Chopper (Archäologie)

1,7 Millionen Jahre alte Chopper aus Hadar
Etwa 1,8 Mio. Jahre alter Chopper aus Dmanisi / Georgien

Als Chopper (engl.: chop = hacken) wird in der Archäologie ein meist rundliches oder ovales Geröllgerät (engl.: pebble tool) der frühen Altsteinzeit bezeichnet, dessen Schneide durch einseitige Bearbeitung einer Kante erzeugt wurde. Chopper sind die ältesten Steingeräte der Menschheit und zugleich die ersten Kerngeräte.[1] Die ältesten Belege hierfür sind etwa 2,6 Millionen Jahre alt.[2] Chopper sind eine Leitform des frühen Oldowan in Ostafrika; in dieser Zeit besitzen sie eine starke, dominante Stellung. Im „developed Oldowan“ nimmt ihre Verbreitung stark ab – sie sinkt von vormals über 60 % Anteil an allen gefundenen Werkzeugen auf nur mehr ca. 28 %. Als neues, weit verbreitetes und nahezu universal verwendetes Werkzeug setzt sich das Chopping Tool durch.[3]

Im Gegensatz zu den beidflächigen Chopping Tools werden Chopper jeweils nur durch einseitiges Behauen eines Gerölls hergestellt. Dabei entstehen gleichzeitig Abschläge, deren scharfe Kanten als frühe Schneidwerkzeuge gedient haben können.

Als Produzent dieser frühesten Steinwerkzeuge gilt traditionell Homo habilis, da Reste dieser frühen Menschenform zusammen mit Choppern gefunden wurden. Fundorte wären beispielsweise die Olduvai-Schlucht (engl.: Olduvai Gorge) oder Koobi Fora im Omo-Tal. In jüngerer Zeit werden auch Homo rudolfensis und Australopithecus garhi als Hersteller solcher Artefakte diskutiert.[2]

Herstellung

Chopper werden aus Kieselsteinen oder anderen Flussgeröllen hergestellt. Die Oldowan-Chopper bestehen größtenteils aus Phonolith, einem vulkanischen Gestein von grünlich-grauer Farbe. Die Herstellung erfolgt mittels eines Schlagsteines, der in einem bestimmten Winkel auf eine Seite des zu bearbeitenden Steines trifft; dadurch werden auf einer Seite Splitter abgeschlagen und es entsteht ein Werkzeug mit einer scharfen Kante. Werden daraufhin noch weitere Abspaltungen durchgeführt, so wird die Kante länger. Die Zurichtung des Steingerätes mittels eines Schlagsteins (ohne Zwischenstücke) wird "Hartschlagtechnik" genannt. Bei der sogenannten "Weichschlagtechnik" wird dagegen zum Beispiel mit einem Geweihhammer, einem Knochen oder Hartholzstück geschlagen. Die Herstellung von Choppern erfolgt teilweise auf einem steinernen Amboss.

Bereits in dieser primitiven Technik der Artefaktherstellung sind konstitutive Elemente späterer Bearbeitungstechniken enthalten. Im weiteren Verlauf des Altpaläolithikums wird sich diese ein-, später zweiseitige Bearbeitung schließlich in zwei Richtungen entwickeln: Einerseits in die sogenannten Abschlags-, andererseits in die Zweiseiter- Kulturen.[4]

