testaferrata. Ab 1854 bis zu seinem Tode war er Direktor des Jardin des Plantes, des Pariser Botanischen Gartens.

Nachkommen

Kardinal Lucian Bonaparte

Bonaparte heiratete 1822 Zénaïde Laetitia Julie Bonaparte (1801–1854), Tochter von Joseph Bonaparte (1768–1844). Zusammen hatten sie acht Kinder:

  • Joseph Bonaparte (1824–1865)
  • Lucian Bonaparte (1828–1895), Kardinal
  • Julie Bonaparte (1830–1900)
  • Charlotte Bonaparte (1832–1901)
  • Marie Bonaparte (1835–1890)
  • Auguste Bonaparte (1836–1900)
  • Napoléon Charles (1839–1899)
  • Bathilde Bonaparte (1840–1861)

Er heiratete anschließend Donna Marie Said Testaferrata.

Werke

  • Collected pamphlets. 1824–26.
  • Additions to the ornithology of the United States. Philadelphia 1825.
  • American ornithology or The natural history of birds inhabiting the United States. Mitchell, Philadelphia 1825–33.
  • Description of a new species of South American Fringilla. Philadelphia 1825.
  • Descriptions of ten species of South American birds. Philadelphia 1825.
  • Observations on the nomenclature of Wilson's ornithology. Finley, Philadelphia 1826.
  • Sulla seconda edizione del Regno animale del Barone Cuvier. Marsigli, Bologna 1830.
  • Cenni sopra le variazioni a cui vanno soggette la farfalle del gruppo Melitaea. 1831.
  • Di una nuova specie d'uccello dell'Isola di Cuba. Florenz 1831.
  • Iconografia della Fauna Italica per le quattro Classi degli Animali Vertebrati. Salvineci & Filippo, Rom 1832–41.
  • Saggio d'una distribuzione metodica degli animali vertebrati a sangue freddo. Boulzaler, Rom 1832.
  • Notices and descriptions of new or interesting birds from Mexico and South America. London 1837.
  • A geographical and comparative list of the birds of Europe and North America. van Voorst, London 1838.
  • Amphibia europea ad systema nostrum vertebratorum ordinata. Turin 1840.
  • A new systematic arrangement of vertebrated animals. Taylor, London 1841.
  • Catalogo metodico degli uccelli europei. Bologna 1842.
  • Osservazioni sullo stato della zoologia in Europa in quanto di vertebrati nell'anno 1840–1841. Florenz 1842.
  • Genus novum fringillinarum, bustamantia capilaurea. Bologna 1844.
  • Catalogo metodico dei mammiferi europei. Mailand 1845.
  • Observations on the state of zoology in Europe, as regards the Vertebrata. London 1845.
  • Parere del presidente della sezione sig. principe Carlo Bonaparte e della commissione da lui nominata per lo esame dell'anzidetta memoria del prof. de Nanzio. Neapel 1845.
  • Catalogo metodico dei pesci Europei. Fibreno, Neapel 1846.
  • Conspectus generum avium. (Band 1) Brill, Leiden 1850 online
  • Monographie des loxiens. Arnz, Leiden 1850.
  • Notes ornithologiques sur les collections rapportées en 1853 par M. A. Delattre. Mallet-Bachelier, Paris 1854.
  • Conspectus generum avium. (Band 2) Brill, Leiden 1857 online

Literatur

  • Casanova, A. G.: Carlo Bonaparte. Gangemi, Rom 1999.
  • Tyson Stroud, P.: The emperor of nature. Philadelphia 2000.

Einzelnachweise

  1. Homepage von Canino

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