Dunkelrestaurant

Dunkelrestaurants sind Restaurants, in denen Gäste in absoluter Dunkelheit speisen. Sie gehören zum Bereich der Erlebnisgastronomie und sollen sehenden Personen die „Welt blinder Menschen“ näherbringen. Auch wird die Meinung vertreten, man könne in der Dunkelheit Essen bewusster genießen und seine Sinne schärfen. Das erste derartige Restaurant weltweit wurde 1999 in Zürich eröffnet. 2001 wurde das erste deutsche Lokal in Köln eingerichtet.

Konzept

Im Eingangsbereich werden, zusätzlich zur Garderobe, auch potenzielle Lichtquellen, wie Uhren mit Leuchtziffern, Handys und Zigaretten abgegeben. Dort werden auch ein Menu (nur die Fleischrichtung) sowie Getränke bestellt. Den eigentlichen dunklen Speiseraum erreicht man über eine Schleuse, so dass andere Gäste nicht gestört werden. Damit wird sichergestellt, dass der Raum stets absolut dunkel bleibt. Geführt und bedient wird man normalerweise von blinden und sehbehinderten Kellnern, jedoch gibt es auch Restaurants, in denen sehende Kellner Infrarotgeräte tragen und die Gäste erkennen können.

Zum Einsatz kommen zunächst der Tastsinn und der Gehörsinn. Durch den Geschmackssinn und Geruchssinn kann man versuchen, die Speisen zu identifizieren. Es herrscht eine ungewohnte Atmosphäre.

Nach dem Essen kann man sich im Eingangsbereich über die genaue Menufolge informieren.

Das Konzept der Dunkelrestaurants gibt allerdings nur einen sehr eingeschränkten Eindruck vom tatsächlichen Erleben blinder und sehbehinderter Menschen. Ein wesentlicher Unterschied besteht z.B. darin, dass sehende Gäste in Dunkelrestaurants sich unbeobachtet fühlen und in der Regel auch unbeobachtet sind, während das Verhalten blinder Menschen von ihrer Umgebung ständig beobachtet werden kann. Auch werden weder die sehenden Gäste noch die sehende Bedienung für die realen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Restaurantbesucher - etwa beim Bestellvorgang, beim Servieren oder Bezahlen - sensibilisiert.

Erfinder Axel Rudolph

Axel Rudolph baute akustische Trennwände in hellhörige Räume. Dann beschäftigte er sich in seiner Promotion mit dem Einfluss von Alltagsgeräuschen auf das Kundenverhalten. Und er entwarf Kulturprogramme für Blinde und Sehende, die etwas erleben wollten und sollten, dabei aber vor allem hören konnten - und eben nicht sehen! Der Akustikdesigner entwickelte schon 1992 sein Konzept.

Geschichte der Dunkelrestaurants

Aufgrund der Ausstellung "Dialog im Dunklen" (Februar - April 1998 im Museum für Gestaltung Zürich) entstand ein Projekt des blinden Pfarrers Jürg Spielmann und des sehbehinderten Psychologen Stefan Zappa für die Schweizerische Landesausstellung Expo.02. Die "blindekuh" nahm im September 1999 als erstes Dunkelrestaurant den Betrieb auf. Weitere folgten: 2001 unsicht-Bar in Köln; 2002 Nocti Vagus, Berlin; 2002 unsicht-Bar, Berlin; 2004 Dans le Noir, Paris; 2005 Taste of Darkness, Frankfurt; 2006 blindekuh, Basel; 2006 Dans le Noir, London; 2006 unsicht-Bar, Hamburg; 2006 Dans le Noir, Moskau; 2007 FINSTER Essen; 2008 Fuchsbau in Schmiedefeld am Rennsteig; 2009 Sinneswandel, Dresden; 2010 mein-Koblenz, Koblenz.

Einrichtungen in Deutschland

  • unsicht-Bar - Deutschlands erstes Dunkelrestaurant in Köln, Berlin und Hamburg
  • NOCTI VAGUS - Dunkelrestaurant und weltweit erste Dunkelbühne in Berlin
  • Weitere Restaurants bzw. Bars gibt es z.B. in Berlin, Bochum, Dresden, Essen, Esslingen, Frankfurt am Main, Hamburg, Ingolstadt, Köln, München, Marburg, Schmiedefeld/Rennsteig, Stuttgart, Wiesbaden (Schloss Freudenberg) und Koblenz.

Einrichtungen im Ausland

Einen Überblick über Einrichtungen im Ausland kann man sich im Internet ansehen[1].

Siehe auch

  • Dialog im Dunkeln
  • Dialogmuseum

Einzelnachweise

  1. Überblick über Dunkelrestaurants im Ausland (englischsprachig)

Weblinks


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