Typenspektrum

Mary Leakey legte Anfang der sechziger Jahre in ihren Monographien zu den Ausgrabungen in der Olduvai-Schlucht dar, dass, trotz der Simplizität der Bearbeitungen von Choppern eine weitere Unterteilung dieser frühen Artefakte möglich sei. Diese Unterteilung basiere auf der Relation der Schlagkante zur Originalgestalt des Steins, welche sich häufig aufgrund der Einfachheit der Modifikationen nachträglich rekonstruieren lasse. Generell sei es möglich, fünf Unterarten der Chopper festzustellen; dies wären erstens die "Side-Chopper" (hier ist die bearbeitete Fläche identisch mit einer der seitlichen Kanten des ursprünglichen Steins), zweitens die "End-Chopper" (für gewöhnlich aus annähernd rechteckigen Steinen gefertigt; die "End-Chopper" definieren sich dadurch, dass die Länge des Abstands der bearbeiteten Kante zur Unterseite von allen Choppern die größte ist; die bearbeitete Kante befindet sich demnach am weitesten vom "Ende" des Steins entfernt, wenngleich der Begriff "Ende" in diesem Zusammenhang nicht wirklich zu passen scheint, adäquater wäre das Wort "Unterseite", also unbearbeitete, gerundete Seite des Artefakts), drittens die von Leakey so genannten "two edged- Choppers" und letztens Varianten der seitlichen oder End-Chopper. Bezüglich ihrer prozentualen Verbreitung nehmen die "Side-Chopper" eine definitive Vorrangstellung ein; in Olduvai beispielsweise lag ihr Anteil an allen gefundenen Choppern bei 64,4 %. "End-Chopper" stellen den zweitgrößten Posten mit immerhin noch 21,9 % dar; die "two-edged Chopper" sind mit 8,4 % vertreten. Die Varianten des "Side"- und des "End-Chopper" bilden den restlichen Anteil.[5]

In dem Zusammenhang mit Mary Leakeys Einteilung der Chopper ist insbesondere die Existenz der"two-edged"-Chopper fragwürdig; diese Form des Gerätes würde heute eher dem Chopping Tool zugerechnet werden.

Verwendung

Der Verwendungszweck von Choppern bestand hauptsächlich im Aufspalten der Langknochen von größeren Säugetieren, um an das fetthaltige Knochenmark zu gelangen. Da das menschliche Gebiss nicht zum Zerreißen von rohem Fleisch geeignet ist, kann auch die Funktion des Zerteilens und Zerschneidens von Fleisch angenommen werden. Während die Verwertung von Aas[6] umstritten ist, konnten Hack- und Schnittspuren auf Knochen von erlegten Tieren in einigen Fällen den direkten Beweis der Nutzung von Choppern erbringen.[7] Dabei wurde stets die scharfe, bearbeitete Kante benutzt. In manchen Fällen jedoch gibt es auch Spuren der Verwendung der unteren, gerundeten Oberfläche des Choppers; diese wurde dann als Hammer benutzt. Nachgewiesen wird eine solche Verwendung durch die Untersuchung der Kortexberfläche an dieser Stelle: Weist sie geringfügige Rissspuren auf, kann man davon ausgehen, dass sie auf weiches, organisches Material auftraf.[5]

Einzelnachweise

  1. Joachim Hahn: Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten. Einführung in die Artefaktmorphologie. In: Archaeologica Venatoria, Band 10, 1991
  2. 2,0 2,1 Sileshi Semaw: The World’s Oldest Stone Artefacts from Gona, Ethiopia: Their Implications for Understanding Stone Technology and Patterns of Human Evolution Between 2·6–1·5 Million Years Ago. Journal of Archaeological Science, Band 27, 2000, S. 1197–1214, doi:10.1006/jasc.1999.0592; Volltext auch bei indiana.edu (PDF)
  3. Ian Tattersall, Eric Delson et al.: Encyclopedia of human evolution and prehistory. Garland Verlag, New York/ London 1988, S.388
  4. Fiorenzo Facchini, Die Ursprünge der Menschheit. Stuttgart, Konrad Theiss Verlag 2006, S. 110
  5. 5,0 5,1 Mary D. Leakey: Olduvai Gorge. Excavations in beds I and II. 1960-1963. Cambridge 1971. S. 4 f.
  6. R.J. Blumenschine, J.A. Cavallo: Frühe Hominiden – Aasfresser. In: Spektrum der Wissenschaft, Dezember 1992
  7. J. de Heinzelin u. a.: Environment and Behavior of 2.5-Million-Year-Old Bouri Hominids. In: Science, Band 284, Nr. 5414, 1999, S. 625–629, doi:10.1126/science.284.5414.625

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